Die önj Haslach und ihre Anliegen in den Medien 
(OÖN, SN, APA, ...)


OÖN was.ist.los? vom 03.05.2002

Naturjuwel

Ohne intakte Natur gibt es keine intakte Gesellschaft. Dafür muss man aber das Wertvolle sehen. Die Naturschutzjugend Haslach liefert in der Torf-Au mit der Berdetschläger Bauernmühle den Beweis dafür. Von Reinhold Gruber Es ist nicht immer eine Freude zu sehen, wie der Mensch mit dem Erbe der Natur umgeht. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass die Einsicht für die Erhaltung von natürlichen Flächen zu spät gekommen ist. Vielleicht waren gerade deshalb die Sensoren der Mitarbeiter der Naturschutzjugend Haslach einst so fein eingestellt, als die Torf-Au in der Gemeinde Ulrichsberg bedroht schien. Es war eine an sich simple Grundzusammenlegung, die eine Veränderung in der Landschaft hervorgerufen hätte, durch die wertvolle Ökologie zerstört worden wäre. Die Naturschützer nahmen die Verantwortung an und leiteten gemeinsam mit den Bauern und den Behörden 1983 einen Prozess ein, der die wertvolle Torf-Au erhalten sollte. Ein "schrittweiser Erfolg mit unterschiedlicher Geschwindigkeit", sagt Karl Zimmerhackl von der Naturschutzjugend Haslach. Diese vielen Schritte beziehen sich nicht nur auf die knapp 20 Hektar Feuchtwiese, die in der Torf-Au vom Menschen unberührt bleiben sollten. Mitten in diesem Gebiet verfiel auch die Berdetschläger Bauernmühle vor sich hin. Die hatte es Zimmerhackl und seinem Team angetan, weil es sich um ein Kulturgut handelt. Aus der Verbindung von Kultur und Natur gingen die Engagierten ans Werk. Vor acht Jahren begannen sie mit der Sanierung des alten Hauses. Finanziell zwar unterstützt vom Land, richteten sie die alten Mauern aber vorwiegend in Eigenregie und in tausenden Arbeitsstunden wieder auf. Insgesamt 600.000 Schilling hat die Naturschutzjugend Haslach in die Renovierung investiert. Dafür gibt heute die alte Mühle wieder einen Hauch jenes Flairs wieder, der früher geherrscht hat. Früher, als Mühlen wie die in Berdetschlag für eine Dorfgemeinschaft überlebensnotwendig waren. Am 5. Mai wird beim "Tag der offenen Mühle" nicht nur das Haus und die alte Mahlarbeit präsentiert, sondern natürlich auf die ökologische Vielfalt der Torf-Au präsentiert. Ein Stück Kulturlandschaft der besonderen Art wird an diesem Tag in den Blickpunkt gerückt. Diese Art der Öffentlichkeitsarbeit könnte sich Zimmerhackl in Ansätzen auch in Zukunft vorstellen. Denn eigentlich ist die Berdetschläger Mühle für die Jugendgruppen gedacht. "Wir haben den Dachboden zum Schlafraum ausgebaut, damit die Naturschutzjugend auch eine Nächtigungsmöglichkeit hat. Bei Interesse von größeren Gruppen ist eine Mühlenführung denkbar", sagt Zimmerhackl.


OÖN vom 31.07.2001 - Seite 016

Meister Adebar entdeckt Liebe zum Mühlviertel

VON BERNADETTE KNEIDINGER HASLACH. Störche sind gern gesehene Tiere, verbinden wir mit ihnen doch sehr schöne Dinge. Umso erfreulicher ist es, dass sich einige Störchenpärchen inzwischen im Mühlviertel heimisch fühlen und dort für Nachwuchs sorgen. Störche sieht man in letzter Zeit zwar immer öfter vor Häusern, in denen es Nachwuchs gab, doch sind diese meist nur aus Holz oder Plastik. Wer auch einmal lebendige Exemplare dieser stolzen Vögel sehen will, der hat im Mühlviertel die Chance dazu. Seit Jahren beobachtet die Österreichische Naturschutz Jugend (ÖNJ) die Störche im Mühlviertel. "Früher gab es nur den traditionellen Horst auf der Volksschule von Saxen, aber in den vergangenen acht Jahren haben sich die Vögel auch in Freistadt, Haslach und Vorderanger niedergelassen", berichtet Karl Zimmerhackl, der Leiter einer Jugendgruppe. Er vermutet, dass die Störche hauptsächlich aus Südböhmen ins Mühlviertel gekommen sind. "Es gibt in unserer Landwirtschaft wieder mehr Grünflächen und das ist für die Störche ganz entscheidend", erklärt Zimmerhackl. Untersuchungen ergaben, dass ein einziges Storchenpaar zwischen 50 und 100 Hektar Wiesenfläche braucht, um ausreichend Nahrung zu finden. Diese Zahlen sind nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Vögel einen sehr weitgefächerten Speiseplan haben, der von Heuschrecken und Käfern bis hin zu Mäusen, Fröschen und Schlangen reicht. Damit sich die Störche vermehren können, brauchen sie geeignete Nistplätze. Meist sind es Schornsteine, die diese Funktion übernehmen. Probleme mit den Hausbesitzern gibt es nur sehr selten. Die meisten freuen sich über den ungewöhnlichen Untermieter. Störche sind äußerst gewohnheitsliebende Tiere: Haben sie einmal einen guten Nistplatz entdeckt, dann kehren sie immer wieder dorthin zurück. Wer einmal junge Störche bewundern will, kann dies in Haslach tun. In einem Nest auf dem Schornstein der ehemaligen Weberei sind heuer zwei Jungvögel zur Welt gekommen. Zimmerhackl rechnet damit, dass sie schon sehr bald ihre ersten Flugversuche wagen werden. Die Kinder im Dorf warten bereits gespannt auf die ersten Ausflüge der Kleinen und auch für Erwachsene ist es immer wieder ein interessantes Schauspiel.


OÖN vom 16.07.2001

Merlin und Artus sollen Habichtskäuze im Böhmerwald wieder heimisch machen

VON GRISELDA FOSEN
ROHRBACH. Merlin und Artus heißen die beiden Habichtskäuze, die den Anfang einer neuen Population im Böhmerwald machen. In den nächsten Tagen werden die beiden Tiere freigelassen. Derzeit sitzen sie wohlbehütet in einer Voliere der niederösterreichischen Zuchtstation des Vereins für Eulen- und Greifvogelschutz in Haringsee. Merlin ist eines der drei "Mädchen", die Mitte April geschlüpft sind. Sie bekommt als Lebensgefährten den einjährigen Arthur zugeteilt, der derzeit mit zu sensiblen Stoßfedern zu kämpfen hat. Aus diesem Grund kann auch der Sender nicht montiert werden, die Freilassung der Tiere muss daher um einige Tage verschoben werden. Der Böhmerwald bietet für das Pärchen, das für reichlich Nachkommen sorgen soll, einen guten Boden zum Überleben, zudem soll hier eine Lücke geschlossen werden. Schließlich wurden in den vergangenen Jahren erfolgreich Habichtskäuze im Nationalpark Sumava und Bayerischer Wald ausgesetzt. Jeweils zwei Pärchen sollen in den nächsten Jahren aus der Zuchtstation dazukommen, das Projekt, das WWF, Land OÖ. und Bund initiiert haben, läuft vorerst für sechs Jahre. Wo die Tiere genau freigelassen werden, wollen die Initiatoren nicht verraten. Diese sollen sich möglichst ungestört an ihre neue Umgebung gewöhnen. Bedenken, dass die zweitgrößten Eulen erschossen werden könnten, haben die Initiatoren nicht. "Die Rohrbacher Jägerschaft steht hinter dem Projekt", weiß Jutta Jahrl, Artenschutzexpertin vom WWF Österreich. Bezirksjägermeister Hieronymus Spannocchi gehört unter anderen auch zu den Unterstützern. Natürliche Feinde des Tieres sind Baummarder, Uhu oder Habicht, die sich etwas anstrengen müssen, um den Kauz zu erwischen. Diese wissen sich sehr wohl zur Wehr zu setzen und haben daher auch keine Angst, sich am Tag auf den Boden zu setzen. "Die Tiere werden bis zu einem Kilogramm schwer, das Weibchen ist etwas größer als das Männchen", ergänzt Wolfgang Scherzinger vom Nationalpark Bayerischer Wald. Bis zu fünf Junge können die Vögel im Jahr bekommen. Ziel der Aktion ist, eine Population von bis zu 200 Tieren aufzubauen. Übrigens: Interessantes über das Projekt finden Sie unter webtv.nachrichten.at.


