Die önj Haslach und ihre Anliegen in den Medien (OÖN, SN, APA, ...)
OÖN was.ist.los? vom 03.05.2002
Naturjuwel
Ohne intakte Natur gibt es keine intakte Gesellschaft. Dafür muss man aber das Wertvolle sehen. Die Naturschutzjugend Haslach liefert in der Torf-Au mit der Berdetschläger Bauernmühle den Beweis dafür. Von Reinhold Gruber Es ist nicht immer eine Freude zu sehen, wie der Mensch mit dem Erbe der Natur umgeht. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass die Einsicht für die Erhaltung von natürlichen Flächen zu spät gekommen ist. Vielleicht waren gerade deshalb die Sensoren der Mitarbeiter der Naturschutzjugend Haslach einst so fein eingestellt, als die Torf-Au in der Gemeinde Ulrichsberg bedroht schien. Es war eine an sich simple Grundzusammenlegung, die eine Veränderung in der Landschaft hervorgerufen hätte, durch die wertvolle Ökologie zerstört worden wäre. Die Naturschützer nahmen die Verantwortung an und leiteten gemeinsam mit den Bauern und den Behörden 1983 einen Prozess ein, der die wertvolle Torf-Au erhalten sollte. Ein "schrittweiser Erfolg mit unterschiedlicher Geschwindigkeit", sagt Karl Zimmerhackl von der Naturschutzjugend Haslach. Diese vielen Schritte beziehen sich nicht nur auf die knapp 20 Hektar Feuchtwiese, die in der Torf-Au vom Menschen unberührt bleiben sollten. Mitten in diesem Gebiet verfiel auch die Berdetschläger Bauernmühle vor sich hin. Die hatte es Zimmerhackl und seinem Team angetan, weil es sich um ein Kulturgut handelt. Aus der Verbindung von Kultur und Natur gingen die Engagierten ans Werk. Vor acht Jahren begannen sie mit der Sanierung des alten Hauses. Finanziell zwar unterstützt vom Land, richteten sie die alten Mauern aber vorwiegend in Eigenregie und in tausenden Arbeitsstunden wieder auf. Insgesamt 600.000 Schilling hat die Naturschutzjugend Haslach in die Renovierung investiert. Dafür gibt heute die alte Mühle wieder einen Hauch jenes Flairs wieder, der früher geherrscht hat. Früher, als Mühlen wie die in Berdetschlag für eine Dorfgemeinschaft überlebensnotwendig waren. Am 5. Mai wird beim "Tag der offenen Mühle" nicht nur das Haus und die alte Mahlarbeit präsentiert, sondern natürlich auf die ökologische Vielfalt der Torf-Au präsentiert. Ein Stück Kulturlandschaft der besonderen Art wird an diesem Tag in den Blickpunkt gerückt. Diese Art der Öffentlichkeitsarbeit könnte sich Zimmerhackl in Ansätzen auch in Zukunft vorstellen. Denn eigentlich ist die Berdetschläger Mühle für die Jugendgruppen gedacht. "Wir haben den Dachboden zum Schlafraum ausgebaut, damit die Naturschutzjugend auch eine Nächtigungsmöglichkeit hat. Bei Interesse von größeren Gruppen ist eine Mühlenführung denkbar", sagt Zimmerhackl.
OÖN vom 31.07.2001 - Seite 016
Meister Adebar entdeckt Liebe zum Mühlviertel
VON BERNADETTE KNEIDINGER HASLACH. Störche sind gern gesehene Tiere, verbinden wir mit ihnen doch sehr schöne Dinge. Umso erfreulicher ist es, dass sich einige Störchenpärchen inzwischen im Mühlviertel heimisch fühlen und dort für Nachwuchs sorgen. Störche sieht man in letzter Zeit zwar immer öfter vor Häusern, in denen es Nachwuchs gab, doch sind diese meist nur aus Holz oder Plastik. Wer auch einmal lebendige Exemplare dieser stolzen Vögel sehen will, der hat im Mühlviertel die Chance dazu. Seit Jahren beobachtet die Österreichische Naturschutz Jugend (ÖNJ) die Störche im Mühlviertel. "Früher gab es nur den traditionellen Horst auf der Volksschule von Saxen, aber in den vergangenen acht Jahren haben sich die Vögel auch in Freistadt, Haslach und Vorderanger niedergelassen", berichtet Karl Zimmerhackl, der Leiter einer Jugendgruppe. Er vermutet, dass die Störche hauptsächlich aus Südböhmen ins Mühlviertel gekommen sind. "Es gibt in unserer Landwirtschaft wieder mehr Grünflächen und das ist für die Störche ganz entscheidend", erklärt Zimmerhackl. Untersuchungen ergaben, dass ein einziges Storchenpaar zwischen 50 und 100 Hektar Wiesenfläche braucht, um ausreichend Nahrung zu finden. Diese Zahlen sind nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Vögel einen sehr weitgefächerten Speiseplan haben, der von Heuschrecken und Käfern bis hin zu Mäusen, Fröschen und Schlangen reicht. Damit sich die Störche vermehren können, brauchen sie geeignete Nistplätze. Meist sind es Schornsteine, die diese Funktion übernehmen. Probleme mit den Hausbesitzern gibt es nur sehr selten. Die meisten freuen sich über den ungewöhnlichen Untermieter. Störche sind äußerst gewohnheitsliebende Tiere: Haben sie einmal einen guten Nistplatz entdeckt, dann kehren sie immer wieder dorthin zurück. Wer einmal junge Störche bewundern will, kann dies in Haslach tun. In einem Nest auf dem Schornstein der ehemaligen Weberei sind heuer zwei Jungvögel zur Welt gekommen. Zimmerhackl rechnet damit, dass sie schon sehr bald ihre ersten Flugversuche wagen werden. Die Kinder im Dorf warten bereits gespannt auf die ersten Ausflüge der Kleinen und auch für Erwachsene ist es immer wieder ein interessantes Schauspiel.
OÖN vom 16.07.2001
Merlin und Artus sollen Habichtskäuze im Böhmerwald wieder heimisch machen
VON GRISELDA FOSEN
ROHRBACH. Merlin und Artus heißen die beiden Habichtskäuze, die den Anfang
einer neuen Population im Böhmerwald machen. In den nächsten Tagen werden
die beiden Tiere freigelassen. Derzeit sitzen sie wohlbehütet in einer Voliere
der niederösterreichischen Zuchtstation des Vereins für Eulen- und Greifvogelschutz
in Haringsee. Merlin ist eines der drei "Mädchen", die Mitte April geschlüpft
sind. Sie bekommt als Lebensgefährten den einjährigen Arthur zugeteilt,
der derzeit mit zu sensiblen Stoßfedern zu kämpfen hat. Aus diesem Grund
kann auch der Sender nicht montiert werden, die Freilassung der Tiere muss
daher um einige Tage verschoben werden. Der Böhmerwald bietet für das Pärchen,
das für reichlich Nachkommen sorgen soll, einen guten Boden zum Überleben,
zudem soll hier eine Lücke geschlossen werden. Schließlich wurden in den
vergangenen Jahren erfolgreich Habichtskäuze im Nationalpark Sumava und
Bayerischer Wald ausgesetzt. Jeweils zwei Pärchen sollen in den nächsten
Jahren aus der Zuchtstation dazukommen, das Projekt, das WWF, Land OÖ. und
Bund initiiert haben, läuft vorerst für sechs Jahre. Wo die Tiere genau
freigelassen werden, wollen die Initiatoren nicht verraten. Diese sollen
sich möglichst ungestört an ihre neue Umgebung gewöhnen. Bedenken, dass
die zweitgrößten Eulen erschossen werden könnten, haben die Initiatoren
nicht. "Die Rohrbacher Jägerschaft steht hinter dem Projekt", weiß Jutta
Jahrl, Artenschutzexpertin vom WWF Österreich. Bezirksjägermeister Hieronymus
Spannocchi gehört unter anderen auch zu den Unterstützern. Natürliche Feinde
des Tieres sind Baummarder, Uhu oder Habicht, die sich etwas anstrengen
müssen, um den Kauz zu erwischen. Diese wissen sich sehr wohl zur Wehr zu
setzen und haben daher auch keine Angst, sich am Tag auf den Boden zu setzen.
"Die Tiere werden bis zu einem Kilogramm schwer, das Weibchen ist etwas
größer als das Männchen", ergänzt Wolfgang Scherzinger vom Nationalpark
Bayerischer Wald. Bis zu fünf Junge können die Vögel im Jahr bekommen. Ziel
der Aktion ist, eine Population von bis zu 200 Tieren aufzubauen. Übrigens:
Interessantes über das Projekt finden Sie unter webtv.nachrichten.at.
