Schwalben...
...mit Glücksbringern unter einem Dach


Rauchschwalbe (Hirundo rustica) und Mehlschwalbe (Delichon urbica) -
20 Jahre Brutvogelzählung - ein Langzeitprojekt der önj-Haslach 1980-1999



Alte Volkslieder, Gedichte und Märchen zeigen, dass der Mensch zur Schwalbe schon immer ein besonderes Verhältnis hatte. Die Schwalbe gilt als Glücksbringer, der den Frühling ankündigt und als Garant für das Wohlergehen von Hof, Haus und deren Bewohner (VIETINGHOFF-RIESCH 1955, GATTIKER 1989).

Die Veränderungen der ökologischen Bedingungen haben auf den Schwalbenbestand großen Einfluss. Anzeichen eines lang anhaltenden und in jüngster Zeit beschleunigten Rückgangs der Schwalben in Mitteleuropa sind deutlich erkennbar (NITSCHE u. PLACHTER 1987). Die wichtigste Ursache für die Abnahme des Schwalbenbestandes ist der Verlust an geeigneten Lebensräumen. Die strukturelle Verarmung der Kulturlandschaft und das damit verbundene Verschwinden von Schlechtwetter-Nahrungsbiotopen schränkt das Nahrungsangebot für die Schwalben stark ein (LOSKE 1997). Besonders schwerwiegend ist darüber hinaus auch der Mangel an geeignetem Nistmaterial durch Asphaltierung von Straßen und Vorplätzen und die Verminderung des Nahrungsangebotes durch den verstärkten Insektizideinsatz (KILZER u. BLUM 1991).

Abb. 1: Lage des Untersuchungsgebietes in Oberösterreich.

Die Modernisierung oder Aufgabe von landwirtschaftlichen Betrieben hat in vielen Gebieten insbesondere zu Bestandsrückgängen der Rauchschwalbe geführt. Der Umbau traditioneller bäuerlicher Betriebe in sterile Viehzuchtanlagen und die Umwandlung von Bauerndörfern in fremdenverkehrsorientierte Wohnsiedlungen wird auf die Dauer negative Folgenhaben (DVORAK u. a.1993). Nicht zuletzt sind es Hausrenovierungen, durch die viele Schwalben ihren alten Nistplatz verlieren.

Die Erhaltung einer artenreichen Vogelwelt, in der die Schwalben ihren angestammten Platz haben, ist ein wesentliches Ziel für den Vogel schutz, der nur durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und direkte Kon- takte mit Hausbesitzern und Landwirten erreicht werden kann. Ein erfolgreiches Beispiel ist in dieser Hinsicht das Schwalbenprojekt der Österreichischen Naturschutzjugend (önj) Haslach in Zusammenarbeit mit der Hauptschule Haslach an der Mühl (Abb. 1). Seit 1980 wird in fünf Ortschaften im nordwestlichen Mühlviertel nahe der Grenze zu Südböhmen von der önj Haslach eine jährliche Bestandserhebung der Brutpaare von Rauch- und Mehlschwalbe durchgeführt.

Abb.2: Schüler/innen bei der Erhebung von Schwalbenbrutpaaren.


Welche Ziele sollen damit erreicht werden?

  • Aufgrund langjähriger Aufzeichnungen können genaue Angaben über die Entwicklung des Schwalbenbestandes in den einzelnen Dörfern gemacht werden. Bestandsschwankungen werden sichtbar und die Bestände der Schwalben können durch gezielte Nisthilfen langfristig gesichert werden.
  • Weiters dienen diese Bestandserhebungen der lokalen Datenerhebung von Siedlungsdichte, Verbreitung und Häufigkeit der Mehl- und Rauchschwalbe.

  • Die Auswirkungen von künstlichen Nisthilfen und Schwalbentümpeln sollen überprüft werden.
  • Durch regelmäßigen Kontakt, Information und Einbindung der Dorfbewohner in die Zählarbeit soll Verständnis Iür das Schwalbenschutzprogramm erreicht werden. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten/innen soll sich optimal entwickeln, und das Interesse für den Schwalbenschutz soll geweckt werden.
  • Ein weiteres Ziel ist die Mitwirkung der Schüler/innen. Kinder und Jugendliche lernen durch ihre aktive Teilnahme am Schwalbenschutz umweltrelevante Zusammenhänge und Schutzmaßnahmen besser zu verstehen. Durch praktisches Arbeiten und die direkte Auseinandersetzung mit ökologischen Fragen wird den Schüler/innen aktiver Naturschutz näher gebracht (Abb. 2). Außerdem wird das Interesse für Umweltfragen geweckt und so auch ein Beitrag zur Entwicklung von Verantwortungsbe- wusstsein für die Natur geleistet.



Untersuchungsgebiet

Das Untersuchungsgebiet (Abb. 3) liegt im Bereich um Haslach an der Mühl im nordwestlichen Mühlvier- tel. Die Erhebung der Schwalbenbrutpaare wird in den fünf Ortschaften Damreith, Hörleinsödt, Hintern- berg, Oedt (Gemeinde Lichtenau) und Hartmannsdorf (Gemeinde Haslach) durchgeführt.

Es handelt sich um landwirtschaftliche Streusiedlungen (Abb. 4), die sich auf einer Seehöhe zwischen 500- 800 m befinden, im Gegensatz zu den tiefer in den Talbereichen liegenden alten Märkten mit ihren geschlossenen Ortskernen.