OÖN vom 28.04.2001 - Seite 030

Dem Luchs auf der Fährte: Im Lande ließe es sich leben für das Pinselohr

VON KLAUS BUTTINGER 1812 wurde der letzte Luchs Oberösterreichs im Böhmerwald erlegt. Eine aktuelle Diplomarbeit besagt: Diese Region wäre immer noch als Lebensraum für den Luchs geeignet. Doch die Rückkehr des Pinselohrs stockt. Thomas Engleder von der Naturschutzjugend (ÖNJ) Haslach hat in seiner Diplomarbeit die "Habitatsansprüche für den Luchs in der 3-Länder-Region Böhmerwald, Bayerischer Wald und Sumava" untersucht. Fazit: Im 3-Länder-Eck könnte eine stabile Luchspopulation leben. Einige Großkatzen streifen bereits in Oberösterreich, die erste Sichtung nach der Ausrottung stammt aus 1988. Wie viele, darüber gehen die Schätzungen weit auseinander. Jäger mit der Befürchtung, der Luchs würde die Rehbestände stark dezimieren ("der Luchs frisst unsere Wälder leer"), schätzen in den 90er-Jahren die Luchspopulation im Mühlviertel auf 80 bis 100. "Eine viel zu hohe Zahl", sagt hingegen Karl Zimmerhackl, Leiter der ÖNJ Haslach: "Der österreichische Teil des Böhmerwaldes ist extrem dünn besiedelt, die Population wird nicht höher, eher im Gegenteil, und auch die Zahl der gemeldeten Luchs-Risse geht zurück." Tod durch Falle, Kugel, Auto Leicht hat es der Luchs nicht mit dem Besiedeln neuer aber angestammter Lebensräume. Die Bilanz 1999/2000: In Schenkenfelden wird ein Luchs von einem Auto überfahren. In Ulrichsberg stirbt ein Luchs in einer Falle. In Zwettl wird ein junger Luchs geschossen - obwohl er ganzjährig Schonzeit hat. Bei den Luchsen im nördlichen Mühl- und Waldviertel dürfte es sich zum Großteil um Wechselwild handeln, also um südböhmische Pinselohren. Dort wurden noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs angestammte Luchse aus der Slowakei freigesetzt. Zudem leben im Nationalpark Kalkalpen einige Luchse, die aus dem Freisetzungsprojekt von Antal Festetics auf der Turracher Höhe Ende der 70er-Jahre zurückgeführt werden. Die Projektgruppe "Luchs" der ÖNJ Haslach hat sich Auswilderungszenarien in der Schweiz und in Rumänien angesehen. Dort wird mittels Sender die Luchspopulation erforscht. Einzelne Großkatzen werden betäubt, mit Sendern am Hals bestückt und wieder frei gelassen. Mittels Radiotelemetrie lässt sich der Aufenthaltsort und damit die Reviergröße, die Länge der Streifzüge etc. festhalten. Ziel der ÖNJ Haslach ist es, auch in Oberösterreich einen Luchs zu besendern. Im Rahmen eines INTERREG III-Projektes arbeitet die ÖNJ Haslach mit dem Naturpark Bayerischer Wald zusammen, Kontakte gibt es auch mit dem Naturpark Sumava in Tschechien. Eine Luchs-Broschüre wurde aufgelegt (Bestellnr.: 07289 / 714 93), man plant eine Ausstellung und betreibt weiter das Monitoring der Luchse. Dem Waldwanderer droht keine Gefahr durch den Luchs. Er beobachtet den Menschen von weitem und setzt auf sein Tarnkleid. Wird ihm die Distanz zu gering, steht er langsam auf und geht weg.


OÖN vom 21.04.2001 - Seite 030

Die Flussperlmuschel steht fünf Perlen vor der vollständigen Ausrottung

VON KLAUS BUTTINGER "1884 wurde in Steyr eine Mitra gezeigt, die mit 3000 bis 4000 weißen Perlen, die dem Kesselbach entstammten, geschmückt ist", berichtet ein Chronist. Heute würde man kaum fünf Perlen aus allen noch lebenden Flussperlmuscheln in Österreich gewinnen können. "Der kleine Kößlbach auf der Hochfläche des Sauwalds war in historischer Zeit als Perlgewässer weitum bekannt", sagt Clemens Gumpinger. Wahre Muschelbänke pflasterten seine Sohle, mussten doch - um eine Perle zu finden - rund 3000 Muscheln geöffnet werden. Der Biologe hat im Auftrag der oö. Umweltanwaltschaft und des oö. Naturschutzbundes die traurigen Muschel-Restbestände untersucht. Die Zahl der Tiere ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts dramatisch gesunken. "Verantwortlich sind die rücksichtslose Ausbeutung und die Intensivierung der Landnutzung", sagt Gumpinger, der die genauen Untersuchungsdaten im ÖKO-L publiziert hat. Durch Eintrag von Dünger und Abwässern, Kanalisierung der Bäche und Fichtenmonokulturen an seinen Ufern werden Nährstoffe ins Wasser geleitet. Als Folge dieser starken Belastung wird Sauerstoff verbraucht. Das führt zu Sauerstoffmangel in der Sohle. "Besonders für die in diesem Lückenraumsystem lebenden Jungmuscheln entsteht so eine lebensbedrohliche Situation", erklärt Gumpinger. Klar, dass die Muschelbestände stark überaltert sind. "Die Reproduktion ist seit geraumer Zeit gestört", konstatiert der Forscher. Wobei die Fortpflanzung der Flussperlmuscheln nicht nur von ihren sehr hohen Ansprüchen an den Lebensraum abhängt, sondern auch vom Vorhandensein der Bachforelle (siehe Kasten). Aus diesem Grund hat die Naturschutzjugend Haslach mit Fischern ein Projekt entwickelt, in dem bodenständige Bachforellen gezüchtet und in der Großen Mühl freigesetzt werden. Allerdings "kann das Überleben der Flussperlmuschel auf Dauer nur durch den Schutz der natürlichen Bachabschnitte und die Renaturierung der regulierten Bereiche erreicht werden", stellt Gumpinger klar. Vermehrung Die männlichen Muscheln stoßen Sperma ins Wasser aus. Die weiblichen Muscheln nehmen es mit dem Atemwasser auf und befruchten die Eier. Später stoßen sie Millionen Larven aus. Diese werden von Bachforellen aufgenommen. Die Larven heften sich durch Zusammenklappen der Muschelhälften ans Kiemengewebe. Der Ritt auf der Forelle dauert bis nächsten Sommer, die Jungmuscheln fallen ab und vergraben sich die nächsten fünf Jahre im Sediment des Bachbetts, bevor sie wieder auftauchen.


OÖN vom 17.03.2001 - Seite 034

Luchs-Comeback

Die engagierte Naturschutzjugend Haslach hat gemeinsam mit dem Naturpark Bayerischer Wald eine Broschüre über den Luchs (im Mühlviertel) herausgebracht. Ein lehrreiches, schön bebildertes Heft, das für die geheimnisvolle Waldkatze wirbt. Anschauen! Kontakt: 07289 / 71 4 93, oenj.haslach@xpoint.at


OÖN Magazin vom 17.02.2001, Seite 011

Auf Spurensuche in der Heimat

Die Torf-Au in der Gemeinde Ulrichsberg bietet dem ökologischen und kulturhistorischen Spurensucher ein reiches Betätigungsfeld. Ein neues Büchlein bringt dieses einzigartige Erbe dem interessierten Leser näher und dokumentiert gleichzeitig die Bemühungen der Naturschutzjugend Haslach um seine Erhaltung. 65 Vogelarten konnten in der Torf-Au nachgewiesen werden, 18 Rote-Liste-Falterarten. Und vor allem ist in der Großen Mühl entlang der Au eine der gefährdetsten Tierarten Österreichs heimisch: die Flussperlmuschel. ÖNJ Haslach: "Die Torf-Au mit der Berdetschläger Bauernmühle". 70 Seiten, S 50,-. Bestelladresse: ÖNJ Haslach, Grubberg 17, 4170 Haslach, Tel. + Fax 07289 / 71 4 93.