OÖN vom 28.04.2001 - Seite 030
Dem Luchs auf der Fährte: Im Lande ließe es sich leben für das Pinselohr
VON KLAUS BUTTINGER 1812 wurde der letzte Luchs Oberösterreichs im Böhmerwald erlegt. Eine aktuelle Diplomarbeit besagt: Diese Region wäre immer noch als Lebensraum für den Luchs geeignet. Doch die Rückkehr des Pinselohrs stockt. Thomas Engleder von der Naturschutzjugend (ÖNJ) Haslach hat in seiner Diplomarbeit die "Habitatsansprüche für den Luchs in der 3-Länder-Region Böhmerwald, Bayerischer Wald und Sumava" untersucht. Fazit: Im 3-Länder-Eck könnte eine stabile Luchspopulation leben. Einige Großkatzen streifen bereits in Oberösterreich, die erste Sichtung nach der Ausrottung stammt aus 1988. Wie viele, darüber gehen die Schätzungen weit auseinander. Jäger mit der Befürchtung, der Luchs würde die Rehbestände stark dezimieren ("der Luchs frisst unsere Wälder leer"), schätzen in den 90er-Jahren die Luchspopulation im Mühlviertel auf 80 bis 100. "Eine viel zu hohe Zahl", sagt hingegen Karl Zimmerhackl, Leiter der ÖNJ Haslach: "Der österreichische Teil des Böhmerwaldes ist extrem dünn besiedelt, die Population wird nicht höher, eher im Gegenteil, und auch die Zahl der gemeldeten Luchs-Risse geht zurück." Tod durch Falle, Kugel, Auto Leicht hat es der Luchs nicht mit dem Besiedeln neuer aber angestammter Lebensräume. Die Bilanz 1999/2000: In Schenkenfelden wird ein Luchs von einem Auto überfahren. In Ulrichsberg stirbt ein Luchs in einer Falle. In Zwettl wird ein junger Luchs geschossen - obwohl er ganzjährig Schonzeit hat. Bei den Luchsen im nördlichen Mühl- und Waldviertel dürfte es sich zum Großteil um Wechselwild handeln, also um südböhmische Pinselohren. Dort wurden noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs angestammte Luchse aus der Slowakei freigesetzt. Zudem leben im Nationalpark Kalkalpen einige Luchse, die aus dem Freisetzungsprojekt von Antal Festetics auf der Turracher Höhe Ende der 70er-Jahre zurückgeführt werden. Die Projektgruppe "Luchs" der ÖNJ Haslach hat sich Auswilderungszenarien in der Schweiz und in Rumänien angesehen. Dort wird mittels Sender die Luchspopulation erforscht. Einzelne Großkatzen werden betäubt, mit Sendern am Hals bestückt und wieder frei gelassen. Mittels Radiotelemetrie lässt sich der Aufenthaltsort und damit die Reviergröße, die Länge der Streifzüge etc. festhalten. Ziel der ÖNJ Haslach ist es, auch in Oberösterreich einen Luchs zu besendern. Im Rahmen eines INTERREG III-Projektes arbeitet die ÖNJ Haslach mit dem Naturpark Bayerischer Wald zusammen, Kontakte gibt es auch mit dem Naturpark Sumava in Tschechien. Eine Luchs-Broschüre wurde aufgelegt (Bestellnr.: 07289 / 714 93), man plant eine Ausstellung und betreibt weiter das Monitoring der Luchse. Dem Waldwanderer droht keine Gefahr durch den Luchs. Er beobachtet den Menschen von weitem und setzt auf sein Tarnkleid. Wird ihm die Distanz zu gering, steht er langsam auf und geht weg.
OÖN vom 21.04.2001 - Seite 030
Die Flussperlmuschel steht fünf Perlen vor der vollständigen Ausrottung
VON KLAUS BUTTINGER "1884 wurde in Steyr eine Mitra gezeigt, die mit 3000 bis 4000 weißen Perlen, die dem Kesselbach entstammten, geschmückt ist", berichtet ein Chronist. Heute würde man kaum fünf Perlen aus allen noch lebenden Flussperlmuscheln in Österreich gewinnen können. "Der kleine Kößlbach auf der Hochfläche des Sauwalds war in historischer Zeit als Perlgewässer weitum bekannt", sagt Clemens Gumpinger. Wahre Muschelbänke pflasterten seine Sohle, mussten doch - um eine Perle zu finden - rund 3000 Muscheln geöffnet werden. Der Biologe hat im Auftrag der oö. Umweltanwaltschaft und des oö. Naturschutzbundes die traurigen Muschel-Restbestände untersucht. Die Zahl der Tiere ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts dramatisch gesunken. "Verantwortlich sind die rücksichtslose Ausbeutung und die Intensivierung der Landnutzung", sagt Gumpinger, der die genauen Untersuchungsdaten im ÖKO-L publiziert hat. Durch Eintrag von Dünger und Abwässern, Kanalisierung der Bäche und Fichtenmonokulturen an seinen Ufern werden Nährstoffe ins Wasser geleitet. Als Folge dieser starken Belastung wird Sauerstoff verbraucht. Das führt zu Sauerstoffmangel in der Sohle. "Besonders für die in diesem Lückenraumsystem lebenden Jungmuscheln entsteht so eine lebensbedrohliche Situation", erklärt Gumpinger. Klar, dass die Muschelbestände stark überaltert sind. "Die Reproduktion ist seit geraumer Zeit gestört", konstatiert der Forscher. Wobei die Fortpflanzung der Flussperlmuscheln nicht nur von ihren sehr hohen Ansprüchen an den Lebensraum abhängt, sondern auch vom Vorhandensein der Bachforelle (siehe Kasten). Aus diesem Grund hat die Naturschutzjugend Haslach mit Fischern ein Projekt entwickelt, in dem bodenständige Bachforellen gezüchtet und in der Großen Mühl freigesetzt werden. Allerdings "kann das Überleben der Flussperlmuschel auf Dauer nur durch den Schutz der natürlichen Bachabschnitte und die Renaturierung der regulierten Bereiche erreicht werden", stellt Gumpinger klar. Vermehrung Die männlichen Muscheln stoßen Sperma ins Wasser aus. Die weiblichen Muscheln nehmen es mit dem Atemwasser auf und befruchten die Eier. Später stoßen sie Millionen Larven aus. Diese werden von Bachforellen aufgenommen. Die Larven heften sich durch Zusammenklappen der Muschelhälften ans Kiemengewebe. Der Ritt auf der Forelle dauert bis nächsten Sommer, die Jungmuscheln fallen ab und vergraben sich die nächsten fünf Jahre im Sediment des Bachbetts, bevor sie wieder auftauchen.
OÖN vom 17.03.2001 - Seite 034
Luchs-Comeback
Die engagierte Naturschutzjugend Haslach hat gemeinsam mit dem Naturpark Bayerischer Wald eine Broschüre über den Luchs (im Mühlviertel) herausgebracht. Ein lehrreiches, schön bebildertes Heft, das für die geheimnisvolle Waldkatze wirbt. Anschauen! Kontakt: 07289 / 71 4 93, oenj.haslach@xpoint.at
OÖN Magazin vom 17.02.2001, Seite 011
Auf Spurensuche in der Heimat
Die Torf-Au in der Gemeinde Ulrichsberg bietet dem ökologischen und kulturhistorischen Spurensucher ein reiches Betätigungsfeld. Ein neues Büchlein bringt dieses einzigartige Erbe dem interessierten Leser näher und dokumentiert gleichzeitig die Bemühungen der Naturschutzjugend Haslach um seine Erhaltung. 65 Vogelarten konnten in der Torf-Au nachgewiesen werden, 18 Rote-Liste-Falterarten. Und vor allem ist in der Großen Mühl entlang der Au eine der gefährdetsten Tierarten Österreichs heimisch: die Flussperlmuschel. ÖNJ Haslach: "Die Torf-Au mit der Berdetschläger Bauernmühle". 70 Seiten, S 50,-. Bestelladresse: ÖNJ Haslach, Grubberg 17, 4170 Haslach, Tel. + Fax 07289 / 71 4 93.
