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UNIVERSUM Böhmerwald - |
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Wildnis im Herzen Europas |
Drei Jahre hindurch begleitete die önj Haslach das Projekt UNIVERSUM Böhmerwald der WEGA-Film in Wien. Angefangen von den ersten Überlegungen und Konzeptionen über "guided tours" durch den Böhmerwald bis zum letzten Schliff des Filmes waren Rainer Vierlinger, Alex Zimmerhackl, Karl Zimmerhackl und Thomas Engleder von der önj Haslach als wissenschaftliche Berater und Ansprechpartner vor Ort eingebunden.
Wir konnten damit beitragen die Schönheiten des Böhmerwaldes einem großen Publikum zugänglich zu machen.

UNIVERSUM-Dreh
mit Böhmer-Waldschafen
OÖN-Interview mit
Regisseur Alfred Vendl
OÖN vom 09.11.2000 - Seite 008 von Ulrike Steiner
Der Böhmerwald als Wildnis im Herzen Europas ist heute um 20.15 Uhr in ORF 2 Star der Reihe "Universum". Genähert hat sich der Region als Autor und Regisseur Alfred Vendl, der im Hauptberuf eigentlich Universitätsprofessor (Fachgebiet: Silikatchemie und Archäometrie), seit Jahren aber auch für den ORF tätig ist.
OÖN: Sie haben bisher so unterschiedliche Themen wie "Himmelsboten", "Ratten unter uns" und zuletzt "Die Macht des Regenbogens" für "Universum" aufbereitet. Werden Sie nun Naturfilmer?
Vendl: Absolut nicht! Ich hab' halt jetzt einmal einen Landschaftsfilm gemacht.
OÖN: Was hat Sie denn gerade am Böhmerwald gereizt?
Vendl: Vor allem das Faktum, dass das eine Landschaft mitten in Europa ist, die zum Teil - zumindest auf tschechischer Seite - jahrzehntelang quasi unberührt war. Auf der österreichischen Seite ist der Böhmerwald eine durchgehend bewirtschaftete Region und im bayerischen Raum haben wir einerseits die Bewirtschaftung und andererseits die durch einen Nationalpark geschützten Teile. Also eine überaus interessante Situation.
OÖN: Gab es auch etwas Überraschendes?
Vendl: Ja, dass der Böhmerwald im österreichischen Teil eine extrem blühende, wohlhabende Gegend ist. Ich hatte mir das eher so karg wie im Waldviertel vorgestellt.
OÖN: Gibt es ein Leitmotiv?
Vendl: Wir waren bei einer Bauernfamilie aus Aigen vier Jahreszeiten hindurch zu Gast. Das war sehr beeindruckend.
OÖN: Warum und wie ist diese Familie ausgesucht worden?
Vendl: Das Donnerstag-Universum ist nicht die Wildlife-Schiene mit spektakulären Tierbildern, sondern da geht es um Mensch und Natur. Die Naturschutzjugend Haslach hat uns großartig geholfen. Sie haben uns die Orte, die ökologischen Zusammenhänge, die ganzen Schmankerln und Zuckerln gezeigt. Sie haben uns mit der Familie Wöß bekanntgemacht, die auf einem Hof lebt, der seit dem 15. Jahrhundert bewirtschaftet ist. Wie es Tradition war, wohnen mehrere Generationen zusammen. Und jeder hat seine Aufgabe: Sie machen den Most und den Schnaps selber, der Großvater bindet Reisigbesen, das Holz holt man aus dem eigenen Wald. Es ist eine noch sehr ursprüngliche Lebensweise.
OÖN: Das klingt sehr "ideal"
Vendl: Das ist "Universum", nicht "Brennpunkt"! Konflikte sind mit Ausnahme des Borkenkäferproblems keine drinnen.
OÖN: Aber viele Themen, auch die frühe Industrialisierung, werden angesprochen?
Vendl: Ja, aber immer aus der Sicht eines Phänomens und nicht sozialkritisch. Anders als kürzlich bei Horst Friedrich Mayer in seiner Böhmerwald-Sendung, bleiben bei uns auch kulturelle Zusammenhänge ausgespart.
OÖN: Der Mensch im Böhmerwald wird also durch die gezeigte Familie repräsentiert, wer steht für die Natur?
Vendl: Wir haben den Luchs drinnen, wir haben zum ersten Mal überhaupt einen Elch auf österreichischem Boden, bei Haslach, filmisch dokumentiert. Wir haben - was oft abgestritten wird - Beweise gefunden, dass es auf tschechischem Gebiet vereinzelt Wölfe gibt.
OÖN: Wie würden Sie Ihr Böhmerwald-Universum in einem Satz beschreiben?
Vendl: Es ist ein sehr stimmungsvoller Kaminabendfilm.
Heimat
für Luchse, Wölfe und Elche
Im Herzen Europas liegt das weitläufige Gebiet des Böhmerwaldes. Über Jahrzehnte
durchschnitt der Todesstreifen des Eisernen Vorhanges dieses Gebiet. Was für
die Menschen oft Verlust der Heimat und großes Leid bedeutete, war für Flora
und Fauna eine ausgedehnte Erholungspause. Heute umschließen Nationalparks
die geschützten Bereiche des Böhmerwaldes an den Grenzen Oberösterreichs,
Bayerns und Tschechiens. Wälder, Seen und Moore beherrschen die Landschaft,
in der wieder Luchse, Wölfe und vereinzelt sogar Elche ihre Heimat gefunden
haben. Alfred Vendls "Universum"-Dokumentation, "Böhmerwald - Wildnis im Herzen
Europas", eine Koproduktion von ORF, dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft
und Kultur, Land Oberösterreich und WDR, hergestellt von WEGA-Film, verfolgt
am Donnerstag, dem 9. November, um 20.15 Uhr in Stereo und im Format 16:9
in ORF 2 das Leben einer Bauernfamilie inmitten dieser wiedergeborenen Natur.