OÖN vom 19.12.2000

Haslach: Für Projekt "Torf-Au" erhielt die Naturschutzjugend Umweltpreis

HASLACH. Bereits zum fünften Mal wurde die Österreichische Naturschutzjugend Haslach mit dem Ford-Umweltpreis ausgezeichnet. "Für uns war das eine große Überraschung", so die erste Reaktion von Karl Zimmerhackl von der Naturschutzjugend Haslach, als er vom neuerlichen Preis erfahren hatte. Dieses Mal erhielten die Mühlviertler den Preis für die Rettung eines 17 Hektar großen Feuchtgebietes am Rande des Böhmerwaldes. Die Torf-Au bei Ulrichsberg wurde freigekauft, gemeinsam mit Landwirten wurde das Gebiet als Lebensraum für bedrohte Arten weiterentwickelt. Seltene Vogelarten befinden sich in der Torf-Au, darunter Wasseramsel und Braunkehlchen, gefährdete Falter wie der Wollbeinspinner oder eine der am stärksten gefährdeten Tierarten Österreichs, die Flussperlmuschel. Daneben wurde die Berdetschläger Bauernmühle restauriert, ein Tannenholz-Wasserrad wurde eingebaut, in der Zwischenzeit wurde auch bereits in dem kulturhistorischen Kleinod der Torf-Au der erste Mahlvorgang durchgeführt. "Dabei hat uns am Anfang eigentlich nur das Nest des Zaunkönigs in der Mühlenruine interessiert", erinnert sich Zimmerhackl. Die renovierte Mühle soll künftig als Basislager für Jugendgruppen dienen. Das Projekt "Zwischen Paradies und Roter Liste" bekam den 1. Preis in der Kategorie Kinder- und Jugendprojekte und wurde mit 40.000 Schilling dotiert. Das Geld wird für Naturschutzpromaßnahmen verwendet, insgesamt wurden 100 Projekte eingereicht.


OÖN vom 09.11.2000, Seite 8

"Universum"-Folge über den Böhmerwald
Reiz jahrzehntelanger Unberührtheit

OÖN-Interview mit Regisseur Alfred Vendl

 

Der Böhmerwald als Wildnis im Herzen Europas ist heute um 20.15 Uhr in ORF 2 Star der Reihe "Universum". Genähert hat sich der Region als Autor und Regisseur Alfred Vendl, der im Hauptberuf eigentlich Universitätsprofessor (Fachgebiet: Silikatchemie und Archäometrie), seit Jahren aber auch für den ORF tätig ist.

OÖN: Sie haben bisher so unterschiedliche Themen wie "Himmelsboten", "Ratten unter uns" und zuletzt "Die Macht des Regenbogens" für "Universum" aufbereitet. Werden Sie nun Naturfilmer?

Vendl: Absolut nicht! Ich hab' halt jetzt einmal einen Landschaftsfilm gemacht.

OÖN: Was hat Sie denn gerade am Böhmerwald gereizt?

Vendl: Vor allem das Faktum, dass das eine Landschaft mitten in Europa ist, die zum Teil - zumindest auf tschechischer Seite - jahrzehntelang quasi unberührt war. Auf der österreichischen Seite ist der Böhmerwald eine durchgehend bewirtschaftete Region und im bayerischen Raum haben wir einerseits die Bewirtschaftung und andererseits die durch einen Nationalpark geschützten Teile. Also eine überaus interessante Situation.

OÖN: Gab es auch etwas Überraschendes?

Vendl: Ja, dass der Böhmerwald im österreichischen Teil eine extrem blühende, wohlhabende Gegend ist. Ich hatte mir das eher so karg wie im Waldviertel vorgestellt.

OÖN: Gibt es ein Leitmotiv?

Vendl: Wir waren bei einer Bauernfamilie aus Aigen vier Jahreszeiten hindurch zu Gast. Das war sehr beeindruckend.

OÖN: Warum und wie ist diese Familie ausgesucht worden?

Vendl: Das Donnerstag-Universum ist nicht die Wildlife-Schiene mit spektakulären Tierbildern, sondern da geht es um Mensch und Natur. Die Naturschutzjugend Haslach hat uns großartig geholfen. Sie haben uns die Orte, die ökologischen Zusammenhänge, die ganzen Schmankerln und Zuckerln gezeigt. Sie haben uns mit der Familie Wöß bekanntgemacht, die auf einem Hof lebt, der seit dem 15. Jahrhundert bewirtschaftet ist. Wie es Tradition war, wohnen mehrere Generationen zusammen. Und jeder hat seine Aufgabe: Sie machen den Most und den Schnaps selber, der Großvater bindet Reisigbesen, das Holz holt man aus dem eigenen Wald. Es ist eine noch sehr ursprüngliche Lebensweise.

OÖN: Das klingt sehr "ideal"

Vendl: Das ist "Universum", nicht "Brennpunkt"! Konflikte sind mit Ausnahme des Borkenkäferproblems keine drinnen.

OÖN: Aber viele Themen, auch die frühe Industrialisierung, werden angesprochen?

Vendl: Ja, aber immer aus der Sicht eines Phänomens und nicht sozialkritisch. Anders als kürzlich bei Horst Friedrich Mayer in seiner Böhmerwald-Sendung, bleiben bei uns auch kulturelle Zusammenhänge ausgespart.

OÖN: Der Mensch im Böhmerwald wird also durch die gezeigte Familie repräsentiert, wer steht für die Natur?

Vendl: Wir haben den Luchs drinnen, wir haben zum ersten Mal überhaupt einen Elch auf österreichischem Boden, bei Haslach, filmisch dokumentiert. Wir haben - was oft abgestritten wird - Beweise gefunden, dass es auf tschechischem Gebiet vereinzelt Wölfe gibt.

OÖN: Wie würden Sie Ihr Böhmerwald-Universum in einem Satz beschreiben?

Vendl: Es ist ein sehr stimmungsvoller Kaminabendfilm.


OÖN vom 02.11.2000, Seite 20

Aus "Versehen" erlegte Jagdgast jungen Luchs

ZWETTL/RODL. "Unser Vertrauen ist erschüttert. Wie kann so etwas bei einer Treibjagd passieren?" Diese Frage stellen sich der WWF und die Naturschutzjugend Haslach nach einem "Versehen" am vergangenen Wochenende. Ein Jagdgast aus Niederösterreich hatte angeblich dem Ruf der Treiber "ein Fuchs" geglaubt und geschossen. Erlegt hatte er aber einen knapp ein halbes Jahr alten, fünf Kilo schweren Luchs. Der Jäger erstattete daraufhin Selbstanzeige. "Schon im Oktober 1999 haben wir zwei junge Luchse verloren. Einer kam in ein Falleisen, einer verendete nach einem Verkehrsunfall", sagt Karl Zimmerhackl, Obmann der Naturschutzjugend Haslach den OÖN. Die önj Haslach dokumentiert im Auftrag des Landes und in Absprache mit den Jägern das Auftreten von Luchsen im Mühlviertel. Zimmerhackl hofft, dass die Population durch weitere Zuwanderer aus Böhmen noch ansteigt. Um die Überlebenschancen der Luchse noch zu erhöhen, appelliert er an die Jäger. "Schauen Sie bitte ganz genau, worauf Sie schießen." (eku)


ORF - Programmtext (www.orf.at), 9.11.2000

UNIVERSUM: Böhmerwald - Wildnis im Herzen Europas

Heimat für Luchse, Wölfe und Elche

Im Herzen Europas liegt das weitläufige Gebiet des Böhmerwaldes. Über Jahrzehnte durchschnitt der Todesstreifen des Eisernen Vorhanges dieses Gebiet. Was für die Menschen oft Verlust der Heimat und großes Leid bedeutete, war für Flora und Fauna eine ausgedehnte Erholungspause. Heute umschließen Nationalparks die geschützten Bereiche des Böhmerwaldes an den Grenzen Oberösterreichs, Bayerns und Tschechiens. Wälder, Seen und Moore beherrschen die Landschaft, in der wieder Luchse, Wölfe und vereinzelt sogar Elche ihre Heimat gefunden haben. Alfred Vendls "Universum"-Dokumentation, "Böhmerwald - Wildnis im Herzen Europas", eine Koproduktion von ORF, dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Land Oberösterreich und WDR, hergestellt von WEGA-Film, verfolgt am Donnerstag, dem 9. November, um 20.15 Uhr in Stereo und im Format 16:9 in ORF 2 das Leben einer Bauernfamilie inmitten dieser wiedergeborenen Natur.