OÖN vom 19.12.2000
Haslach: Für Projekt "Torf-Au" erhielt die Naturschutzjugend Umweltpreis
HASLACH. Bereits zum fünften Mal wurde die Österreichische Naturschutzjugend Haslach mit dem Ford-Umweltpreis ausgezeichnet. "Für uns war das eine große Überraschung", so die erste Reaktion von Karl Zimmerhackl von der Naturschutzjugend Haslach, als er vom neuerlichen Preis erfahren hatte. Dieses Mal erhielten die Mühlviertler den Preis für die Rettung eines 17 Hektar großen Feuchtgebietes am Rande des Böhmerwaldes. Die Torf-Au bei Ulrichsberg wurde freigekauft, gemeinsam mit Landwirten wurde das Gebiet als Lebensraum für bedrohte Arten weiterentwickelt. Seltene Vogelarten befinden sich in der Torf-Au, darunter Wasseramsel und Braunkehlchen, gefährdete Falter wie der Wollbeinspinner oder eine der am stärksten gefährdeten Tierarten Österreichs, die Flussperlmuschel. Daneben wurde die Berdetschläger Bauernmühle restauriert, ein Tannenholz-Wasserrad wurde eingebaut, in der Zwischenzeit wurde auch bereits in dem kulturhistorischen Kleinod der Torf-Au der erste Mahlvorgang durchgeführt. "Dabei hat uns am Anfang eigentlich nur das Nest des Zaunkönigs in der Mühlenruine interessiert", erinnert sich Zimmerhackl. Die renovierte Mühle soll künftig als Basislager für Jugendgruppen dienen. Das Projekt "Zwischen Paradies und Roter Liste" bekam den 1. Preis in der Kategorie Kinder- und Jugendprojekte und wurde mit 40.000 Schilling dotiert. Das Geld wird für Naturschutzpromaßnahmen verwendet, insgesamt wurden 100 Projekte eingereicht.
OÖN vom 09.11.2000, Seite 8
"Universum"-Folge über den Böhmerwald
Reiz jahrzehntelanger Unberührtheit
OÖN-Interview mit Regisseur Alfred Vendl
Der Böhmerwald als Wildnis im Herzen Europas ist heute um 20.15 Uhr in ORF 2 Star der Reihe "Universum". Genähert hat sich der Region als Autor und Regisseur Alfred Vendl, der im Hauptberuf eigentlich Universitätsprofessor (Fachgebiet: Silikatchemie und Archäometrie), seit Jahren aber auch für den ORF tätig ist.
OÖN: Sie haben bisher so unterschiedliche Themen wie "Himmelsboten", "Ratten unter uns" und zuletzt "Die Macht des Regenbogens" für "Universum" aufbereitet. Werden Sie nun Naturfilmer?
Vendl: Absolut nicht! Ich hab' halt jetzt einmal einen Landschaftsfilm gemacht.
OÖN: Was hat Sie denn gerade am Böhmerwald gereizt?
Vendl: Vor allem das Faktum, dass das eine Landschaft mitten in Europa ist, die zum Teil - zumindest auf tschechischer Seite - jahrzehntelang quasi unberührt war. Auf der österreichischen Seite ist der Böhmerwald eine durchgehend bewirtschaftete Region und im bayerischen Raum haben wir einerseits die Bewirtschaftung und andererseits die durch einen Nationalpark geschützten Teile. Also eine überaus interessante Situation.
OÖN: Gab es auch etwas Überraschendes?
Vendl: Ja, dass der Böhmerwald im österreichischen Teil eine extrem blühende, wohlhabende Gegend ist. Ich hatte mir das eher so karg wie im Waldviertel vorgestellt.
OÖN: Gibt es ein Leitmotiv?
Vendl: Wir waren bei einer Bauernfamilie aus Aigen vier Jahreszeiten hindurch zu Gast. Das war sehr beeindruckend.
OÖN: Warum und wie ist diese Familie ausgesucht worden?
Vendl: Das Donnerstag-Universum ist nicht die Wildlife-Schiene mit spektakulären Tierbildern, sondern da geht es um Mensch und Natur. Die Naturschutzjugend Haslach hat uns großartig geholfen. Sie haben uns die Orte, die ökologischen Zusammenhänge, die ganzen Schmankerln und Zuckerln gezeigt. Sie haben uns mit der Familie Wöß bekanntgemacht, die auf einem Hof lebt, der seit dem 15. Jahrhundert bewirtschaftet ist. Wie es Tradition war, wohnen mehrere Generationen zusammen. Und jeder hat seine Aufgabe: Sie machen den Most und den Schnaps selber, der Großvater bindet Reisigbesen, das Holz holt man aus dem eigenen Wald. Es ist eine noch sehr ursprüngliche Lebensweise.
OÖN: Das klingt sehr "ideal"
Vendl: Das ist "Universum", nicht "Brennpunkt"! Konflikte sind mit Ausnahme des Borkenkäferproblems keine drinnen.
OÖN: Aber viele Themen, auch die frühe Industrialisierung, werden angesprochen?
Vendl: Ja, aber immer aus der Sicht eines Phänomens und nicht sozialkritisch. Anders als kürzlich bei Horst Friedrich Mayer in seiner Böhmerwald-Sendung, bleiben bei uns auch kulturelle Zusammenhänge ausgespart.
OÖN: Der Mensch im Böhmerwald wird also durch die gezeigte Familie repräsentiert, wer steht für die Natur?
Vendl: Wir haben den Luchs drinnen, wir haben zum ersten Mal überhaupt einen Elch auf österreichischem Boden, bei Haslach, filmisch dokumentiert. Wir haben - was oft abgestritten wird - Beweise gefunden, dass es auf tschechischem Gebiet vereinzelt Wölfe gibt.
OÖN: Wie würden Sie Ihr Böhmerwald-Universum in einem Satz beschreiben?
Vendl: Es ist ein sehr stimmungsvoller Kaminabendfilm.
Aus "Versehen" erlegte Jagdgast jungen Luchs
ZWETTL/RODL. "Unser Vertrauen ist erschüttert. Wie kann so etwas bei einer Treibjagd passieren?" Diese Frage stellen sich der WWF und die Naturschutzjugend Haslach nach einem "Versehen" am vergangenen Wochenende. Ein Jagdgast aus Niederösterreich hatte angeblich dem Ruf der Treiber "ein Fuchs" geglaubt und geschossen. Erlegt hatte er aber einen knapp ein halbes Jahr alten, fünf Kilo schweren Luchs. Der Jäger erstattete daraufhin Selbstanzeige. "Schon im Oktober 1999 haben wir zwei junge Luchse verloren. Einer kam in ein Falleisen, einer verendete nach einem Verkehrsunfall", sagt Karl Zimmerhackl, Obmann der Naturschutzjugend Haslach den OÖN. Die önj Haslach dokumentiert im Auftrag des Landes und in Absprache mit den Jägern das Auftreten von Luchsen im Mühlviertel. Zimmerhackl hofft, dass die Population durch weitere Zuwanderer aus Böhmen noch ansteigt. Um die Überlebenschancen der Luchse noch zu erhöhen, appelliert er an die Jäger. "Schauen Sie bitte ganz genau, worauf Sie schießen." (eku)
ORF - Programmtext (www.orf.at), 9.11.2000
UNIVERSUM: Böhmerwald - Wildnis im Herzen Europas
Heimat für Luchse, Wölfe und Elche
Im Herzen Europas liegt das weitläufige Gebiet des Böhmerwaldes. Über Jahrzehnte
durchschnitt der Todesstreifen des Eisernen Vorhanges dieses Gebiet. Was
für die Menschen oft Verlust der Heimat und großes Leid bedeutete, war für
Flora und Fauna eine ausgedehnte Erholungspause. Heute umschließen Nationalparks
die geschützten Bereiche des Böhmerwaldes an den Grenzen Oberösterreichs,
Bayerns und Tschechiens. Wälder, Seen und Moore beherrschen die Landschaft,
in der wieder Luchse, Wölfe und vereinzelt sogar Elche ihre Heimat gefunden
haben. Alfred Vendls "Universum"-Dokumentation, "Böhmerwald - Wildnis im
Herzen Europas", eine Koproduktion von ORF, dem Bundesministerium für Bildung,
Wissenschaft und Kultur, Land Oberösterreich und WDR, hergestellt von WEGA-Film,
verfolgt am Donnerstag, dem 9. November, um 20.15 Uhr in Stereo und im Format
16:9 in ORF 2 das Leben einer Bauernfamilie inmitten dieser wiedergeborenen
Natur.
Die Landschaft des Böhmerwaldes gilt als Juwel unter den Naturparadiesen Europas. Durch die Grenzlage am ehemaligen "Eisernen Vorhang" blieben große Teile des Böhmerwaldes jahrzehntelang unberührt. Es entstand ein Refugium für seltene Pflanzen und Tiere. Ein Jahr lang hat ein "Universum"-Team unter der Regie von Alfred Vendl die bisher kaum bekannten Naturschönheiten dieser faszinierenden Landschaft im Dreiländereck Österreich, Deutschland und Tschechien im Wandel der vier Jahreszeiten mit eindrucksvollen Bildern dokumentiert. Dabei gelang es erstmals, Elche in freier Wildbahn auf österreichischem Gebiet zu filmen. Im Vordergrund des Films stehen die Landschaftsschönheiten des Böhmerwaldes mit den teils urwaldähnlichen Wäldern, den in unzähligen Mäandern ausgebreiteten Flüssen, den skandinavisch anmutenden Hochebenen und Mooren, aber auch den weitläufigen Wiesen mit ihrer breiten Blumenpracht.