Naturräumlich zählt dieses Gebiet zum Granit- und Gneishochland des Böhmischen Massivs. Das Land- schaftsbild wird geprägt von sanftgeschwungenen Hochflächen mit Kuppen und bewaldeten Plateaus, Rücken und weitgespannten Mulden, bei zumeist nur geringen Höhenunterschieden. In diesem Bereich steigt das Gelände gegen Norden zum Böhmerwald bis auf über 1000 m Seehöhe an und wird durch Nord-Süd gerichtete Talfurchen, die Mühltäler, gegliedert. Rau ist das Klima des österreichischen Böhmerwaldes. In dieser atlantisch bestimmten Klimaregion dringen ungehindert die Wetterfronten gegen Osten vor und bringen Niederschläge mit einem Maximum im Juni, wobei der durchschnittliche Niederschlag pro Jahr bei 758 mm liegt. Die Kleinbauern dieser Gegend können dem Boden nur sehr bescheidene Erträge abgewinnen. Anspruchslose Landwirtschaft (Grünland, Kartoffel, Hafer, Roggen, Hopfen) prägt das Landschaftsbild.



Erfassungsmethodik

Im Untersuchungsgebiet wird der Bestand an Rauch- und Mehlschwalben einmal pro Jahr erfasst. Dies erfolgt durch Zählung der Brutpaare mit Hilfe eines einheitlichen Erhebungsbogens für jedes Gebäude. Es werden insgesamt 37 landwirtschaftlich und nicht landwirtschaftlich genutzte Gebäude kontrolliert. Die Zählungen werden jedes Jahr von geschulten önj-Mitarbeitern und Schülern/innen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Hausbesitzern in der zweiten Hälfte des Juni durchgeführt.

Daher beziehen sich die vorgelegten Bestandszahlen nur auf die Anzahl der Brutpaare der Erstbruten. Die Anzahl an Zweit- und Drittbruten wird nicht erfasst. Die Datenerhebungen, die der vorliegenden Arbeit zugrunde liegen, erfolgten im Zeitraum von 1980-1999. Die Zählungen werden auch in den nächsten Jahren fortgeführt.

Abb. 3: Lage der untersuchten Dörfer Damreith, HörIeinsödt, Hinternberg, Oedt und Hartmannsdorf
(GrundIage ÖK 1: 50.000, BI. 14, verkleinert).

 

Abb. 4: Von Mehl- und Rauchschwalben besiedeltes Dorf - Hartmannsdorf.



Bestandsentwicklung im gesamten Untersuchungsgebiet 1980-1999 (Abb. 5)

Im Untersuchungsgebiet lassen sich Höchstwerte im Schwalbenbestand für den Zeitraum von 1988 bis 1992 verzeichnen. In den darauffolgenden Jahren ist bis auf wenige Ausnahmen eine Abnahme der Anzahl von Brutpaaren zu erkennen. Für die Mehlschwalbe waren in den Jahren 1988 bis 1992 Spitzenwerte mit bis zu 130 Brutpaaren zu beobachten. Seit 1993 fiel der Mehlschwalbenbestand in allen untersuchten Ortschaften ab und erreichte 1996 seinen absoluten Tiefpunkt mit nur 37 Brutpaaren seit Beginn der Schwalbenzählungen.

Der Bestand an Rauchschwalben erreichte im Jahre 1995 einen Höchstwert mit 122 Brutpaaren. Die darauffolgenden Jahre zeichnen sich durch einen Rückgang der Rauchschwalbenbrutpaare aus. Im Jahre 1997 erreichte der Rauchschwalbenbestand einen Tiefpunkt mit nur 63 Brutpaaren.

Derartige lokale Bestandsschwankungen sind in kleineren Dörfern normal. Die Situation im Raum Haslach an der Mühl passt somit ins allgemeine Bild der gesamteuropäischen Bestandsentwicklung.

 

Bestandsentwicklung in den einzelnen Dörfern 1980-1999

Damreith

Damreith liegt auf einer Seehöhe von 531 m und besteht aus acht Bauernhöfen. Dieses Dorf (Abb. 6) liegt an der relativ stark befahrenen Durchzugsstraße Haslach-Aigen, wo durch den Straßenverkehr jedes Jahr einige Schwalben verunglücken. Die Nähe zur Großen Mühl, die Obstgärten und die ausgedehnten Wiesenflächen sind ftir die Nahrungssuche der Schwalben von großer Bedeutung. Insbesondere während Schlechtwetterperioden sind die Flussauen der Großen Mühl mit zahlreichen Hecken, Baumreihen und Gehölzen ein wichtiges Nahrungsbiotop für die Schwalben. Diese Jagdräume bieten mit ih- rem günstigen Mikroklima ein gutes Nahrungsangebot an Insekten.

Als stabil kann derzeit der Rauchschwalbenbestand in Damreith bezeichnet werden. Mit dem steigen- den Viehbestand wurden zwei Ställe vergrößert. Damit erhöhte sich das Angebot an Brutmöglichkeiten.

 

 

 

Abb. 6: Damreith aus der Schwalbenperspektive.

 

Bei den Mehlschwalbenbrutpaaren lässt sich seit 1995 eine Abnahme erkennen, die 1999 mit nur neun Brutpaaren einen Tiefpunkt erreicht hat.

 

Hartmannsdorf

Hartmannsdorf befindet sich auf einer Seehöhe von 551 m und ist mit nur vier Bauernhöfen das kleinste Dorf des Untersuchungsgebietes. Dieser Teil des Untersuchungsgebietes wird intensiv bewirtschaftet und umfasst große Hopfenanbauflächen. Für die Beurteilung der ökologischen Situation ist die Nähe zur Großen Mühl (Abb. 7) von Bedeutung.

Eine große Einbuße an Mehlschwalbenbrutpaaren ist im Jahr 1983 auf eine bauliche Veränderung zurückzufuhren. Ein altes Gebäude, an dem sich eine große Anzahl von Mehlschwalbennestern befand, wurde abgerissen. In den folgenden Jahren erholte sich der Bestand mit einem zunehmenden Anteil an Kunstnestern und erreichte 1999 mit 29 Brutpaaren einen sensationellen Höhepunkt.