Die Landschaft des Böhmerwaldes gilt als Juwel unter den Naturparadiesen Europas. Durch die Grenzlage am ehemaligen "Eisernen Vorhang" blieben große Teile des Böhmerwaldes jahrzehntelang unberührt. Es entstand ein Refugium für seltene Pflanzen und Tiere. Ein Jahr lang hat ein "Universum"-Team unter der Regie von Alfred Vendl die bisher kaum bekannten Naturschönheiten dieser faszinierenden Landschaft im Dreiländereck Österreich, Deutschland und Tschechien im Wandel der vier Jahreszeiten mit eindrucksvollen Bildern dokumentiert. Dabei gelang es erstmals, Elche in freier Wildbahn auf österreichischem Gebiet zu filmen. Im Vordergrund des Films stehen die Landschaftsschönheiten des Böhmerwaldes mit den teils urwaldähnlichen Wäldern, den in unzähligen Mäandern ausgebreiteten Flüssen, den skandinavisch anmutenden Hochebenen und Mooren, aber auch den weitläufigen Wiesen mit ihrer breiten Blumenpracht.

Die Menschen, die hier leben, sind besonders gefordert, wenn es darum geht, das karge Angebot dieser rauen Gegend zu nützen. Das "Universum"-Team begleitete eine Bauernfamilie aus der Gegend von Aigen-Schlägl, wie sie die Herausforderungen im Laufe der vier Jahreszeiten bewältigt.

"Meine ganze Seele hängt an dieser Gegend", schrieb Adalbert Stifter vor 150 Jahren. Er setzte dem Böhmerwald mit seinen Landschaftsbeschreibungen ein - wenn auch romantisch überhöhtes - so doch Jahrhunderte überdauerndes Denkmal. Vieles hat sich seither im Böhmerwald verändert, doch verglichen mit anderen Naturregionen Europas konnte dieses Gebiet im Nordwesten des Mühlviertels seine Originalität bewahren. Die speziellen geologischen und klimatischen Bedingungen - Granituntergrund, dünner Humusboden, raues Klima, urtümliche Moorlandschaften - tragen dazu bei, dass in dieser Gegend eine einzigartige Fauna und Flora anzutreffen ist.

Unter den Blumen stechen das Holunderknabenkraut und der böhmische Enzian hervor; die Moore beherbergen seltene Pflanzen bis hin zum fleisch-fressenden Sonnentau; in den Bächen lebt heute noch die Flussperlmuschel, deren glitzernde Produkte nicht nur die österreichische Kaiserkrone schmücken, sondern vor allem auch in das Kulturgut der Gegend eingebunden wurden, wie ein prächtiges Messgewand im Stift Schlägl beweist. Heute tummeln sich Fischotter in den Resten des Schwarzenbergischen Schwemmkanals und genießen den vorhandenen Fischreichtum der Gewässer. Im frühen 19. Jahrhundert aber stellte dieser Kanal eine herausragende Ingenieursleistung dar, gelang es doch den Erbauern, die Wasserscheide des Böhmerwaldes zu überwinden und somit eine Wasserstraße für den Transport des Holzes aus dem Böhmerwald bis zur Donau zu bauen. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Holz über diesen Wasserweg zur Donau geschwemmt. Das Holz des Böhmerwaldes war und ist ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor der Gegend. In jüngster Zeit allerdings ist ein winziges Lebewesen - der Borkenkäfer - dabei, erhebliche Teile des Waldbestandes zu gefährden. Die harten, schneereichen Winter, die die Bäume unter der Last des Schnees zerbrechen lassen, haben in Verbindung mit der bis heute steigenden Umweltbelastung des Waldes diesem kleinen Schädling den Weg bereitet. Bis heute wird der Holzreichtum der Gegend von Köhlern zur Herstellung von Holzkohle genutzt, auch wenn die Holzkohle schon lange nicht mehr dazu dient, Energie für die Herstellung eines der schönsten Produkte des Böhmerwaldes zu liefern -- des berühmten böhmischen Glases. Der Quarzreichtum der Urgesteingegend führte im Verbund mit dem Holzreichtum zu einer blühenden Glasindustrie, die bis heute noch - vor allem im bayerischen Teil - erfolgreich betrieben wird.

Dem "Universum"-Team wurde von tschechischer Seite erlaubt, das Kern-gebiet des Böhmerwaldes ohne Einschränkung zu filmen - sogar Tiefflugauf-nahmen waren möglich, was zu seltenen Tierbegegnungen in einem Gebiet führte, das 40 Jahre lang vom Menschen unbehelligt blieb und wo bis heute Luchs, aber auch Elch wieder eine Heimat gefunden haben und sich in den schneereichen Wintern sogar vereinzelt Wölfe bis zu den besiedelten Gebieten wagen. Der Böhmerwald ist bis heute eine der interessantesten und naturbelassensten Regionen Europas geblieben.

Anmerkung:
Alexander u. Karl Zimmerhackl, Rainer Vierlinger und Thomas Engleder von der önj Haslach waren wissenschatliche Berater für dieses "Universum Böhmerwald".


Pressetext - Naturfreunde Internationale, 15.9.2000

Grenzüberschreitender Tourismus Oberösterreich/Tschechien
Naturfreunde fordern Schutzgebiet auf der Südseite des Moldaustausees

Die Naturfreunde haben Verständnis für die Wünsche der Bevölkerung der Region Böhmerwald nach weiteren Straßenübergängen zwischen Tschechien und Ober-österreich zur Belebung des grenzüberschreitenden Austauschs. Um jedoch die ökologische Qualität und die touristische Attraktivität der Region nicht zu gefähr-den, fordern die Naturfreunde anläßlich eines internationalen Naturfeunde-Dreiländer-Treffens an der Grenze ein Paket von begleitenden Maßnahmen: die Einrichtung eines Schutzgebiets auf der Südseite des Moldaustausees, ein 3,5t-Limit und Tempo 70 auf den neuen Straßen sowie die Einrichtung eines öffentlichen Verkehrs.
Mit der Auszeichnung der grenzüberschreitenden Region "Böhmerwald" zur europäi-schen Landschaft des Jahres haben die Naturfreunde dazu beigetragen, daß sich diese Region als sanfte Tourismusregion in den letzten Jahren profilieren konnte. Eine Grundlage dafür ist die weitgehend unerschlossene Grenzregion, die nicht nur ein Pa-radies für Elche, Luchse und andere Tiere darstellt, sondern auch für sanfte Touristen, welche sich nur mit eigener Muskelkraft durch die Landschaft bewegen. Zahlreiche Wander-, Radwege und Langlaufloipen wurden ausgebaut, der Nationalpark Šumava und der Schwarzenberger Schwemmkanal sind wichtige Anziehungspunkte für einen ökologischen Kulturtourismus geworden.
Die Schaffung von neuen Straßengrenzübergängen bei Schöneben/Zadní Zvonková oder Diendorf/Kyselov könnte diese positive Entwicklung gefährden, wenn damit ein Durchzugsverkehr stimuliert wird bzw. der Wunsch nach weiteren Erschließungen mit touristischen Anlagen geweckt wird. So gibt es noch immer Pläne, den Hochficht von der Nordseite mit einer Skiabfahrt zu erschließen, und es mehren sich Anzeichen für ei-ne harte Bebauung der Südseite des Moldaustausees, die derzeit vollständig naturbe-lassen ist. Beide Projekte benötigen eine bessere Straßenerschließung und würden nicht nur zu schweren Eingriffen in den Naturhaushalt führen, sondern auch den natur-belassenen Charakter der Region unwiederbringlich zerstören. "Eine Erschließung des Südufers mit Hotels oder Marinas oder der Bau einer Seilbahn auf den Hochficht von der tschechischen Seite wäre eine ökologische Katastrophe für die Böhmerwaldregion und würde dem Tourismus langfristig mehr Schaden als Nutzen zufügen", betonte der Präsident der Naturfreunde Internationale, Herbert Brückner.