Die Menschen, die hier leben, sind besonders gefordert, wenn es darum geht, das karge Angebot dieser rauen Gegend zu nützen. Das "Universum"-Team begleitete eine Bauernfamilie aus der Gegend von Aigen-Schlägl, wie sie die Herausforderungen im Laufe der vier Jahreszeiten bewältigt.
"Meine ganze Seele hängt an dieser Gegend", schrieb Adalbert Stifter vor 150 Jahren. Er setzte dem Böhmerwald mit seinen Landschaftsbeschreibungen ein - wenn auch romantisch überhöhtes - so doch Jahrhunderte überdauerndes Denkmal. Vieles hat sich seither im Böhmerwald verändert, doch verglichen mit anderen Naturregionen Europas konnte dieses Gebiet im Nordwesten des Mühlviertels seine Originalität bewahren. Die speziellen geologischen und klimatischen Bedingungen - Granituntergrund, dünner Humusboden, raues Klima, urtümliche Moorlandschaften - tragen dazu bei, dass in dieser Gegend eine einzigartige Fauna und Flora anzutreffen ist.
Unter den Blumen stechen das Holunderknabenkraut und der böhmische Enzian hervor; die Moore beherbergen seltene Pflanzen bis hin zum fleisch-fressenden Sonnentau; in den Bächen lebt heute noch die Flussperlmuschel, deren glitzernde Produkte nicht nur die österreichische Kaiserkrone schmücken, sondern vor allem auch in das Kulturgut der Gegend eingebunden wurden, wie ein prächtiges Messgewand im Stift Schlägl beweist. Heute tummeln sich Fischotter in den Resten des Schwarzenbergischen Schwemmkanals und genießen den vorhandenen Fischreichtum der Gewässer. Im frühen 19. Jahrhundert aber stellte dieser Kanal eine herausragende Ingenieursleistung dar, gelang es doch den Erbauern, die Wasserscheide des Böhmerwaldes zu überwinden und somit eine Wasserstraße für den Transport des Holzes aus dem Böhmerwald bis zur Donau zu bauen. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Holz über diesen Wasserweg zur Donau geschwemmt. Das Holz des Böhmerwaldes war und ist ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor der Gegend. In jüngster Zeit allerdings ist ein winziges Lebewesen - der Borkenkäfer - dabei, erhebliche Teile des Waldbestandes zu gefährden. Die harten, schneereichen Winter, die die Bäume unter der Last des Schnees zerbrechen lassen, haben in Verbindung mit der bis heute steigenden Umweltbelastung des Waldes diesem kleinen Schädling den Weg bereitet. Bis heute wird der Holzreichtum der Gegend von Köhlern zur Herstellung von Holzkohle genutzt, auch wenn die Holzkohle schon lange nicht mehr dazu dient, Energie für die Herstellung eines der schönsten Produkte des Böhmerwaldes zu liefern -- des berühmten böhmischen Glases. Der Quarzreichtum der Urgesteingegend führte im Verbund mit dem Holzreichtum zu einer blühenden Glasindustrie, die bis heute noch - vor allem im bayerischen Teil - erfolgreich betrieben wird.
Dem "Universum"-Team wurde von tschechischer Seite erlaubt, das Kern-gebiet des Böhmerwaldes ohne Einschränkung zu filmen - sogar Tiefflugauf-nahmen waren möglich, was zu seltenen Tierbegegnungen in einem Gebiet führte, das 40 Jahre lang vom Menschen unbehelligt blieb und wo bis heute Luchs, aber auch Elch wieder eine Heimat gefunden haben und sich in den schneereichen Wintern sogar vereinzelt Wölfe bis zu den besiedelten Gebieten wagen. Der Böhmerwald ist bis heute eine der interessantesten und naturbelassensten Regionen Europas geblieben.
Anmerkung:
Alexander u. Karl Zimmerhackl, Rainer Vierlinger und Thomas Engleder von
der önj Haslach waren wissenschatliche Berater für dieses "Universum
Böhmerwald".
Pressetext - Naturfreunde Internationale, 15.9.2000
Grenzüberschreitender Tourismus Oberösterreich/Tschechien
Naturfreunde fordern Schutzgebiet auf der Südseite des Moldaustausees
Die Naturfreunde haben Verständnis für die Wünsche der Bevölkerung der Region
Böhmerwald nach weiteren Straßenübergängen zwischen Tschechien und Ober-österreich
zur Belebung des grenzüberschreitenden Austauschs. Um jedoch die ökologische
Qualität und die touristische Attraktivität der Region nicht zu gefähr-den,
fordern die Naturfreunde anläßlich eines internationalen Naturfeunde-Dreiländer-Treffens
an der Grenze ein Paket von begleitenden Maßnahmen: die Einrichtung eines Schutzgebiets
auf der Südseite des Moldaustausees, ein 3,5t-Limit und Tempo 70 auf den neuen
Straßen sowie die Einrichtung eines öffentlichen Verkehrs.
Mit der Auszeichnung der grenzüberschreitenden Region "Böhmerwald" zur europäi-schen
Landschaft des Jahres haben die Naturfreunde dazu beigetragen, daß sich diese
Region als sanfte Tourismusregion in den letzten Jahren profilieren konnte.
Eine Grundlage dafür ist die weitgehend unerschlossene Grenzregion, die nicht
nur ein Pa-radies für Elche, Luchse und andere Tiere darstellt, sondern auch
für sanfte Touristen, welche sich nur mit eigener Muskelkraft durch die Landschaft
bewegen. Zahlreiche Wander-, Radwege und Langlaufloipen wurden ausgebaut, der
Nationalpark Šumava und der Schwarzenberger Schwemmkanal sind wichtige Anziehungspunkte
für einen ökologischen Kulturtourismus geworden.
Die Schaffung von neuen Straßengrenzübergängen bei Schöneben/Zadní Zvonková
oder Diendorf/Kyselov könnte diese positive Entwicklung gefährden, wenn damit
ein Durchzugsverkehr stimuliert wird bzw. der Wunsch nach weiteren Erschließungen
mit touristischen Anlagen geweckt wird. So gibt es noch immer Pläne, den Hochficht
von der Nordseite mit einer Skiabfahrt zu erschließen, und es mehren sich Anzeichen
für ei-ne harte Bebauung der Südseite des Moldaustausees, die derzeit vollständig
naturbe-lassen ist. Beide Projekte benötigen eine bessere Straßenerschließung
und würden nicht nur zu schweren Eingriffen in den Naturhaushalt führen, sondern
auch den natur-belassenen Charakter der Region unwiederbringlich zerstören.
"Eine Erschließung des Südufers mit Hotels oder Marinas oder der Bau einer Seilbahn
auf den Hochficht von der tschechischen Seite wäre eine ökologische Katastrophe
für die Böhmerwaldregion und würde dem Tourismus langfristig mehr Schaden als
Nutzen zufügen", betonte der Präsident der Naturfreunde Internationale, Herbert
Brückner.
Im Sinne der Förderung eines sanften, grenzüberschreitenden Kulturtourismus
verlangen die Naturfreunde:
· Gleichzeitig mit der Öffnung der Grenze Maßnahmen zum Schutz der Südseite
des Moldaustausees vor harten Erschließungsmaßnahmen. Das Gebiet zwischen Moldau
und Staatsgrenze soll auch in Zukunft einem sanften Wander- und Radtou-rismus
vorbehalten bleiben und damit den bereits bestehenden Massentourismus an der
Nordseite des Sees sowie den Kulturtourismus im Mühlviertel und Niederbayern
ergänzen.
· Ein 3,5t-Limit für die neuen Grenzübergänge (mit Ausnahme von Bussen des öffent-lichen
Verkehrs)
· Ein durchgehendes Tempolimit von 70 km/h auf den neuen Straßen
· Die Anbindung des Nationalpark-Busses in Tschechien an die Mühlkreisbahn in
Ai-gen/Schlägl (bzw. die Errichtung einer Buslinie Aigen/Schlägl - Horní Planá
- Ceský Krumlov)
· Die Errichtung eines Nationalparkzentrums bei Zadní Zvonková
Die Naturfreunde fordern die zuständigen Stellen beiderseits der Grenzen auf,
die Ver-antwortung für eine Nachhaltige Entwicklung der Region Böhmerwald wahrzunehmen
und diese nicht durch unkontrollierbaren Verkehr und harte Erschließungen zu
gefährden.