 

Hörleinsödt/Hinternberg

Das Dorf auf dem Berg ist Hörleinsödt (Seehöhe 770 m). Es setzt sich aus sechzehn Bauernhöfen zusammen. Hinternberg ist das Dorf im Tal (Seehöhe 720 m) und besteht aus 2 Bauernhöfen.

Reiterschlag (Pasecna), eine mit vielen Rauchschwalben besetzte Kolchose, befindet sich in geringer Nähe (ca. 1 km Luftlinie) in Südböhmen. Dieses Brutgebiet steht möglicherweise in Zusammenhang mit dem Schwalbenbestand in Hörleinsödt. Die direkte Abhängigkeit des Brutverhaltens der Rauchschwal- be von der Viehhaltung zeigt sich an einem Gehöft im Dorf Hinternberg. Während eines Stallumbaues wurden einen Sommer lang die Kühe in der Scheune untergebracht. Die Rauchschwalben passten sich den neuen Bedingungen an und errichteten ihre Nester auf Holzbalken in dieser Scheune. Das Vorhandensein von Großvieh, das eine konstante Raumtemperatur und vor allem die Anwesenheit von Fliegen begünstigt, ist offenbar von größter Bedeutung. Eine große Einbuße des Mehlschwalbenbestandes ist auch in Hörleinsödt auf eine bauliche Veränderung zurückzuführen. Im Jahr 1996 wurde ein altes Gebäude (Abb. 8), an dem sich eine große Anzahl von Mehlschwalbennestern (bis zu 19 Brutpaare) befand, abgerissen und durch einen Neubau (Abb. 9) ersetzt. Am Neubau brüteten seither keine Mehlschwalben mehr.

Abb.7: Die Nähe der Großen Mühl ist mit einem überwiegenden Anteil an naturbelassenen Fließstrecken bei schlechtem Wetter ein wichtiges Nahrungsgebiet für die Schwalben.

 

Oedt

Oedt befindet sich auf einer Seehöhe von 732 m und setzt sich aus neun Bauernhöfen zusammen. In diesem Dorf ist für die Zukunft nur der Betrieb eines einzigen Hofes gesichert. Die insektenreichen Wiesen am Südhang des Dorfes und der große Bestand an Hochstamm-Obstbäumen begünstigen an sich die Entwicklung des Schwalbenbestandes (Abb. 10). Jedoch ist in den vergangenen Jahren ein sehr starker Rückgang der Viehhaltung zu verzeichnen, was für die Zukunft des Schwalbenbestandes von entscheidender Bedeutung ist.

1999 verzeichneten beide Schwalbenarten einen Aufwärtstrend.

 

Nistökologie

Rauchschwalbe

Die Rauchschwalbe nistet hauptsächlich im Inneren von Ställen. In Ausnahmefällen waren Nester auch im Stadel, in der Scheune, in leer stehenden Silos oder an der Außenseite von Gebäuden zu finden. In allen Fällen war der Raum mit dauernd offen stehenden Fenstern oder Luken ausgestattet. Alle Nester waren stets unmittelbar unter der Decke (5-20 cm) eines Raumes platziert. Die Rauchschwalben benutzten zum Nestbau fast immer vorhandene Hilfskonstruktionen und klebten ihre Nester an Stützbrettchen und Lampen (Abb. 11) sowie an Stromleitungen und Mauervorsprünge. Nur wenige wurden frei an Wände gebaut. In Ausnahmefällen wurden Nester auch an Lüftungsschächte, Heufutterlücken oder Kunststoffsilos gebaut.

Im Untersuchungsgebiet im Raume Haslach an der Mühl bauen nur wenige Rauchschwalben nach ihrer Ankunft im Brutgebiet neue Nester. Alte Nester werden renoviert und sind teilweise seit Beginn der Schwalbenzählung durchgehend in Gebrauch.

 

Abb. 8 und 9: Ein altes Gebäude (links), an dem sich eine Mehlschwalbenkolonie befand, wurde abgerissen und durch einen Neubau (rechts) ersetzt

 

Abb. 10: Vor allem bei schlechter Witterung sind die zahlreichen Obstbaumreihen ein beliebtes Nahrungsgebiet der Schwalben.

In der Regel finden 50-95 % der Bruten in bereits bestehenden Anlagen statt. Die Naturnester der Rauchschwalben haben eine außerordentlich lange Le bensdauer und können Jahrzehntelang benutzt werden. Die Langlebigkeit der Nester beruht vor allem darauf, dass durch den Bau der Nester an oder auf Hilfskonstruktionen und Stützelementen diese nicht absturzgefährdet sind. Derartige Nester sind sicher befestigt und auch in Trockenperioden, in denen kein feuchtes Erdmaterial zum Nestbau zur Verfügung steht, stabil. Das Nest wird aus meist lehmigen Erdklümpchen, die mit Speichel durchsetzt sind, erbaut. Zur Verstärkung werden Pferdehaare, Gras- und Heuhalme eingewoben (GLUTZ VON BLOTZHEIM u. BAUER 1985, GASSER 1993, VIETINGHOFF- RIESCH 1955). In den untersuchten fünf Ortschaften im Raume Haslach an der Mühl hat es sich bewährt, während Trockenperioden einen "Schwalbentümpel" anzulegen. Dabei wird mit Lehm, Pflanzenfasern (Stroh) und Wasser eine ständig feucht gehaltene Pfütze errichtet, die den Schwalben Nistmaterial zur Verfügung stellt.

Die Mehlschwalbe errichtet ihre Nester an Außenwänden von Gebäuden knapp unter dem Dachvorsprung, oft mehrere eng aneinander. Die Mehlschwalbe ist ein ausgesprochener Koloniebrüter (Abb. 12). Ausreichende Überdachung und freier Anflug scheinen dabei wichtiger als die Himmelsrichtung zu sein.