Im Sinne der Förderung eines sanften, grenzüberschreitenden Kulturtourismus verlangen die Naturfreunde:

· Gleichzeitig mit der Öffnung der Grenze Maßnahmen zum Schutz der Südseite des Moldaustausees vor harten Erschließungsmaßnahmen. Das Gebiet zwischen Moldau und Staatsgrenze soll auch in Zukunft einem sanften Wander- und Radtou-rismus vorbehalten bleiben und damit den bereits bestehenden Massentourismus an der Nordseite des Sees sowie den Kulturtourismus im Mühlviertel und Niederbayern ergänzen.
· Ein 3,5t-Limit für die neuen Grenzübergänge (mit Ausnahme von Bussen des öffent-lichen Verkehrs)
· Ein durchgehendes Tempolimit von 70 km/h auf den neuen Straßen
· Die Anbindung des Nationalpark-Busses in Tschechien an die Mühlkreisbahn in Ai-gen/Schlägl (bzw. die Errichtung einer Buslinie Aigen/Schlägl - Horní Planá - Ceský Krumlov)
· Die Errichtung eines Nationalparkzentrums bei Zadní Zvonková
Die Naturfreunde fordern die zuständigen Stellen beiderseits der Grenzen auf, die Ver-antwortung für eine Nachhaltige Entwicklung der Region Böhmerwald wahrzunehmen und diese nicht durch unkontrollierbaren Verkehr und harte Erschließungen zu gefährden.


OÖN, Regional vom 02.09.1999 - Seite Linz

Haslach: Naturschützer auf Erfolgskurs

HASLACH. Natur zu schützen und Projekte, die in den Böhmerwald passen, zu initiieren sind Ziele der Naturschutzjugend Haslach. "45 Hektar Ökoinseln haben wir bereits angekauft", freut sich der Motor der Naturschutzjugend Haslach, Karl Zimmerhackl, über den Erfolg der Naturschützer. Darunter befinden sich Feuchtwiesen, Flächen auf denen Orchideen und Enziane wachsen und eine Wiese mit seltenen Schmetterlingen. Bei einigen Projekten machten sich Schüler stark für eine intakte Naturlandschaft, finanziell unterstützt wurde der Verein auch von der Naturschutzabteilung des Landes. Wichtig ist Zimmerhackl und seinen Mitstreitern, dass ihre Projekte auch in den Böhmerwald passen. Daneben initiierte die ÖNJ eine Schwalbenaktion, bei der Landwirte aus der Region zu zuverlässlichen Partnern geworden sind, in der Torfau wurde eine alte Mühle restauriert, seit Jahren wird das Kommen, Gehen und Leben der Haslacher Störche beobachtet. Auch die Flussperlmuscheln im Mühlviertel sind der Gruppe ans Herz gewachsen, zudem haben sich die Naturschützer für die Wiedereinsetzung der Böhmerwaldschafe stark gemacht. Mit Erfolg, denn die Mischwolle eignet sich gut für einen Tweed, der in der Textilwerkstatt produziert wird. Über die Schafe soll demnächst auch ein "Universum" gedreht werden. (fo)


OÖN, Hauptausgabe vom 27.08.1999 - Seite 020

Waldschafe für Haslacher Tweed

HASLACH. Seit 25 Jahren macht die Österreichische Naturschutzjugend Haslach auf sich aufmerksam. Es wurden 45 Hektar Ökoinseln angekauft, darunter Feucht-, Schmetterlings-, Orchideen- und Enzianwiesen. "Typische Biotope für den Böhmerwald", erklärt Karl Zimmerhackl, der Motor der Naturschützer. Eine Mühle in der Torfau gehört zu den jüngsten Projekten der Gruppe, seit Jahren wird das Leben der Weißstörche dokumentiert, mit Landwirten wurde ein Schwalbenprojekt ins Leben gerufen. Der Naturerlebnisweg, Flussperlmuscheln und die Erkundung des früheren Todesstreifens an der Grenze zu Tschechien waren ebenso erfolgreiche Projekte wie das Wiederentdecken des Waldschafes, dessen Wolle zu Mühlviertler Tweed verarbeitet wird. (fo)


OÖN, Magazin vom 24.07.1999 - Seite 009

Artenschwund: Ein Enzian als Pflegefall

Der Böhmische Enzian (Gentianella bohemica) ist eine typische Blütenpflanze des Böhmischen Massivs. Erst 1969 wurde er als eigene Art erkannt. Das zweijährige Gewächs wird bis 40 cm hoch und besitzt einen aufrechten, kahlen Stengel, der häufig rot überlaufen ist. Im unteren Stengelbereich ist der Enzian stark verzweigt. Die rötlich-violette Blütenkrone hat Glockenform. Weiße Fransen im Blütenschlund weisen Hummeln und Faltern den Weg zum Nektar. Das seltene, streng geschützte Naturjuwel kommt im oberösterreichischen Böhmerwald, im Bayerischen Wald und in Südböhmen vor, befindet sich aber überall auf dem Rückzug. Von ehemals 1100 Fundorten sind nur noch 50 übriggeblieben. Von den ursprünglich sieben Vorkommen im Mühlviertel sind drei bereits erloschen. Grund: Der Lebensraum des Böhmischen Enzians - magere Extensivweiden und Borstgrasrasen - ist infolge von Nutzungsaufgabe, Aufforstung und Düngung stark bedroht. Die traditionelle Bewirtschaftung oder Mahd wird immer seltener, Fichtenmonokulturen nehmen überhand. Besonders wichtig für den Bestand des Böhmischen Enzians wäre die Beweidung, denn durch die Trittschäden der Tiere entstehen Lücken in der Grasnarbe, auf denen die Samen keimen können. Verfilzt hingegen die Bodendecke, haben die Samen keine Chance. "Zur Rettung des Böhmischen Enzians ist ein internationaler Erfahrungsaustausch dringend notwendig", erklärt Karl Zimmerhackl, Leiter der Naturschutzjugend Haslach, die Reststandorte des Enzians erworben hat und dort versucht, durch spezielle Pflegeprogramme die Art zu erhalten. Von der Münchner Biologin Sabine Rösler wurden die jungen Naturschützer in die Methodik wissenschaftlicher Bestandserhebungen eingeführt. Jetzt versucht man es mit Bio-Monitoring. Die Monitoring-Fläche soll den zentralen Bereich des Enzianstandortes umfassen - Mindestgröße 16 Quadratmeter. Bei einer Bestandsaufnahme auf der Monitoringfläche, die den Ausgangsstatus der Vegetation dokumentiert, werden die blühenden Exemplare markiert. Über dichte Bestände legt man ein Rasternetz. Dann überträgt man die Standorte auf Rasterpapier. In fünf Jahren soll die Prozedur wiederholt werden -Êzur Kontrolle der Pflegemaßnahmen.


OÖN, Hauptausgabe vom 23.07.1999 - Seite 005

Vermutlich kein Ruin Elche im Mühlviertel

Da ist doch tatsächlich eine vierköpfige Elch-Familie ins obere Mühlviertel gekommen; und schon geht die Diskussion los, Abschuß ja oder nein. Ich sehe keinen Grund, die Tiere durch Erschießen zu entsorgen. Daß sie an den jungen Laubbäumchen des Guts- und Schloßbesitzers G. Revertera knabbern, wird diesen kaum in den Ruin treiben. Die Beweggründe, solche Tiere, die in unserer Gegend ganz selten zu finden sind, abzuschießen, sehe ich darin, sich Erfolgserlebnisse zu schaffen, die man kaum oder gar nicht hat.
HERTA WOLKERSTORFER, Linz


SN vom 14. Juli 99

Eiserner Vorhang weg: Freiheit auch für Elche

Seit acht Jahren beobachtet man vereinzelt Elche im oberösterreichischen Grenzgebiet zu Tschechien. Jetzt sei eine ganze Elchfamilie in Helfenberg im Mühlviertel "seßhaft" geworden, berichtete der Gutsverwalter des dortigen Schlosses. Elche richten zwar Schäden an jungen Laubbäumen an, für Menschen sind die scheuen Wildtiere jedoch nicht gefährlich. Sie gelten in Oberösterreich zwar als jagdbares Wild, sind aber - wie Bären und Wölfe - ganzjährig geschont. Ein Zwangsabschuß wird nur bei großen Forstschäden genehmigt. Daß Elche nun auch vermehrt in Oberösterreich auftreten, führt man auf das Fallen des Eisernen Vorhangs zurück. Die Tiere könnten nun "alte Wechsel" wieder benutzen.