OÖN, Regional vom 02.09.1999 - Seite Linz
Haslach: Naturschützer auf Erfolgskurs
HASLACH. Natur zu schützen und Projekte, die in den Böhmerwald passen, zu initiieren sind Ziele der Naturschutzjugend Haslach. "45 Hektar Ökoinseln haben wir bereits angekauft", freut sich der Motor der Naturschutzjugend Haslach, Karl Zimmerhackl, über den Erfolg der Naturschützer. Darunter befinden sich Feuchtwiesen, Flächen auf denen Orchideen und Enziane wachsen und eine Wiese mit seltenen Schmetterlingen. Bei einigen Projekten machten sich Schüler stark für eine intakte Naturlandschaft, finanziell unterstützt wurde der Verein auch von der Naturschutzabteilung des Landes. Wichtig ist Zimmerhackl und seinen Mitstreitern, dass ihre Projekte auch in den Böhmerwald passen. Daneben initiierte die ÖNJ eine Schwalbenaktion, bei der Landwirte aus der Region zu zuverlässlichen Partnern geworden sind, in der Torfau wurde eine alte Mühle restauriert, seit Jahren wird das Kommen, Gehen und Leben der Haslacher Störche beobachtet. Auch die Flussperlmuscheln im Mühlviertel sind der Gruppe ans Herz gewachsen, zudem haben sich die Naturschützer für die Wiedereinsetzung der Böhmerwaldschafe stark gemacht. Mit Erfolg, denn die Mischwolle eignet sich gut für einen Tweed, der in der Textilwerkstatt produziert wird. Über die Schafe soll demnächst auch ein "Universum" gedreht werden. (fo)
OÖN, Hauptausgabe vom 27.08.1999 - Seite 020
Waldschafe für Haslacher Tweed
HASLACH. Seit 25 Jahren macht die Österreichische Naturschutzjugend Haslach auf sich aufmerksam. Es wurden 45 Hektar Ökoinseln angekauft, darunter Feucht-, Schmetterlings-, Orchideen- und Enzianwiesen. "Typische Biotope für den Böhmerwald", erklärt Karl Zimmerhackl, der Motor der Naturschützer. Eine Mühle in der Torfau gehört zu den jüngsten Projekten der Gruppe, seit Jahren wird das Leben der Weißstörche dokumentiert, mit Landwirten wurde ein Schwalbenprojekt ins Leben gerufen. Der Naturerlebnisweg, Flussperlmuscheln und die Erkundung des früheren Todesstreifens an der Grenze zu Tschechien waren ebenso erfolgreiche Projekte wie das Wiederentdecken des Waldschafes, dessen Wolle zu Mühlviertler Tweed verarbeitet wird. (fo)
OÖN, Magazin vom 24.07.1999 - Seite 009
Artenschwund: Ein Enzian als Pflegefall
Der Böhmische Enzian (Gentianella bohemica) ist eine typische Blütenpflanze des Böhmischen Massivs. Erst 1969 wurde er als eigene Art erkannt. Das zweijährige Gewächs wird bis 40 cm hoch und besitzt einen aufrechten, kahlen Stengel, der häufig rot überlaufen ist. Im unteren Stengelbereich ist der Enzian stark verzweigt. Die rötlich-violette Blütenkrone hat Glockenform. Weiße Fransen im Blütenschlund weisen Hummeln und Faltern den Weg zum Nektar. Das seltene, streng geschützte Naturjuwel kommt im oberösterreichischen Böhmerwald, im Bayerischen Wald und in Südböhmen vor, befindet sich aber überall auf dem Rückzug. Von ehemals 1100 Fundorten sind nur noch 50 übriggeblieben. Von den ursprünglich sieben Vorkommen im Mühlviertel sind drei bereits erloschen. Grund: Der Lebensraum des Böhmischen Enzians - magere Extensivweiden und Borstgrasrasen - ist infolge von Nutzungsaufgabe, Aufforstung und Düngung stark bedroht. Die traditionelle Bewirtschaftung oder Mahd wird immer seltener, Fichtenmonokulturen nehmen überhand. Besonders wichtig für den Bestand des Böhmischen Enzians wäre die Beweidung, denn durch die Trittschäden der Tiere entstehen Lücken in der Grasnarbe, auf denen die Samen keimen können. Verfilzt hingegen die Bodendecke, haben die Samen keine Chance. "Zur Rettung des Böhmischen Enzians ist ein internationaler Erfahrungsaustausch dringend notwendig", erklärt Karl Zimmerhackl, Leiter der Naturschutzjugend Haslach, die Reststandorte des Enzians erworben hat und dort versucht, durch spezielle Pflegeprogramme die Art zu erhalten. Von der Münchner Biologin Sabine Rösler wurden die jungen Naturschützer in die Methodik wissenschaftlicher Bestandserhebungen eingeführt. Jetzt versucht man es mit Bio-Monitoring. Die Monitoring-Fläche soll den zentralen Bereich des Enzianstandortes umfassen - Mindestgröße 16 Quadratmeter. Bei einer Bestandsaufnahme auf der Monitoringfläche, die den Ausgangsstatus der Vegetation dokumentiert, werden die blühenden Exemplare markiert. Über dichte Bestände legt man ein Rasternetz. Dann überträgt man die Standorte auf Rasterpapier. In fünf Jahren soll die Prozedur wiederholt werden -Êzur Kontrolle der Pflegemaßnahmen.
OÖN, Hauptausgabe vom 23.07.1999 - Seite 005
Vermutlich kein Ruin Elche im Mühlviertel
Da ist doch tatsächlich eine vierköpfige Elch-Familie ins obere Mühlviertel
gekommen; und schon geht die Diskussion los, Abschuß ja oder nein. Ich sehe
keinen Grund, die Tiere durch Erschießen zu entsorgen. Daß sie an den jungen
Laubbäumchen des Guts- und Schloßbesitzers G. Revertera knabbern, wird diesen
kaum in den Ruin treiben. Die Beweggründe, solche Tiere, die in unserer Gegend
ganz selten zu finden sind, abzuschießen, sehe ich darin, sich Erfolgserlebnisse
zu schaffen, die man kaum oder gar nicht hat.
HERTA WOLKERSTORFER, Linz
SN vom 14. Juli 99
Eiserner Vorhang weg: Freiheit auch für Elche
Seit acht Jahren beobachtet man vereinzelt Elche im oberösterreichischen Grenzgebiet zu Tschechien. Jetzt sei eine ganze Elchfamilie in Helfenberg im Mühlviertel "seßhaft" geworden, berichtete der Gutsverwalter des dortigen Schlosses. Elche richten zwar Schäden an jungen Laubbäumen an, für Menschen sind die scheuen Wildtiere jedoch nicht gefährlich. Sie gelten in Oberösterreich zwar als jagdbares Wild, sind aber - wie Bären und Wölfe - ganzjährig geschont. Ein Zwangsabschuß wird nur bei großen Forstschäden genehmigt. Daß Elche nun auch vermehrt in Oberösterreich auftreten, führt man auf das Fallen des Eisernen Vorhangs zurück. Die Tiere könnten nun "alte Wechsel" wieder benutzen.
OÖN, Hauptausgabe vom 14.07.1999 - Seite 015
Elchpärchen mit zwei Kälbern ist im Mühlviertel vom Abschuß
bedroht
VON PETER AFFENZELLER LINZ.