Die Bindung an die Viehhaltung ist weniger ausgeprägt als bei der Rauchschwalbe und sie ist in viel geringerem Maße Kulturfolger als die Rauchschwalbe. Nach der Ankunft werden zuerst intakte, dann teilweise beschädigte Nester bezogen. Die spätestens Ankömmlinge bauen neu, und zwar

Abb. 12: Kolonie von natürlichen Mehlschwalbennestern - Mehlschwalben bauen bis auf ein Flugloch geschlossene Lehmnester.

 

Abb. 11: Rauchschwalben bauen ihre nach oben offenen Lehmnester am häufigsten auf angebrachten Stützbrettchen oder aufvorhandenen Stablampen.

 

bevorzugt an Stellen, wo Konturen eines früheren Nestes zu sehen sind (GLUTZ VON BLOTZHEIM u. BAUER 1985). Ähnlich der Rauchschwalbe gehört die Mehlschwalbe zu den wenigen Arten, die Nester mehrere Jahre benützen. Einmal gegründete Kolonien können über viele Jahre hinweg benutzt werden. Wenn der Nistplatz den Anforderungen der Mehlschwalben entspricht, werden neben benutzten Kunstnestern auch natürliche Nester gebaut (MENZEL 1984). Zum Nestbau wird Ton, Lehm oder Schlamm von Pfützen, Karrenspuren, Baugruben, Suhlen, Kläranlagen oder Ufern von Gewässern verwendet. Aber auch eine Mischung aus Schlamm und Rinder- oder Schweinedung stellt ein wichtiges Baumaterial dar (GLUTZ VON BLOTZHEIM u. BAUER 1985). Im Untersuchungsgebiet im Raume Haslach an der Mühl wurde ähnlich der Rauchschwalbe das Nistmaterial aus angelegten Lehmpfützen mit Pflanzenfasern ("Schwalbentümpel") entnommen.

 

Abb. 13: Verhältnis zwischen Kunst- und Naturnestern der Mehlschwalbe des gesamten Untersuchungsgebietes im Jahr 1997.

 

Abb.14: Schüler/innen am Bauernhof.

 

Naturnester und Kunstnester

Die Förderung der Brutansiedelung durch künstliche Nisthilfen hat sich bei den Mehlschwalben bestens bewährt. Der Anteil an Kunstnestern betrug im Jahr 1997 44 Prozent der Gesamtnester (Abb. 13). 1997 wurden von den insgesamt 72 ausgebrachten Mehlschwalbenkunstnestern 32 Prozent der Nester von Brutpaaren besetzt. Durch das Anbringen von Kunstnestern konnte binnen kurzer Zeit auch eine Zunahme an Naturnestern beobachtet werden. Den Rauchschwalben wurden mit nur geringem Erfolg Kunstnester angeboten. Hier dienen die künstlichen Nester meist als Ausweichquartiere bei Unglücksfällen. Den Rauchschwalben kann auch durch das Anbringen geeigneter Stützbrettchen wirksam geholfen werden. Solche Nistbrettchen werden bereitwillig angenommen und sind besonders in modernen Ställen mit ungegliederten, glatten Wänden oder in trockenen Sommern zu empfehlen.

 

Ökologische Ursachen der Bestandsabnahmen

Der von den meisten Autoren (TUKKER u. HEATH 1994, GASSER 1993, MENZEL 1984) beschriebene Rückgang der beiden Schwalbenarten in vielen Teilen Europas wird hauptsächlich auf Nistplatzentzug durch Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe, den Rückgang der kleineren Gehöfte, die Modernisierung und Rationalisierung größerer Betriebe sowie den Umbau und die Zweckentfremdung von Ställen zurückgeführt. Die moderne Intensiv-Viehhaltung, die Asphaltierung von Straßen und Plätzen, die verbesserten Hygienemaßnahmen in der Landwirtschaft und die Anwendung von Herbiziden und Insektiziden führen zu einem Mangel an Insektennahrung und Nistmaterial. In den untersuchten fünf Ortschaften im Raume Haslach an der Mühl sind die häufigsten Ursachen für eine Bestandsabnahme die lokalen Veränderungen in den jeweiligen Dörfern. Im Untersuchungsgebiet ließ sich eindeutig zeigen, dass der Abbruch oder eine Fassadenerneuerung einzelner Gebäude zu einschneidenden Rückgängen der Gesamtzahl der Brutpaare in den betreffenden Dörfern führte, die auch in den Folgejahren nicht wettgemacht werden konnten. Bei den Rauchschwalben genügt bereits die Aufgabe der Kuhhaltung, dass die Nester in den Ställen nicht weiter benützt werden. Aufgrund dieser Änderungen auf den Bauernhöfen sind Bestandshöchstwerte im Untersuchungsgebiet kaum mehr zu erwarten. Daher sind der lokale Schutz und der Kontakt mit den Landwirte/innen von großer Bedeutung. Einzelne verunglückte Schwalben sind für die jeweilige Brutsaison von Nachteil und führen zu einem reduzierten Bestand im jeweiligen Dorf, scheinen aber für die langfristige Bestandsentwicklung im gesamten Untersuchungsgebiet nur von geringer Bedeutung zu sein. Der Straßenverkehr, Erbeutetwerden durch Katzen, Hängenbleiben an Ventilatoren oder Fliegenklebestreifen oder das Abfallen von schlecht haftenden Nestern mit Jungen führte vereinzelt zum Tod einiger Schwalben.