OÖN, Hauptausgabe vom 14.07.1999 - Seite 015

Elchpärchen mit zwei Kälbern ist im Mühlviertel vom Abschuß bedroht
VON PETER AFFENZELLER LINZ.

Eine Kontroverse zeichnet sich um ein ins Mühlviertel zugewandertes Elchpärchen und seine beiden Kälber ab: Gutsbesitzer Georg Revertera will die Tiere abschießen, WWF und Landesnaturschutz sind dagegen. Die Elche haben sich seit rund einem Jahr zwischen Helfenberg und der tschechischen Grenze niedergelassen. Sie werden etwa so groß wie ein Pferd und fressen entsprechend viel - ihre Vorliebe für junges, saftiges Laub bringt sie auch prompt mit den Forstleuten in Konflikt. "Die Elche stammen aus einer kleinen Population von rund 30, 40 Tieren in Böhmen, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs können sie alte Wildwechsel wieder benutzen", sagt Revertera. Der Gutsbesitzer beklagt massive Schäden am jungen Mischwald durch die Tiere: "Sie reißen in zwei Metern Höhe einfach die jungen Bäume ab, um ans Laub heranzukommen. Normale Zäune oder chemische Mittel reichen nicht, um die Tiere vom Jungwald fernzuhalten", so der Forstmann. "Der Elch hat hier einfach nichts verloren", sieht Revertera in einem von der Bezirkshauptmannschaft genehmigten Abschuß die einzige Lösung. Elche gelten zwar als jagdbares Wild, sind aber ganzjährig geschont. Angst müssen Wanderer vor den Tieren übrigens nicht haben: "Man begegnet ihnen immer wieder, aber sie weichen Menschen eher aus", so Revertera. "Voll Euphorie" nimmt man dagegen beim WWF die Nachricht von den Elchen auf: "Elche waren früher auch in Österreich heimisch, sie sind höchst willkommen", freut sich Gerald Dick, Leiter der Kampagne "Artenreiches Österreich". Die Probleme mit Schäden am Mischwald könne man sicher durch Entschädigungen lösen, denn es sei "ein Wahnsinn, eine Elchkuh mit Kälbern zu erschießen". Über die Elche im Dreiländereck Bayern/Böhmen/Oberösterreich gebe es sogar schon wildbiologische Studien. Daher wisse man auch, daß für die "Weitwanderer" 30 oder 50 Kilometer kein Problem seien und sie öfter im Grenzgebiet auftauchen. Der Landesnaturschutz habe nach Rücksprache zugesichert, daß man sich für die Elche einsetzen und einem Abschuß nicht zustimmen werde. Verschrecken statt töten Die WWF-Leute sehen auch die Möglichkeit, die Elche durch Verschrecken vom Jungwald fernzuhalten. Revertera befürchtet allerdings, daß sie in strengen Wintern immer wieder an seine Jungbäume gehen würden. Er beruft sich auf das Beispiel Niederösterreich, wo die Behörde zwei Abschüsse erlaubt habe. Der WWF dagegen erinnert an einen weiteren, illegalen Abschuß und warnt: "Das ist Wilderei."

 


OÖN, Regional vom 08.04.1999 - Seite Linz

Die ersten Störche sind schon im Mühlviertel eingetroffen
VON GRISELDA FOSEN

FREISTADT/HASLACH/SAXEN. Während die Störche von Freistadt und Haslach bereits wieder ihr Quartier bezogen haben, warten die Saxener mit Bangen auf ihre Lieblinge. "Hoffentlich akzeptieren sie ihr neues Nest", fragen sich derzeit viele Saxener. Da im vergangenen Jahr mit der Sanierung der Volksschule begonnen worden ist, mußte bei dieser Gelegenheit das Storchennest abgenommen werden, an einer anderen Stelle der Schule wurde es wieder angemacht. "Am Karsamstag wurde bei uns bereits ein Storch gesichtet", weiß Pfarrer Konrad Streicher, der mit einer Mitarbeiterin seit Jahren das Geschehen im Horst beobachtet. Nach längerem Kreisen zog der Zugvogel wieder ab, sodaß die Saxener befürchten, der Storch würde sein neues Heim nicht akzeptieren. Auch die Freistädter fragten sich im Vorjahr bange, ob die Störche einen neuen Standort annehmen, da der baufällige Schlot der Molkerei abgetragen werden mußte. Drei Nester an verschiedenen Erhöhungen wurden angebracht, letztendlich haben sich aber die Zugvögel einen eigenen Standort gesucht, der vor einigen Tagen bereits wieder vom Storchenmännchen bezogen worden ist. Auch in Haslach wurde am 1. April der Chef der Naturschutzjugend Haslach, Karl Zimmerhackl, von einigen Haslachern informiert, daß der Storch eingetroffen sei. "So früh war er noch nie da", so der Pädagoge, der vermutet, daß immer das gleiche Pärchen in Haslach nistet. Die Tiere kennen sich bereits aus, können sich daher besser orientieren, zudem dürfte bei ihrem Flug nach Österreich ein guter Wind geweht haben, der den guten Seglern entgegenkommt. "Vor zwei Jahren war das schlechte Wetter bemerkbar", so Zimmerhackl, der im Vorjahr mit seinen Mitarbeitern eine Studie über die Haslacher Störche präsentiert hat. Mit den drei Standorten in Freistadt, Haslach und Saxen dürfte die Kapazität an Storchennestern ausgeschöpft sein, da die Tiere einen gewissen Umkreis als Futterquelle brauchen.


OÖN, Magazin vom 27.03.1999 - Seite 010

Naturschutzjugend Haslach erhebt wieder die Bestände unserer Frühlingsboten

Sag mir, wo die SCHWALBEN sind

"Mariä Verkündigung (25. März) kehren die Schwalben wiederum", weiß der Volksmund. Daß sie es nach erfolgter Rückkehr bei uns immer schwerer haben, ihren Bestand zu sichern, weiß man seit Jahren bei der Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ) Haslach. Und man tut etwas dagegen: Zusammen mit der Hauptschule Haslach zählen die jungen Naturschützer seit Jahren das Schwalbenaufkommen in ihrer Region und versuchen durch Nisthilfen und eigens angelegte Schwalbentümpel, die Bestände langfristig zu sichern. Während sich die künstlichen Nisthilfen bei den Mehlschwalben bewährt haben (44 % wurden von Brutpaaren besetzt), werden sie von den Rauchschwalben nur in seltenen Fällen angenommen. Ihnen kann eher durch geeignete Stützbrettchen geholfen werden. Die Erhebung der Schwalbenbrutpaare erfolgt in den Ortschaften Damreith, Hörleinsödt, Hinternberg, Oedt und Hartmannsdorf. Einmal pro Jahr wird der Bestand an Rauch- und Mehlschwalben erfaßt. 37 landwirtschaftlich oder nicht landwirtschaftlich genutzte Gebäude werden auch heuer wieder um den 20. Juni kontrolliert. Derzeit liegen die Daten für den Zeitraum 1980 bis 1997 vor, berichtet ÖNJ-Leiter Karl Zimmerhackl. Nach einem Höchststand in den Jahren 1988 bis 1992 sind die Bestände laut Erhebung kontinuierlich zurückgegangen. Waren es bei den Mehlschwalben 1992 noch 130 Brutpaare, so konnten 1996 nur noch 37 Paare registriert werden. 1995 wurden 122 Rauchschwalbenpaare gezählt, zwei Jahre später waren es noch 63. In den untersuchten Ortschaften liegen die Gründe für den Bestandsrückgang laut Zimmerhackl vor allem in lokalen Veränderungen. Die strukturelle Verarmung der Kulturlandschaft und der damit verbundene Schwund an Schlechtwetter-Nahrungsbiotopen schränkt das Futterangebot für die Schwalben stark ein. Durch Asphaltierung von Straßen und Vorplätzen fehlt geeignetes Nistmaterial (Lehm), verstärkter Insektizideinsatz reduziert das Angebot an Insekten. Hausrenovierungen entziehen den Schwalben ihre angestammten Nistplätze. Bei den Rauchschwalben genügt bereits die Aufgabe der Rinderhaltung, daß die Nester in den Stallungen nicht weiter benützt werden. Die Biologin Birgit Kaffenda (25) aus Walding hat in ihrer Diplomarbeit an der Universität Wien die Bestandserhebungen der ÖNJ Haslach zusammengefaßt. In Gesprächen mit 15 Landwirten ist sie der sozialen Dimension des mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichneten Projekts nachgegangen, das nicht zuletzt dem Abbau von Berührungsängsten zwischen Bauern und Naturschützern dient. Auskunft: ÖNJ Haslach, 4170 Haslach, Grubberg 17, Tel. und Fax 0 72 89 / 71 4 93. e-mail: oenj.haslach@xpoint.at