Eine Kontroverse zeichnet sich um ein ins Mühlviertel zugewandertes Elchpärchen und seine beiden Kälber ab: Gutsbesitzer Georg Revertera will die Tiere abschießen, WWF und Landesnaturschutz sind dagegen. Die Elche haben sich seit rund einem Jahr zwischen Helfenberg und der tschechischen Grenze niedergelassen. Sie werden etwa so groß wie ein Pferd und fressen entsprechend viel - ihre Vorliebe für junges, saftiges Laub bringt sie auch prompt mit den Forstleuten in Konflikt. "Die Elche stammen aus einer kleinen Population von rund 30, 40 Tieren in Böhmen, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs können sie alte Wildwechsel wieder benutzen", sagt Revertera. Der Gutsbesitzer beklagt massive Schäden am jungen Mischwald durch die Tiere: "Sie reißen in zwei Metern Höhe einfach die jungen Bäume ab, um ans Laub heranzukommen. Normale Zäune oder chemische Mittel reichen nicht, um die Tiere vom Jungwald fernzuhalten", so der Forstmann. "Der Elch hat hier einfach nichts verloren", sieht Revertera in einem von der Bezirkshauptmannschaft genehmigten Abschuß die einzige Lösung. Elche gelten zwar als jagdbares Wild, sind aber ganzjährig geschont. Angst müssen Wanderer vor den Tieren übrigens nicht haben: "Man begegnet ihnen immer wieder, aber sie weichen Menschen eher aus", so Revertera. "Voll Euphorie" nimmt man dagegen beim WWF die Nachricht von den Elchen auf: "Elche waren früher auch in Österreich heimisch, sie sind höchst willkommen", freut sich Gerald Dick, Leiter der Kampagne "Artenreiches Österreich". Die Probleme mit Schäden am Mischwald könne man sicher durch Entschädigungen lösen, denn es sei "ein Wahnsinn, eine Elchkuh mit Kälbern zu erschießen". Über die Elche im Dreiländereck Bayern/Böhmen/Oberösterreich gebe es sogar schon wildbiologische Studien. Daher wisse man auch, daß für die "Weitwanderer" 30 oder 50 Kilometer kein Problem seien und sie öfter im Grenzgebiet auftauchen. Der Landesnaturschutz habe nach Rücksprache zugesichert, daß man sich für die Elche einsetzen und einem Abschuß nicht zustimmen werde. Verschrecken statt töten Die WWF-Leute sehen auch die Möglichkeit, die Elche durch Verschrecken vom Jungwald fernzuhalten. Revertera befürchtet allerdings, daß sie in strengen Wintern immer wieder an seine Jungbäume gehen würden. Er beruft sich auf das Beispiel Niederösterreich, wo die Behörde zwei Abschüsse erlaubt habe. Der WWF dagegen erinnert an einen weiteren, illegalen Abschuß und warnt: "Das ist Wilderei."
OÖN, Regional vom 08.04.1999 - Seite Linz
Die ersten Störche sind schon im Mühlviertel eingetroffen
VON GRISELDA FOSEN
FREISTADT/HASLACH/SAXEN. Während die Störche von Freistadt und Haslach bereits wieder ihr Quartier bezogen haben, warten die Saxener mit Bangen auf ihre Lieblinge. "Hoffentlich akzeptieren sie ihr neues Nest", fragen sich derzeit viele Saxener. Da im vergangenen Jahr mit der Sanierung der Volksschule begonnen worden ist, mußte bei dieser Gelegenheit das Storchennest abgenommen werden, an einer anderen Stelle der Schule wurde es wieder angemacht. "Am Karsamstag wurde bei uns bereits ein Storch gesichtet", weiß Pfarrer Konrad Streicher, der mit einer Mitarbeiterin seit Jahren das Geschehen im Horst beobachtet. Nach längerem Kreisen zog der Zugvogel wieder ab, sodaß die Saxener befürchten, der Storch würde sein neues Heim nicht akzeptieren. Auch die Freistädter fragten sich im Vorjahr bange, ob die Störche einen neuen Standort annehmen, da der baufällige Schlot der Molkerei abgetragen werden mußte. Drei Nester an verschiedenen Erhöhungen wurden angebracht, letztendlich haben sich aber die Zugvögel einen eigenen Standort gesucht, der vor einigen Tagen bereits wieder vom Storchenmännchen bezogen worden ist. Auch in Haslach wurde am 1. April der Chef der Naturschutzjugend Haslach, Karl Zimmerhackl, von einigen Haslachern informiert, daß der Storch eingetroffen sei. "So früh war er noch nie da", so der Pädagoge, der vermutet, daß immer das gleiche Pärchen in Haslach nistet. Die Tiere kennen sich bereits aus, können sich daher besser orientieren, zudem dürfte bei ihrem Flug nach Österreich ein guter Wind geweht haben, der den guten Seglern entgegenkommt. "Vor zwei Jahren war das schlechte Wetter bemerkbar", so Zimmerhackl, der im Vorjahr mit seinen Mitarbeitern eine Studie über die Haslacher Störche präsentiert hat. Mit den drei Standorten in Freistadt, Haslach und Saxen dürfte die Kapazität an Storchennestern ausgeschöpft sein, da die Tiere einen gewissen Umkreis als Futterquelle brauchen.
OÖN, Magazin vom 27.03.1999 - Seite 010
Naturschutzjugend Haslach erhebt wieder die Bestände unserer Frühlingsboten
Sag mir, wo die SCHWALBEN sind
"Mariä Verkündigung (25. März) kehren die Schwalben wiederum", weiß der Volksmund. Daß sie es nach erfolgter Rückkehr bei uns immer schwerer haben, ihren Bestand zu sichern, weiß man seit Jahren bei der Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ) Haslach. Und man tut etwas dagegen: Zusammen mit der Hauptschule Haslach zählen die jungen Naturschützer seit Jahren das Schwalbenaufkommen in ihrer Region und versuchen durch Nisthilfen und eigens angelegte Schwalbentümpel, die Bestände langfristig zu sichern. Während sich die künstlichen Nisthilfen bei den Mehlschwalben bewährt haben (44 % wurden von Brutpaaren besetzt), werden sie von den Rauchschwalben nur in seltenen Fällen angenommen. Ihnen kann eher durch geeignete Stützbrettchen geholfen werden. Die Erhebung der Schwalbenbrutpaare erfolgt in den Ortschaften Damreith, Hörleinsödt, Hinternberg, Oedt und Hartmannsdorf. Einmal pro Jahr wird der Bestand an Rauch- und Mehlschwalben erfaßt. 37 landwirtschaftlich oder nicht landwirtschaftlich genutzte Gebäude werden auch heuer wieder um den 20. Juni kontrolliert. Derzeit liegen die Daten für den Zeitraum 1980 bis 1997 vor, berichtet ÖNJ-Leiter Karl Zimmerhackl. Nach einem Höchststand in den Jahren 1988 bis 1992 sind die Bestände laut Erhebung kontinuierlich zurückgegangen. Waren es bei den Mehlschwalben 1992 noch 130 Brutpaare, so konnten 1996 nur noch 37 Paare registriert werden. 1995 wurden 122 Rauchschwalbenpaare gezählt, zwei Jahre später waren es noch 63. In den untersuchten Ortschaften liegen die Gründe für den Bestandsrückgang laut Zimmerhackl vor allem in lokalen Veränderungen. Die strukturelle Verarmung der Kulturlandschaft und der damit verbundene Schwund an Schlechtwetter-Nahrungsbiotopen schränkt das Futterangebot für die Schwalben stark ein. Durch Asphaltierung von Straßen und Vorplätzen fehlt geeignetes Nistmaterial (Lehm), verstärkter Insektizideinsatz reduziert das Angebot an Insekten. Hausrenovierungen entziehen den Schwalben ihre angestammten Nistplätze. Bei den Rauchschwalben genügt bereits die Aufgabe der Rinderhaltung, daß die Nester in den Stallungen nicht weiter benützt werden. Die Biologin Birgit Kaffenda (25) aus Walding hat in ihrer Diplomarbeit an der Universität Wien die Bestandserhebungen der ÖNJ Haslach zusammengefaßt. In Gesprächen mit 15 Landwirten ist sie der sozialen Dimension des mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichneten Projekts nachgegangen, das nicht zuletzt dem Abbau von Berührungsängsten zwischen Bauern und Naturschützern dient. Auskunft: ÖNJ Haslach, 4170 Haslach, Grubberg 17, Tel. und Fax 0 72 89 / 71 4 93. e-mail: oenj.haslach@xpoint.at
OÖN, Hauptausgabe vom
06.03.1999 - Seite 025
Luchse im Mühlviertel: Jäger klagen über gerissene Rehe
VON WOLFGANG EISL
ROHRBACH. In den Bezirken Rohrbach und Perg scheinen die Luchse
wieder heimisch zu werden. Jäger klagen über Verluste an Rehwild, das
von den Raubkatzen gerissen wird.
Die größte europäische Raubkatze, die in Österreich als ausgerottet
gegolten hat, dürfte aus Tschechien eingewandert sein.
Angeblich tummelt sich schon ein halbes Dutzend Luchse in den
waldreichen Bezirken, wo sie gerade im Winter einen für sie gut
gedeckten Tisch finden.
Denn das Rehwild, die bevorzugte Beute der Luchse, kennt seinen Feind
nicht mehr. Die Luchse lauern den Rehen bei den Futterstellen auf und
reißen dort ihre Beute.
"Sie verhalten sich nicht so, wie die Wissenschafter sagen", sagte
Landesjägermeister Hans Reisetbauer im OÖN-Gespräch. Allgemein
wurde angenommen, daß ein Luchs immer wieder zu seinem "Riß"
zurückkehrt und mehrmals davon frißt, ehe er wieder auf (anstrengende)
Beutejagd geht.
Im Mühlviertel wird es den Luchsen dagegen leicht gemacht, weil das
Rehwild immer wieder die gewohnten Futterstellen aufsucht und dort
dem Luchs, der vielfach auch auf Bäumen lauert, in die Fänge gerät. In
den vergangenen Wochen sind nach Angaben der Jäger in den Bezirken
zwei bis vier Rehe gerissen worden.