Die Landschaft des Böhmerwaldes gilt als Juwel unter den Naturparadiesen Europas. Durch die Grenzlage am ehemaligen "Eisernen Vorhang" blieben große Teile des Böhmerwaldes jahrzehntelang unberührt. Es entstand ein Refugium für seltene Pflanzen und Tiere. Ein Jahr lang hat ein "Universum"-Team unter der Regie von Alfred Vendl die bisher kaum bekannten Naturschönheiten dieser faszinierenden Landschaft im Dreiländereck Österreich, Deutschland und Tschechien im Wandel der vier Jahreszeiten mit eindrucksvollen Bildern dokumentiert. Dabei gelang es erstmals, Elche in freier Wildbahn auf österreichischem Gebiet zu filmen. Im Vordergrund des Films stehen die Landschaftsschönheiten des Böhmerwaldes mit den teils urwaldähnlichen Wäldern, den in unzähligen Mäandern ausgebreiteten Flüssen, den skandinavisch anmutenden Hochebenen und Mooren, aber auch den weitläufigen Wiesen mit ihrer breiten Blumenpracht.
Die Menschen, die hier leben, sind besonders gefordert, wenn es darum geht, das karge Angebot dieser rauen Gegend zu nützen. Das "Universum"-Team begleitete eine Bauernfamilie aus der Gegend von Aigen-Schlägl, wie sie die Herausforderungen im Laufe der vier Jahreszeiten bewältigt.
"Meine ganze Seele hängt an dieser Gegend", schrieb Adalbert Stifter vor 150 Jahren. Er setzte dem Böhmerwald mit seinen Landschaftsbeschreibungen ein - wenn auch romantisch überhöhtes - so doch Jahrhunderte überdauerndes Denkmal. Vieles hat sich seither im Böhmerwald verändert, doch verglichen mit anderen Naturregionen Europas konnte dieses Gebiet im Nordwesten des Mühlviertels seine Originalität bewahren. Die speziellen geologischen und klimatischen Bedingungen - Granituntergrund, dünner Humusboden, raues Klima, urtümliche Moorlandschaften - tragen dazu bei, dass in dieser Gegend eine einzigartige Fauna und Flora anzutreffen ist.
Unter den Blumen stechen das Holunderknabenkraut und der böhmische Enzian hervor; die Moore beherbergen seltene Pflanzen bis hin zum fleisch-fressenden Sonnentau; in den Bächen lebt heute noch die Flussperlmuschel, deren glitzernde Produkte nicht nur die österreichische Kaiserkrone schmücken, sondern vor allem auch in das Kulturgut der Gegend eingebunden wurden, wie ein prächtiges Messgewand im Stift Schlägl beweist. Heute tummeln sich Fischotter in den Resten des Schwarzenbergischen Schwemmkanals und genießen den vorhandenen Fischreichtum der Gewässer. Im frühen 19. Jahrhundert aber stellte dieser Kanal eine herausragende Ingenieursleistung dar, gelang es doch den Erbauern, die Wasserscheide des Böhmerwaldes zu überwinden und somit eine Wasserstraße für den Transport des Holzes aus dem Böhmerwald bis zur Donau zu bauen. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Holz über diesen Wasserweg zur Donau geschwemmt. Das Holz des Böhmerwaldes war und ist ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor der Gegend. In jüngster Zeit allerdings ist ein winziges Lebewesen - der Borkenkäfer - dabei, erhebliche Teile des Waldbestandes zu gefährden. Die harten, schneereichen Winter, die die Bäume unter der Last des Schnees zerbrechen lassen, haben in Verbindung mit der bis heute steigenden Umweltbelastung des Waldes diesem kleinen Schädling den Weg bereitet. Bis heute wird der Holzreichtum der Gegend von Köhlern zur Herstellung von Holzkohle genutzt, auch wenn die Holzkohle schon lange nicht mehr dazu dient, Energie für die Herstellung eines der schönsten Produkte des Böhmerwaldes zu liefern -- des berühmten böhmischen Glases. Der Quarzreichtum der Urgesteingegend führte im Verbund mit dem Holzreichtum zu einer blühenden Glasindustrie, die bis heute noch - vor allem im bayerischen Teil - erfolgreich betrieben wird.
Dem "Universum"-Team wurde von tschechischer Seite erlaubt, das Kern-gebiet des Böhmerwaldes ohne Einschränkung zu filmen - sogar Tiefflugauf-nahmen waren möglich, was zu seltenen Tierbegegnungen in einem Gebiet führte, das 40 Jahre lang vom Menschen unbehelligt blieb und wo bis heute Luchs, aber auch Elch wieder eine Heimat gefunden haben und sich in den schneereichen Wintern sogar vereinzelt Wölfe bis zu den besiedelten Gebieten wagen. Der Böhmerwald ist bis heute eine der interessantesten und naturbelassensten Regionen Europas geblieben.
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