Eine Bestandseinbuße in allen untersuchten Ortschaften wurde Mitte bis Ende August 1995 aufgrund schlechter Witterungsverhältnisse verursacht. Durch das geringe Nahrungsangebot an Insekten verhungerten die Jungen der Zweitbrut und auch ein Teil der Altvögel. Ein Beispiel außerhalb des Untersuchungsgebietes macht dies deutlich. In Lichtenberg (Gemeinde Ulrichsberg) wurden im September 1995 aus 50 künstlichen Mehlschwalbennestern ca. 150 tote Jungvögel entfernt. Nach GLUTZ VON BLOTZHEIM u. BAUER (1985), NITSCHE u. PLACHTER (1987) brachten schlechte Witterungsverhältnisse vor allem der Mehlschwalbe in den Jahren 1931, 1936, 1953, 1974 schwerste Verluste. Derartige Bestandseinbußen sind jedoch im Folgejahr nur lokal spürbar und werden innerhalb weniger Jahre wieder ausgeglichen. Aus den Untersuchungen geht hervor, dass die Siedlungsdichte der Mehl- und Rauchschwalbe stark von der örtlichen Siedlungsstruktur, der Bauweise, der Intensität der Landwirtschaft und der Akzeptanz der Hausbewohner der jeweiligen Orte abhängt. Einen positiven Einfluss auf den Schwalbenbestand haben Streuobstwiesen und insektenreiche Wiesen auf den Südhängen des Gebietes. Weiters ist die Nähe zur Großen Mühl für die Nahrungsversorgung der Schwalben von großer Bedeutung.

 

Das Schwalbenprojekt aus pädagogischer Sicht

Um die Auswirkungen des umwelterzieherischen und ökologischen Aspektes auf die mitwirkenden Landwirte/innen und Schüler/innen zu untersuchen, wurde eine qualitative Bewertung des Schwalbenprojektes durchgeführt. Dazu wurde in mündlichen Befragungen die persönliche Einschätzung der beteiligten Personen bezüglich der nachhaltigen Wirkungen der Projektarbeit erforscht.

Um die Ergebnisse der Interviews näher zu erläutern, werden im folgenden Teil die wichtigsten Aussagen angeführt.

 

Sind die Schüler/innen der Meinung, dass der Schwalbenbestand ohne die Schutzmaßnahmen der önj-Haslach geringer wäre?

Alle meinten, dass durch das vermehrte Anbringen von künstlichen Nisthilfen der Schwalbenbestand zunimmt und daher der Schwalbenschutz sehr erfolgreich ist. Diese Meinung kommt durch folgende Aussage eines Schülers gut zum Ausdruck:

"Mit den Kunstnestern ist eigentlich schon die Wohnung gebaut und sie brauchen es nur mehr ein wenig auspolstern. "

 

Was wissen die Schüler/innen zum Thema Schwalben und Schwalbenschutz?

Fast alle Befragten sagten aus, durch die Teilnahme am Schwalbenprojekt auf jeden Fall etwas dazugelernt zu haben. Folgendes Wissen wurde durch die Teilnahme am Projekt erworben:

* Unterschiede zwischen Rauch- und Mehlschwalbe

* Zeitpunkt der Ankunft und des Abfluges im Brutgebiet

* Verhalten der Schwalben

* Brutplatzwahl und Baumaterial der Nester

* Einsatz der Kunstnester im Schwalbenschutz

 

War den Schüler/innen schon vor ihrer Teilnahme am Schwalbenprojekt der Unterschied zwischen Rauch- und Mehlschwalbe bekannt? Können sie Unterschiede der beiden Arten nennen?

Alle gaben an, dass ihnen erst durch die direkte Beobachtung der Schwalben bei der Schwalbenzählung der Unterschied der beiden Arten aufgefallen ist.

Ein Schüler sagte aus: " Früher glaubte ich immer, dass Mehl- und Rauchschwalbe eine Art ist. "

Die Mehrheit konnte einige Unterschiede im Aussehen zwischen Mehl- und Rauchschwalbe nennen.

Folgende Merkmale wurden von beiden Schwalbenarten genannt:

"Die Rauchschwalbe hat ein braunes Fleckerl und die Mehlschwalbe nicht. "

"Die Rauchschwalben sind drinnen und haben ein offenes Nest und die Mehlschwalben sind heraußen. "

"Der Schwanz der Rauchschwalbe ist mehr gegabelt. "

"Wenn die Schwalben fliegen, dann kennt man sie am Schwanz auseinander. "

 

Welche für Schwalben geeignete Nisthilfen sind den Schüler/innen bekannt?

Alle Schüler/innen waren bestens informiert, wie den Schwalben geholfen werden kann. Als Maßnahmen zum Schwalbenschutz wurden genannt:

"Das Anbringen von Kunstnestern, die man auch putzen kann. "

"Das Anbringen von Stützbrettchen, damit die Schwalben ihre Nester darauf errichten können. "

"Den Schwalben kann geholfen werden, indem man ihnen einen Nistplatz zur Verfügung stellt und die Schwalben nicht gleich verjagt. "

 

Welche Motive nannten die Schüler/innen für ihre Teilnahme am Schwalbenprojekt?

In den Gesprächen hat sich immer wieder gezeigt, dass für alle Schüler/innen das wichtigste Motiv für ihre Teilnahme an diesem Projekt das Interesse am Schwalbenschutz ist. Gleichzeitig nannten auch alle Befragten die Freude und den Spaß mitzumachen, weil auch Freunde dabei sind. Folgende Aussagen geben die Gründe der Teilnahme wieder:

"Weil es uns freut und weil etwas los ist."

"Weil es mich interessiert und ein Spaß ist es nebenbei auch. "

"Weil man ziemlich viel erfährt. "

"Weil ich einmal bei so einer Schwalbenzählung dabei sein wollte. "

 

Abb. 15: Schüler/innen bei der Reinigung künstlicher Schwalbennester.

 

Abb. 16: Die jährliche Brutpaarzählung ist eine gemeinsame Sache von den Schüler/innen, den jeweiligen Landwirte/innen und den Mitarbeiter/innen der öni-Haslach.

 

" Weil ich wissen wollte, wie das ausschaut und wie das geht. "

 

Haben die Schüler/innen das Gefühl, dass sich das Projekt lohnt? Soll das Projekt fortgesetzt werden?