Weil das Murren der Jäger zunimmt, sucht Reisetbauer nach einer
Möglichkeit, sie für die Wildverluste zu entschädigen. Dabei schwebt
ihm eine Art Solidaritätsabgabe der Jäger vor.
Obwohl der Luchs als jagdbares Tier gilt, will Reisetbauer keineswegs
zum "Halali" auf die Raubkatzen blasen lassen. "Wir werden mit dem
Luchs leben müssen", sagt der oberste Jäger des Landes.
Auch die Rehe werden dazulernen und in einigen Jahren den Räuber
richtig einschätzen, meint Reisetbauer weiter. Er plädiert ohnedies dafür,
die Rehfütterungen zu überdenken und sie dort einzurichten, wo das
Gelände frei ist und ein heranschleichender Luchs von den Rehen leichter
wahrgenommen werden kann.
OÖN, Hauptausgabe vom
16.03.1999 - Seite 015
Keine Waffennarren und Bambi-Mörder
Jäger basteln an modernem Leitbild
VON WOLFGANG EISL
ROHRBACH. Im Spannungsfeld zwischen Tierschützern und der Land-
und Forstwirtschaft, die ihnen die vom Wild angerichteten Flur- und
Baumschäden vorhält, leben die Jäger seit vielen Jahren.
Im Bezirk Rohrbach wollen deshalb die 800 Jäger ihr Image durch ein
modernes Leitbild verbessern.
Die Menschen haben in den vergangenen Jahrzehnten ihren Lebensraum
immer weiter ausgedehnt. Eine vielfache Zersiedlung der Landschaft war
die Folge. Dazu kommt die Naturnutzung durch Freizeitsportler. All das
hat den Lebensraum des Wildes stark eingeschränkt.
Weil es keine Raubtiere mehr gibt, bleibt nichts anderes übrig, als die
Wildbestände ebenfalls durch den Menschen regulieren zu lassen. "Die
Weidgerechtigkeit gehört immer wieder überdacht", erklärt
Landesjägermeister Hans Reisetbauer und geht damit auf immer unter
verschiedenen Gesichtspunkten (Waffenverbot, Fallenjagd) wieder
aufflammende Kritik an den Jägern ein.
"Die Frage nach der Qualität jagdlichen Verhaltens ist gerechtfertigt",
sagt Bezirksjägermeister Hieronymus Spanocci. Das künftige Leitbild
soll Tradition, wildbiologische Erkenntnisse, die Erwartungshaltung der
Öffentlichkeit und modernen Naturschutz unter einen Hut bringen.
Die Prüfung für dieses Leitbild wird sein, wie sich die Jäger gegenüber
den Luchsen verhalten werden, die ihnen seit einiger Zeit Konkurrenz
machen.
Die Luchse haben seit 1997 im Bezirk Rohrbach etwa 40 Rehe gerissen.
Die Jäger wollen deshalb auch die Großkatzen bejagen und fordern
Schuß- und Schonzeiten. Wenn das nicht möglich ist, finanzielle
Abgeltungen von etwa 1000 Schilling je gerissenem Reh.
OÖN, Regional vom 18.03.1999
- Seite Linz
Reh und Hase sind beliebte Jagdobjekte
ROHRBACH. 4154 Rehe, 1672 Hasen, 966 Wildenten, 692 Füchse
und 545 Marder haben die Jäger aus dem Bezirk Rohrbach in der
Jagdsaison 1998/99 erlegt. Gestiegen sind auch die Abschußzahlen bei
den Wildschweinen von 91 auf 101, Fasanen von 188 auf 336 und
Rebhühnern von 152 auf 188 Stück.
Wie im Bezirk Perg, haben auch die Weidmänner im oberen Mühlviertel
Probleme mit dem Luchs, der sich im Gebiet nördlich der Großen Mühl
angesiedelt hat. Immerhin wurden in den vergangenen zwei Jahren 40
Rehe von den Raubkatzen gerissen. "Diese Tiere sollten bejagbar sein",
spricht Bezirksjägermeister Hieronymus Spannocci seinen Kollegen aus
der Seele.
Beim jüngsten Bezirksjägertag wurden 14 Jäger mit dem Goldenen
Bruch und vier mit der Raubwildnadel ausgezeichnet. Für die besten
Rehbocktrophäen bekam Alois Leitgeweger aus St. Johann/Wbg. eine
Medaille in Gold. (fo)
OÖN, Hauptausgabe vom
23.03.1999 - Seite 005
Trophäensammler Thema: "Luchsgefahr."
Wenn in den Jagdbezirken Rohrbach und Perg die Jägerschaft gegen die
eingewanderten Luchse zu Felde zieht und den Abschuß dieser
herrlichen Tiere fordert, liegt der Verdacht nahe, daß es hier nur um
"Trophäensammler" geht.
Allein im Jagdbezirk Rohrbach werden pro Jahr 4000 bis 5000 Rehe
geschossen. Was sind da schon 40 Rehe in zwei Jahren dagegen, die
von Luchsen gerissen werden. Mindestens genau so viele werden von
wildernden Hunden oder von Mähdreschern getötet, von Autos
überführten ganz zu schweigen.
Und dann noch über "Kopfgeld" für jedes Stück Rehwild zu diskutieren,
ist schon stark. Der Luchs als äußerst scheues und für den Menschen
völlig ungefährliche Raubtier kann sicher nicht den Rehwildbestand
gefährden! Sind wir doch froh, daß es sie wieder und noch gibt!
HELMUT SCHMIDINGER, St. Valentin
OÖN, Magazin vom 27.03.1999
- Seite 010
Naturschutzjugend Haslach erhebt wieder die Bestände unserer
Frühlingsboten
Sag mir, wo die SCHWALBEN sind
"Mariä Verkündigung (25. März) kehren die Schwalben wiederum",
weiß der Volksmund. Daß sie es nach erfolgter Rückkehr bei uns immer
schwerer haben, ihren Bestand zu sichern, weiß man seit Jahren bei der
Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ) Haslach.
Und man tut etwas dagegen: Zusammen mit der Hauptschule Haslach
zählen die jungen Naturschützer seit Jahren das Schwalbenaufkommen in
ihrer Region und versuchen durch Nisthilfen und eigens angelegte
Schwalbentümpel, die Bestände langfristig zu sichern. Während sich die
künstlichen Nisthilfen bei den Mehlschwalben bewährt haben (44 %
wurden von Brutpaaren besetzt), werden sie von den Rauchschwalben
nur in seltenen Fällen angenommen. Ihnen kann eher durch geeignete
Stützbrettchen geholfen werden.
Die Erhebung der Schwalbenbrutpaare erfolgt in den Ortschaften
Damreith, Hörleinsödt, Hinternberg, Oedt und Hartmannsdorf. Einmal
pro Jahr wird der Bestand an Rauch- und Mehlschwalben erfaßt. 37
landwirtschaftlich oder nicht landwirtschaftlich genutzte Gebäude werden
auch heuer wieder um den 20. Juni kontrolliert.
Derzeit liegen die Daten für den Zeitraum 1980 bis 1997 vor, berichtet
ÖNJ-Leiter Karl Zimmerhackl. Nach einem Höchststand in den Jahren
1988 bis 1992 sind die Bestände laut Erhebung kontinuierlich
zurückgegangen. Waren es bei den Mehlschwalben 1992 noch 130
Brutpaare, so konnten 1996 nur noch 37 Paare registriert werden. 1995
wurden 122 Rauchschwalbenpaare gezählt, zwei Jahre später waren es
noch 63.
In den untersuchten Ortschaften liegen die Gründe für den
Bestandsrückgang laut Zimmerhackl vor allem in lokalen
Veränderungen. Die strukturelle Verarmung der Kulturlandschaft und
der damit verbundene Schwund an Schlechtwetter-Nahrungsbiotopen
schränkt das Futterangebot für die Schwalben stark ein.
Durch Asphaltierung von Straßen und Vorplätzen fehlt geeignetes
Nistmaterial (Lehm), verstärkter Insektizideinsatz reduziert das Angebot
an Insekten. Hausrenovierungen entziehen den Schwalben ihre
angestammten Nistplätze. Bei den Rauchschwalben genügt bereits die
Aufgabe der Rinderhaltung, daß die Nester in den Stallungen nicht
weiter benützt werden.
Die Biologin Birgit Kaffenda (25) aus Walding hat in ihrer Diplomarbeit
an der Universität Wien die Bestandserhebungen der ÖNJ Haslach
zusammengefaßt. In Gesprächen mit 15 Landwirten ist sie der sozialen
Dimension des mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichneten
Projekts nachgegangen, das nicht zuletzt dem Abbau von
Berührungsängsten zwischen Bauern und Naturschützern dient.