OÖN, Hauptausgabe vom 06.03.1999 - Seite 001

Luchse sind im Mühlviertel aktiv


ROHRBACH/PERG. Gerissene Rehe sind in den Bezirken Rohrbach
und Perg in den letzten Wochen sichtbare Beweise dafür, daß die

Luchse wieder im Mühlviertel sind. Während die Jäger über die Verluste
beim Rehwild klagen, hat Landesjägermeister Hans Reisetbauer keinen
Grund, zum Halali auf die Raubkatzen blasen zu lassen. Vielmehr müßten
die Jäger lernen, mit dem Luchs zu leben, obwohl er als jagdbares Tier
gilt.

Lesen Sie weiter auf Seite 25

OÖN, Hauptausgabe vom 06.03.1999 - Seite 025

Luchse im Mühlviertel: Jäger klagen über gerissene Rehe

VON WOLFGANG EISL

ROHRBACH. In den Bezirken Rohrbach und Perg scheinen die Luchse
wieder heimisch zu werden. Jäger klagen über Verluste an Rehwild, das
von den Raubkatzen gerissen wird.

Die größte europäische Raubkatze, die in Österreich als ausgerottet
gegolten hat, dürfte aus Tschechien eingewandert sein.

Angeblich tummelt sich schon ein halbes Dutzend Luchse in den
waldreichen Bezirken, wo sie gerade im Winter einen für sie gut
gedeckten Tisch finden.

Denn das Rehwild, die bevorzugte Beute der Luchse, kennt seinen Feind
nicht mehr. Die Luchse lauern den Rehen bei den Futterstellen auf und
reißen dort ihre Beute.

"Sie verhalten sich nicht so, wie die Wissenschafter sagen", sagte
Landesjägermeister Hans Reisetbauer im OÖN-Gespräch. Allgemein
wurde angenommen, daß ein Luchs immer wieder zu seinem "Riß"
zurückkehrt und mehrmals davon frißt, ehe er wieder auf (anstrengende)
Beutejagd geht.

Im Mühlviertel wird es den Luchsen dagegen leicht gemacht, weil das
Rehwild immer wieder die gewohnten Futterstellen aufsucht und dort
dem Luchs, der vielfach auch auf Bäumen lauert, in die Fänge gerät. In
den vergangenen Wochen sind nach Angaben der Jäger in den Bezirken
zwei bis vier Rehe gerissen worden.

Weil das Murren der Jäger zunimmt, sucht Reisetbauer nach einer
Möglichkeit, sie für die Wildverluste zu entschädigen. Dabei schwebt
ihm eine Art Solidaritätsabgabe der Jäger vor.

Obwohl der Luchs als jagdbares Tier gilt, will Reisetbauer keineswegs
zum "Halali" auf die Raubkatzen blasen lassen. "Wir werden mit dem
Luchs leben müssen", sagt der oberste Jäger des Landes.

Auch die Rehe werden dazulernen und in einigen Jahren den Räuber
richtig einschätzen, meint Reisetbauer weiter. Er plädiert ohnedies dafür,
die Rehfütterungen zu überdenken und sie dort einzurichten, wo das
Gelände frei ist und ein heranschleichender Luchs von den Rehen leichter
wahrgenommen werden kann.


OÖN, Hauptausgabe vom 16.03.1999 - Seite 015

Keine Waffennarren und Bambi-Mörder
Jäger basteln an modernem Leitbild


VON WOLFGANG EISL

ROHRBACH. Im Spannungsfeld zwischen Tierschützern und der Land-
und Forstwirtschaft, die ihnen die vom Wild angerichteten Flur- und
Baumschäden vorhält, leben die Jäger seit vielen Jahren.

Im Bezirk Rohrbach wollen deshalb die 800 Jäger ihr Image durch ein
modernes Leitbild verbessern.

Die Menschen haben in den vergangenen Jahrzehnten ihren Lebensraum
immer weiter ausgedehnt. Eine vielfache Zersiedlung der Landschaft war
die Folge. Dazu kommt die Naturnutzung durch Freizeitsportler. All das
hat den Lebensraum des Wildes stark eingeschränkt.

Weil es keine Raubtiere mehr gibt, bleibt nichts anderes übrig, als die
Wildbestände ebenfalls durch den Menschen regulieren zu lassen. "Die
Weidgerechtigkeit gehört immer wieder überdacht", erklärt
Landesjägermeister Hans Reisetbauer und geht damit auf immer unter
verschiedenen Gesichtspunkten (Waffenverbot, Fallenjagd) wieder
aufflammende Kritik an den Jägern ein.

"Die Frage nach der Qualität jagdlichen Verhaltens ist gerechtfertigt",
sagt Bezirksjägermeister Hieronymus Spanocci. Das künftige Leitbild
soll Tradition, wildbiologische Erkenntnisse, die Erwartungshaltung der
Öffentlichkeit und modernen Naturschutz unter einen Hut bringen.

Die Prüfung für dieses Leitbild wird sein, wie sich die Jäger gegenüber
den Luchsen verhalten werden, die ihnen seit einiger Zeit Konkurrenz
machen.

Die Luchse haben seit 1997 im Bezirk Rohrbach etwa 40 Rehe gerissen.
Die Jäger wollen deshalb auch die Großkatzen bejagen und fordern
Schuß- und Schonzeiten. Wenn das nicht möglich ist, finanzielle
Abgeltungen von etwa 1000 Schilling je gerissenem Reh.


OÖN, Regional vom 18.03.1999 - Seite Linz

Reh und Hase sind beliebte Jagdobjekte

ROHRBACH. 4154 Rehe, 1672 Hasen, 966 Wildenten, 692 Füchse
und 545 Marder haben die Jäger aus dem Bezirk Rohrbach in der
Jagdsaison 1998/99 erlegt. Gestiegen sind auch die Abschußzahlen bei
den Wildschweinen von 91 auf 101, Fasanen von 188 auf 336 und
Rebhühnern von 152 auf 188 Stück.

Wie im Bezirk Perg, haben auch die Weidmänner im oberen Mühlviertel
Probleme mit dem Luchs, der sich im Gebiet nördlich der Großen Mühl
angesiedelt hat. Immerhin wurden in den vergangenen zwei Jahren 40
Rehe von den Raubkatzen gerissen. "Diese Tiere sollten bejagbar sein",
spricht Bezirksjägermeister Hieronymus Spannocci seinen Kollegen aus
der Seele.

Beim jüngsten Bezirksjägertag wurden 14 Jäger mit dem Goldenen
Bruch und vier mit der Raubwildnadel ausgezeichnet. Für die besten
Rehbocktrophäen bekam Alois Leitgeweger aus St. Johann/Wbg. eine
Medaille in Gold. (fo)


OÖN, Hauptausgabe vom 23.03.1999 - Seite 005

Trophäensammler Thema: "Luchsgefahr."

Wenn in den Jagdbezirken Rohrbach und Perg die Jägerschaft gegen die
eingewanderten Luchse zu Felde zieht und den Abschuß dieser
herrlichen Tiere fordert, liegt der Verdacht nahe, daß es hier nur um
"Trophäensammler" geht.