Nach den Ergebnissen der Interviews soll das Projekt fortgesetzt werden. Alle Schüler/innen teilten mit, dass sie im nächsten Jahr wieder mitmachen würden.

"Es hilft vor allem den Tieren. "

"Wenn das die Naturschutzjugend nicht gemacht hätte, dann wären sicher nicht mehr so viele Schwalben da."

"Das Projekt sollte auf jeden Fall für die Schüler/innen aus der ersten Klasse weitergeführt werden. "

 

Was gefällt, was missfällt den Schüler/innen am Schwalbenprojekt? Welche Probleme traten auf?

Ein Großteil meinte, dass sie der Flug der Schwalben am meisten interessiert hat. Ein Schüler berichtet: "Manchmal setzen wir uns ca. 10 Minuten in die Nähe eines Schwalbennestes. Dann schauen wir, wenn sie herausfliegen und über den offenen Wiesen jagen. Das Warten darauf, wenn sie dann wieder zum Nest zurückkommen, das gefällt uns."

Alle Projektmitarbeiter/innen sind von der Freundlichkeit und der aktiven Teilnahme der Landwirte/innen sehr begeistert. Folgende Aussagen machen dies deutlich:

"Ich finde es toll, dass man immer zu den gleichen Leuten geht."

"Die Bauern sind immer sehr freundlich und haben uns immer gleich hinein gelassen."

"Bei den Bauern hat es nie Ärger gegeben. Die Bauern sind aktiv dabei ".

"Meistens zählt der Bauer schon mit und schreibt es auf, da brauchten die Schüler/innen gar nicht mehr die Schwalbennester zählen. Die Jungen zählen die Bauern auch gleich mit. "

"Wir sind einmal gerade zur Zeit gekommen, wie die Kühe gemolken wurden und da haben wir eine warme Milch bekommen. "

"Die sind alle so begeistert, wenn wir zum Schwalbenzählen kommen. "

"Die Bauern reden immer mit uns, also Zeit muss man sich schon nehmen für die Bauern. "

Abb. 17: Ein künstl. Rauchschwalbennest (Fertignest) dient einem Mehlschwalbenbrutpaar als Unterbau.

 

Abb. 18: Schwalbentümpel als Abholmarkt für aktive Nestbauer.

Abb. 19: Mit Musik ins Leben. Rauchschwalbennest auf einem Radiorekorder.

 

Was hat den Schüler/innen das Projekt persönlich gebracht?

Mehr als die Hälfte der befragten Schüler/innen ist der Meinung, dass sie durch das Projekt mehr Wissen über die Schwalben erlangten. Einige gaben an, die Schwalben schon öfters gesehen zu haben, aber niemand hat ihnen Näheres über die beiden Vogelarten erklärt. Dazu wurden folgende Aussagen gemacht:

"Man weiß mehr über die Schwalben und bildet sich weiter über das Ganze. "

"Es ist ganz einfach interessant, wie das alles ist. "

"Ich kann die Schwalben unterscheiden. "

"Es war ein Spaß. "

 

Welche Ursachen nannten die Landwirt/innen für den allgemeinen Rückgang des Schwalbenbestandes?

Moderne Ställe bieten keine geeigneten Nistplätze. Dazu wurden folgende Aussagen gemacht:

"Sie wollen einfach nicht in einen neuen Stall, denn sie brauchen einen alten Stall mit einem alten Putz, denn ein alter Bauer geht auch nicht in ein neues Wirtshaus. "

"Die neuen Ställe sind oft geschlossen und da können die Schwalben nicht mehr ein und ausfliegen."

"Wenn wir den alten Stall mit dem Gewölbe hätten, dann wären sicher mehr, denn da hat es den Schwalben besser gefallen. "

 

Sind die Landwirt/innen der Meinung, dass der Schwalbenbestand ohne die Schutzmaßnahmen der önj-Haslach geringer wäre?

Welchen Einfluss die Schutzmaßnahmen der önj-Haslach auf das Bewusstsein der Landwirt/innen hat, zeigen folgende Äußerungen:

"Es ist sicher eine mögliche psychische Beeinflussung der Bauern dadurch gegeben, weil sich wer interessiert dafür. Den Schwalben wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Vor allem werden die Bedingungen zumindest begünstigt, damit Nester bleiben und dass man sie nicht belästigt, wenn sie gerade beim Brüten sind, und nicht in die Nähe kommt, wenn die Jungen oben sind. Ich glaube schon, dass das Empfinden für die Schwalben gestiegen ist. "

"Ja, besser ist es auf alle Fälle. Und ich finde es auch so voll super, dass die önj-Haslach die Schwalbenbrutpaare zählt. Es kommt einfach mehr ins Bewusstsein. Wenn sie "Schwalbenzählen " kommen, freut man sich. "

"Vor der Schwalbenzählung hat sich keiner so richtig Gedanken gemacht. Erst wie das richtig in Gang gesetzt wurde. Das hat ein paar Jahre gedauert und am Anfang hat man ein wenig gelacht. Und dann hat man schön langsam ein wenig mitgeschaut und man hat gewusst, zu dieser Zeit kommen sie wieder Schwalbenzählen ". Und dann hat man beobachtet, wie viele haben wir denn. Vorher war das ganz einfach so. "

 

Sind die Landwirt/innen stolz auf ihre Schwalben?

Jeder freut sich über die Schwalben. Ein Großteil der Landwirt/innen erwähnte auch den Nutzen der Schwalben als Fliegenfänger. Sie sind froh, die Fliegen nicht mir chemischen MitteIn bekämpfen zu müssen. Der Nutzen und die Freude an den Schwalben zeigen sich in folgenden Aussagen:

"Für mich sind sie ganz einfach nützlich weil der Fliegenbestand dezimiert wird. Daher begünstige ich die Bedingungen fiir die Schwalben."