Auskunft: ÖNJ Haslach, 4170 Haslach, Grubberg 17,
Tel. und Fax: 0 72 89 / 71 4 93. e-mail: oenj.haslach@xpoint.at
OÖN, Regional vom 08.04.1999
- Seite Linz
Die ersten Störche sind schon im Mühlviertel eingetroffen
VON GRISELDA FOSEN
FREISTADT/HASLACH/SAXEN. Während die Störche von Freistadt
und Haslach bereits wieder ihr Quartier bezogen haben, warten die
Saxener mit Bangen auf ihre Lieblinge.
"Hoffentlich akzeptieren sie ihr neues Nest", fragen sich derzeit viele
Saxener. Da im vergangenen Jahr mit der Sanierung der Volksschule
begonnen worden ist, mußte bei dieser Gelegenheit das Storchennest
abgenommen werden, an einer anderen Stelle der Schule wurde es
wieder angemacht. "Am Karsamstag wurde bei uns bereits ein Storch
gesichtet", weiß Pfarrer Konrad Streicher, der mit einer Mitarbeiterin
seit Jahren das Geschehen im Horst beobachtet. Nach längerem Kreisen
zog der Zugvogel wieder ab, sodaß die Saxener befürchten, der Storch
würde sein neues Heim nicht akzeptieren.
Auch die Freistädter fragten sich im Vorjahr bange, ob die Störche einen
neuen Standort annehmen, da der baufällige Schlot der Molkerei
abgetragen werden mußte. Drei Nester an verschiedenen Erhöhungen
wurden angebracht, letztendlich haben sich aber die Zugvögel einen
eigenen Standort gesucht, der vor einigen Tagen bereits wieder vom
Storchenmännchen bezogen worden ist.
Auch in Haslach wurde am 1. April der Chef der Naturschutzjugend
Haslach, Karl Zimmerhackl, von einigen Haslachern informiert, daß der
Storch eingetroffen sei. "So früh war er noch nie da", so der Pädagoge,
der vermutet, daß immer das gleiche Pärchen in Haslach nistet. Die Tiere
kennen sich bereits aus, können sich daher besser orientieren, zudem
dürfte bei ihrem Flug nach Österreich ein guter Wind geweht haben, der
den guten Seglern entgegenkommt. "Vor zwei Jahren war das schlechte
Wetter bemerkbar", so Zimmerhackl, der im Vorjahr mit seinen
Mitarbeitern eine Studie über die Haslacher Störche präsentiert hat. Mit
den drei Standorten in Freistadt, Haslach und Saxen dürfte die Kapazität
an Storchennestern ausgeschöpft sein, da die Tiere einen gewissen
Umkreis als Futterquelle brauchen.
APA Wissenschaft/Zoologie/Salzburg/TschechienWISS/20.02.1997
Utl.: Symposium zu Süßwassermollusken in Salzburg = Salzburg (APA) - Eine zoologische Sensation gelang einer tschechischen Forschergruppe: die Wissenschafter, die seit zehn Jahren an dem Projekt arbeiten, konnten erstmals die vom Aussterben bedrohten Flußperlmuscheln nachzüchten. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten präsentieren die Forscher bei dem zweitägigen Symposium "Ökologie und Taxonomie von Süßwassermollusken", das heute, Donnerstag, an der Universität Salzburg beginnt. Rund 60 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Ungarn, Tschechien, Schweden, der Ukraine und der USA informieren sich dabei über neueste wissenschaftliche Ergebnisse. **** In vielen Bächen Mitteleuropas war die Flußperlmuschel früher häufig zu finden. Perlenzucht wurde im großen Stil betrieben. Doch Abwassereinleitung und Bachverbauung führten dazu, daß die Muschel an vielen Orten vollständig verschwunden ist. Die Flußperlmuschel gehört mit einem durchschnittlichen Lebensalter von 130 Jahren den Tieren, die das höchste Alter erreichen, sagte Robert Patzner vom Salzburger Institut für Zoologie. Bei den meisten noch vorhandenen Populationen - die Flußperlmuschel kommt im oberen Mühlviertel, Bayerischen Wald und angrenzenden Tschechien vor - sind die jüngsten Muscheln schon über 40 Jahre alt. Das heißt, sie pflanzen sich nicht mehr fort und sind damit vom Aussterben bedroht. Was vielfach versucht wurde und immer gescheitert ist, gelang nun einem tschechischen Forscherteam, das seit zehn Jahren an dem Projekt arbeitet. Die Wissenschafter haben mittlerweile tausende Flußperlmuscheln nachgezüchtet und auch schon in die Natur ausgesetzt, erklärte Patzner, der sich das Zuchtprojekt kürzlich in Tschechien ansah. Salzburger Zoologen versuchten vergeblich, die Muscheln nachzuzüchten. Durch neue Erkenntnisse über Ernährung und Lebensgewohnheiten der Jungmuscheln gelang den tschechischen Forschern die Nachzucht. Die Flußperlmuscheln benötigen kalkloses und sehr sauberes Wasser. Weitere Schwerpunktthemen des Symposiums sind die Rolle der Schnecken und Muscheln als Bioindikatoren. Diese reagieren bei Veränderung von Wasserqualität und Wasserdynamik besonders stark und dienen deshalb als ideale Umweltindikatoren. Als Beispiel nannte Patzner die österreichische Quellschnecke als Indikator für die Wassergüte. Diese lebt beispielsweise bei den Gaisbergquellen, in Tennengau oder bei besonders sauberen Bächen im Flachgau vor. Sei diese Schnecke einmal vernichtet, trete sie an der Stelle nie mehr auf, erklärte Patzner. (Schluß) lc/cm/km APA188 1997-02-20/11:09
APA Wissenschaft/Wettbewerb/Österreich/SteiermarkWISS/02.11.1998
Utl.: Zweimal Rang eins für steirische Projekte = Wien (APA) - Zwei erste Plätze für steirische Projekte gab es beim Regionswettbewerb "Kulturlandschaft" im Rahmen des österreichischen Schwerpunkts "Kulturlandschaftsforschung". Rang eins in der Kategorie A (verwirklichte Projekte) ging an das Institut Kornberg für Nachhaltige Regionalentwicklung des Entwicklungsvereins Kleinregion Feldbach, in der Kategorie B (geplante Vorhaben) siegte der "Ökoplan Weiz" der Stadtgemeinde Weiz. Die Preise wurden Montag nachmittag von Wissenschaftsminister Caspar Einem in Wien verliehen. **** Für den Wettbewerb waren Gemeinden, Regionen, regionale Initiativen aufgefordert, innovative Programme und beispielhafte Ideen zur Forcierung einer nachhaltigen Entwicklung in der Kulturlandschaft einzusenden. Das Institut Kornberg für Nachhaltige Regionalentwicklung wurde nicht zuletzt eingerichtet, um zur Erhaltung der kleinbäuerlichen Kulturlandschaft beizutragen. Dazu veranstaltet das Institut Gründer- und Erfinderbörsen sowie Seminare. Zu den Aufgaben gehören auch die "aktive Forschung auf Gebieten mit strategischer Bedeutung für die Region", die Information der Bevölkerung und die Umsetzung von Forschungsergebnissen. Der erste Preis in der Kategorie A ist mit 30.000 Schilling dotiert, der damit verbundene Forschungspreis hat eine Höhe von 500.000 Schilling. Der "Ökoplan Weiz" ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Österreichischen Ökologie-Institut und der Stadtgemeinde Weiz. Durch das Projekt sollen vorbildliche Konzepte zur Optimierung eines kommunalen Umweltmanagements erarbeitet werden. Der Bogen der Maßnahmen reicht von der Sicherung der letzten Waldbestände über die Festlegung städtischer Entwicklungszentren für Wohnbau und Gewerbeansiedlung bis hin zu geplanten Errichtung einer Energie- und Umweltberatungsstelle. Der Preis ist mit 30.000 Schilling dotiert. Platz zwei in der Kategorie A geht an Herbert Weingartner vom Institut für Geographie der Universität Salzburg für das Projekt "Südliches Tennengebirge - Nachhaltige Entwicklung in der Region", Platz drei an die Österreichische Naturschutzjugend Haslach für das Projekt "Naturraum Böhmerwald". In der Kategorie B landeten auf den Plätzen das Projekt "Gewässerbetreuungskonzept Obere Drau / Lienz-Sachsenberg" des Amts der Kärntner Landesregierung und das Projekt "Virger Feldflur: Alter Kulturraum - neue Wege" vom Verein Leader Virgen-Virgental. (Schluß) jak/cm/wea APA153 1998-11-02/10:46
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