"Schon im Kindesalter wird einem beigebracht, dass die Schwalben nützlich sind."

"Die Schwalben bringen das Glück ins Haus."

"Für mich ist die Schwalbe der erste Frühlingsbote. Um Maria Verkündigung kommen die Schwalben wiederum und bei Maria Geburt fliegen die Schwalben fort. "

"Die Schwalben bringen Leben in den Stall."

"Die Schwalben sind für mich immer eine Belebung im Frühling."

"Wenn die Schwalben im Frühjahr kommen, dann ist der Winter aus und es beginnt der Sommer."

 

Woher beziehen die Landwirt/innen ihre Kenntnisse über die Schwalben und den Schwalbenschutz?

Als häufigste Informationsquelle gaben alle die Gespräche bei der jährlichen Schwalbenerhebung mit den Mitarbeiter/innen und Schüler/innen der önj-Haslach an. Dabei werden Kenntnisse wieder "aufgefrischt". Regionale Medienberichte (Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen) über das Schwalbenprojekt dienen ebenfalls als Informationsquelle.

Abb. 20: Im Bannkreis des Heiligenscheines. Kompetenzerweiterung des Hl. Leopold.

 

Warum nehmen die Landwirte/innen am Schwalbenprojekt teil?

Als wichtigstes Motiv fur die Teilnahme wurde das eigene Interesse an den Schwalben genannt. Die Landwirte/innen gaben auch an, dass es für sie eine Freude ist, wenn Kinder zu ihnen auf den Bauernhof kommen, um die Schwalben zu zählen.

"Da ist gar nicht geredet worden darüber. Die Mitarbeiter der Naturschutzjugend sind gekommen und sagten, dass sie das machen möchten. Es hat sich jetzt so eingebürgert. "

"Es ist selbstverständlich, dass man sich über das Projekt freut, wenn jemand etwas tut."

 

Abb. 21: Rauchschwalbennest im Wohnbereich des Bauernhauses.

 

Waren den Landwirte/innen die Schwalben vor ihrer Teilnahme am Schwalbenprojekt ein Begriff und haben sie schon vorher Schwalben beobachtet?

Seit ihrer Teilnahme am Schwalbenprojekt schenken alle den Schwalben mehr Aufmerksamkeit. Mehr als die Hälfte gab an, dass sie die Brutpaare genau zählt, weil man weiß, dass sich die önj Haslach dafür interessiert.

"Neben der Arbeit wurde geschaut, aber gezählt wurde nie. "

"Die Schwalben waren mir schon ein Begriff, aber dass es künstliche Nester gibt, das habe ich erst durch die Schwalbenzählung erfahren. "

 

Haben die Landwirte/innen durch das Schwalbenprojekt mehr über ihre Umwelt und die Bedeutung des Vogelschutzes erfahren?

Durch den intensiven Erfahrungsaustausch wird auch viel Wissen über weitere Natur- und Umweltschutzprojekte vermittelt. Folgende Aussagen machen dies deutlich:

"Freilich lernt man etwas dazu, wenn die önj-Haslach zählen kommt. Wir bekommen dabei wichtige Tipps."

"Über den Vogelschutz haben wir schon einiges erfahren. "

"Durch das Gespräch bleibt oft wieder etwas Neues hängen. "

 

Haben die Landwirte/innen ganz allgemein das Gefühl, dass sich das Projekt lohnt? Soll das Projekt fortgesetzt werden?

Alle Interviewpartner sprachen sich für die Fortsetzung des Schwalbenprojektes aus. Aussagen dazu waren:

"Das Projekt würde mir fehlen, weil ich jedes Jahr schon warte, wenn die Naturschutzjugend zum "Schwalbenzählen " kommt. "

"Wer soll denn sonst die Schwalben zählen, wenn es die Naturschutzjugend nicht macht. "

"Es wäre sehr enttäuschend, wenn sich keiner mehr für die Schwalben interessieren würde. Man würde auch nichts mehr darüber erfahren. "

"Es ist immer gut, wenn sich jemand um etwas kümmert. Dadurch kommt das Thema mehr an die Öffentlichkeit. "

 

Abb. 22: Das Überleben der Schwalben liegt in unseren Händen.

 

Abb. 23: Heide Rauchschwalbeneltern sind verschollen. Stefan Baier übernimmt die Elternrolle.

 

"Das Projekt wird erst interessant, bringen diese Einstellung zum Auswenn man es jahrelang durchführt. " druck:

"Für die Kinder ist es eine Freude und sie lernen etwas dabei und es geht Generationen wieder weiter. "

"Es ist auch wichtig, dass die Haslacher Kinder auch auf einen Bauernhof kommen, sonst haben sie die Gelegenheit nicht. Darum sind sie ja so begeistert wenn sie mitgehen können."

"Die Kinder sind hauptsächlich aus dem Ort und haben im Prinzip keine Vorstellung, wie es auf einem Bauernhof zugeht. Sie werden mit der Wirklichkeit konfrontiert. Da geht es nicht nur um Schwalben, wenn die Kinder kommen."

"Die Kinder von Haslach kommen auf einen Bauernhof und sehen zum ersten Mal in ihrem Leben einen Hahn und eine Henne, ein Schwein und eine Kuh und von mir aus einen Hasen. Es ist ja das schon ein Erlebnis"

 

"Was gefällt den Landwirten/innen am Schwalbenprojekt?

Alle fanden sehr großen Gefallen an diesem Projekt. Folgende Aussagen bringen diese Einstellung zum Ausdruck:

"Es ist ganz interessant, weil man selber dann auch genauer schaut. "

"Ich finde es toll, dass man die Schwalben unterstützt, damit sie wieder mehr werden. Mir taugt das einfach."

"Wenn man das ganze niedergeschrieben hat, dann kann man es zurückverfolgen."

"Michfasziniert diese Arbeit und die engagierten Mitarbeiter, die dauernd was unternehmen. Denn da steckt viel Arbeit dahinter und das muss zuerst einmal wer können und wissen."

 

Was hat den Landwirten/innen das Projekt persönlich gebracht?

Die Mehrzahl der Befragen gab an, dass sich durch das Projekt der Kontakt zur önj-Haslach verstärkt hat.

"Vielleicht das Eine, dass man sich mehr hineinlebt."

"Mich hat es immer schon gefreut, wenn sie gekommen sind und die Schwalben gezählt haben. Man kommt ins Gespräch mit ihnen."

"Man schaut bewusster auf die Schwalben. Damit man etwas erzählen kann, wenn die önj-Haslach zählen kommt. "

" Wenn man weiß, dass sich jemand interessiert, dann interessiert man sich selber auch. "

" Wenn das Projekt nicht gewesen wäre, würde ich wahrscheinlich so ein Projekt nirgendwo erlebt haben. "

Abb. 24: Das Projekt gibt den Schülern Einblick in das Innenleben eines Schwalbeneies.



Abb. 25: Auch Wespen nutzen Mehlschwalbennester in Fertigbauweise.

 

Schlussbetrachtung

Das Ergebnis der Interviews zeigt, dass aus pädagogischer Sicht alle Zielvorstellungen eines Projektes erreicht wurden. Das Ergebnis der Interviewauswertung zeigt, dass der Erfolg vor allem in der Verstärkung des Umweltbewusstseins und der ökologischen Handlungskompetenz aller Beteiligten gegeben ist. Das Schwalbenprojekt hat klare Arbeitsabläufe definiert und erfüllbare Aufgaben gestellt. So können alle Beteiligten auf einfache Weise aktiv einen Beitrag zum Schutz der Schwalben leisten und über die Anbringung von Kunstnestern ist ein kontrollierbarer Erfolg gegeben. Das Schwalbenprojekt bietet aber auch immer wieder die Gelegenheit, über andere lokale Natur- und Umweltprobleme Erfahrungen auszutauschen. Die gemeinsame Projektarbeit fördert dabei nicht nur den sozialen Kontakt zwischen den Landwirte/innen und der Naturschutzjugend, auch die Kommunikation der Landwirte/innen untereinander wird begünstigt. Die "Schwalbe" ist für eine Projektarbeit ein besonders geeignetes Untersuchungsobjekt, um mit den Landwirte/innen Kontakt aufzunehmen. Als Kulturfolger hat die Schwalbe von Natur aus eine enge Bindung zu den Menschen. Sie gilt im Volksglauben als Glücksbringer für Hof und Bewohner und hat eine große Bedeutung als Fliegenfanger in den Ställen. Daher zeigten die Landwirte/innen für das Schwalbenprojekt von vornherein Verständnis, und der Einstieg zu einem Gespräch wurde erleichtert. Das Thema Schwalben und Schwalbenschutz ist auch bestens geeignet den Schüler/innen in ihrem heimatlichen Bereich die Notwendigkeit lokaler Schutzmaßnahmen näher zu bringen. Das Ergebnis der Interviewauswertung zeigte, dass das Projekt "Schwalbenzählung" nach fast 20 Jahren Laufzeit bei allen Beteiligten noch immer ein beliebtes und vor allem auch ein aktuelles Thema ist. Jedes "Schwalbenjahr" bringt neue Erfolge und vor allem Freude für alle Beteiligten. Keine andere Vogelart wäre deshalb besser geeignet für ein Langzeitprojekt.

 

Dank

Die Naturschutzabteilung des Landes O.Ö. unterstützt das Projekt seit Beginn. Dafür sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen.

 

Literatur

GLUTZ VON BLOTZHEIM U. N ., BAUER K. M. (1985): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 10/I Passeriformes (I. Teil). Wiesbaden, Aula.

DVORAK M., RANNER A., BERG H.-M. (1993): Atlas der Brutvögel Österreichs. Ergebnisse der: Brutvogelkartierung 1981-1985 der Österreichischen Gesellschaft für Vogelkunde. Wien, Umweltbundesamt.

GASSER E. (1993): Die Schwalben-Erhebung von 1987. Informationsbrief der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Südtirol Nr. 42.

GATTlKERE., GATTlKERL. (1989): Die Vögel im Volksglauben. Wiesbaden, Aula.

KILZER R., BLUM V. (1991): Atlas der Brutvögel Vorarlbergs. Österreichische Gesellschaft für Vogelkunde, Landesstelle Vorarlberg, Wolfurt.

LOSKE K.-H. (1994): Untersuchungen zu Überlebensstrategien der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) im Brutgebiet. Göttingen, Cuvillier.

LOSKE K.-H. (1997): Rauchschwalbe - schlechte Aussichten für einen beliebten Dorfvogel. LÖBF-Mitteilungen 2/97: 35 - 37.

MENZEL H. (1984): Die Mehlschwalbe. Die Neue Brehm-Bücherei. Wittenberg Lutherstadt, Ziemsen.

NITSCHEG., PLACHTER H. (1987): Atlas der Brutvögel Bayerns 1979 -1983. München, Bayrisches Landesamt für Umweltschutz.

TUCKERG. M., HEATH M. F., (1994): Birds in Europe: their conservation status. Cambridge, BirdLife International.

VIETINGHOFF-RIESCHA. (1955): Die Rauchschwalbe. Berlin, Dunker und Humblot.

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Dieser Artikel ist erschienen in:

ÖKO L, Zeitschrift für Ökologie, Natur- und Umweltschutz; Jahrgang 22, Heft 2; 2/2002, S.9-19, Linz

 

     

Autoren:

Mag. Birgit KAFFENDA
Karl ZIMMERHACKL
önj Haslach
Grubberg 17
A- 4170 Haslach a. d. Mühl

     

 


 


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