Allein im Jagdbezirk Rohrbach werden pro Jahr 4000 bis 5000 Rehe
geschossen. Was sind da schon 40 Rehe in zwei Jahren dagegen, die
von Luchsen gerissen werden. Mindestens genau so viele werden von
wildernden Hunden oder von Mähdreschern getötet, von Autos
überführten ganz zu schweigen.

Und dann noch über "Kopfgeld" für jedes Stück Rehwild zu diskutieren,
ist schon stark. Der Luchs als äußerst scheues und für den Menschen
völlig ungefährliche Raubtier kann sicher nicht den Rehwildbestand
gefährden! Sind wir doch froh, daß es sie wieder und noch gibt!

HELMUT SCHMIDINGER, St. Valentin


OÖN, Magazin vom 27.03.1999 - Seite 010

Naturschutzjugend Haslach erhebt wieder die Bestände unserer Frühlingsboten

Sag mir, wo die SCHWALBEN sind

"Mariä Verkündigung (25. März) kehren die Schwalben wiederum",
weiß der Volksmund. Daß sie es nach erfolgter Rückkehr bei uns immer
schwerer haben, ihren Bestand zu sichern, weiß man seit Jahren bei der
Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ) Haslach.

Und man tut etwas dagegen: Zusammen mit der Hauptschule Haslach
zählen die jungen Naturschützer seit Jahren das Schwalbenaufkommen in
ihrer Region und versuchen durch Nisthilfen und eigens angelegte
Schwalbentümpel, die Bestände langfristig zu sichern. Während sich die
künstlichen Nisthilfen bei den Mehlschwalben bewährt haben (44 %
wurden von Brutpaaren besetzt), werden sie von den Rauchschwalben
nur in seltenen Fällen angenommen. Ihnen kann eher durch geeignete
Stützbrettchen geholfen werden.

Die Erhebung der Schwalbenbrutpaare erfolgt in den Ortschaften
Damreith, Hörleinsödt, Hinternberg, Oedt und Hartmannsdorf. Einmal
pro Jahr wird der Bestand an Rauch- und Mehlschwalben erfaßt. 37
landwirtschaftlich oder nicht landwirtschaftlich genutzte Gebäude werden
auch heuer wieder um den 20. Juni kontrolliert.

Derzeit liegen die Daten für den Zeitraum 1980 bis 1997 vor, berichtet
ÖNJ-Leiter Karl Zimmerhackl. Nach einem Höchststand in den Jahren
1988 bis 1992 sind die Bestände laut Erhebung kontinuierlich
zurückgegangen. Waren es bei den Mehlschwalben 1992 noch 130
Brutpaare, so konnten 1996 nur noch 37 Paare registriert werden. 1995
wurden 122 Rauchschwalbenpaare gezählt, zwei Jahre später waren es
noch 63.

In den untersuchten Ortschaften liegen die Gründe für den
Bestandsrückgang laut Zimmerhackl vor allem in lokalen
Veränderungen. Die strukturelle Verarmung der Kulturlandschaft und
der damit verbundene Schwund an Schlechtwetter-Nahrungsbiotopen
schränkt das Futterangebot für die Schwalben stark ein.

Durch Asphaltierung von Straßen und Vorplätzen fehlt geeignetes
Nistmaterial (Lehm), verstärkter Insektizideinsatz reduziert das Angebot
an Insekten. Hausrenovierungen entziehen den Schwalben ihre
angestammten Nistplätze. Bei den Rauchschwalben genügt bereits die
Aufgabe der Rinderhaltung, daß die Nester in den Stallungen nicht
weiter benützt werden.

Die Biologin Birgit Kaffenda (25) aus Walding hat in ihrer Diplomarbeit
an der Universität Wien die Bestandserhebungen der ÖNJ Haslach
zusammengefaßt. In Gesprächen mit 15 Landwirten ist sie der sozialen
Dimension des mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichneten
Projekts nachgegangen, das nicht zuletzt dem Abbau von
Berührungsängsten zwischen Bauern und Naturschützern dient.

Auskunft: ÖNJ Haslach, 4170 Haslach, Grubberg 17,

Tel. und Fax: 0 72 89 / 71 4 93. e-mail: oenj.haslach@xpoint.at


OÖN, Regional vom 08.04.1999 - Seite Linz

Die ersten Störche sind schon im Mühlviertel eingetroffen

VON GRISELDA FOSEN

FREISTADT/HASLACH/SAXEN. Während die Störche von Freistadt
und Haslach bereits wieder ihr Quartier bezogen haben, warten die
Saxener mit Bangen auf ihre Lieblinge.

"Hoffentlich akzeptieren sie ihr neues Nest", fragen sich derzeit viele
Saxener. Da im vergangenen Jahr mit der Sanierung der Volksschule
begonnen worden ist, mußte bei dieser Gelegenheit das Storchennest
abgenommen werden, an einer anderen Stelle der Schule wurde es
wieder angemacht. "Am Karsamstag wurde bei uns bereits ein Storch
gesichtet", weiß Pfarrer Konrad Streicher, der mit einer Mitarbeiterin
seit Jahren das Geschehen im Horst beobachtet. Nach längerem Kreisen
zog der Zugvogel wieder ab, sodaß die Saxener befürchten, der Storch
würde sein neues Heim nicht akzeptieren.

Auch die Freistädter fragten sich im Vorjahr bange, ob die Störche einen
neuen Standort annehmen, da der baufällige Schlot der Molkerei
abgetragen werden mußte. Drei Nester an verschiedenen Erhöhungen
wurden angebracht, letztendlich haben sich aber die Zugvögel einen
eigenen Standort gesucht, der vor einigen Tagen bereits wieder vom
Storchenmännchen bezogen worden ist.

Auch in Haslach wurde am 1. April der Chef der Naturschutzjugend
Haslach, Karl Zimmerhackl, von einigen Haslachern informiert, daß der
Storch eingetroffen sei. "So früh war er noch nie da", so der Pädagoge,
der vermutet, daß immer das gleiche Pärchen in Haslach nistet. Die Tiere
kennen sich bereits aus, können sich daher besser orientieren, zudem
dürfte bei ihrem Flug nach Österreich ein guter Wind geweht haben, der
den guten Seglern entgegenkommt. "Vor zwei Jahren war das schlechte
Wetter bemerkbar", so Zimmerhackl, der im Vorjahr mit seinen
Mitarbeitern eine Studie über die Haslacher Störche präsentiert hat. Mit
den drei Standorten in Freistadt, Haslach und Saxen dürfte die Kapazität
an Storchennestern ausgeschöpft sein, da die Tiere einen gewissen
Umkreis als Futterquelle brauchen.


OÖN

Regional vom 27.08.1998 - Seite Linz
Wenn Bauernhöfe schließen, ziehen sich Schwalben zurück

HASLACH. Sobald ein Landwirt seinen Hof aufgibt, bleiben die Rauchschwalben aus. Dies ergab eine Studie der Naturschutzjugend Haslach.

"Die Vögel brauchen die Wärme eines Stalles", erklärt Karl Zimmerhackl, Chef der österreichischen Naturschutzjugend Haslach. Da gerade im Mühlviertel immer wieder Höfe geschlossen werden, sind in den vergangenen drei Jahren die Rauch- und Mehlschwalben um Haslach stark zurückgegangen. Während die Mehlschwalben auch auf Nistkästen umsteigen, die außerhalb des Hauses angebracht werden können, bleiben ihre Artgenossen weg, wenn ihnen die Wärme fehlt. Wird hingegen ein Stall erneuert und vergrößert, kommen auch mehr Tiere, obwohl es drei bis vier Jahre dauern kann, bis die Schwalben einen neuen Stall akzeptieren.

Seit 1980 nimmt die Naturschutzjugend Haslach jährlich eine Schwalbenzählung vor, zu der Kinder eingeladen werden. "Es ist wichtig, daß Jugendliche bei Umweltprojekten miteinbezogen werden", betont Zimmerhackl, der sich darüber freut, daß Schüler für diese Zählung freie Nachmittage opfern. Da die Zählung zur umfangreichsten in Mitteleuropa gehört, werden die Projekte immer wieder für Diplomarbeiten an Universitäten herangezogen. (fo)


 

 
OÖN

Hauptausgabe vom 12.09.1998 - Seite 032
UNO: Jede 3. Haustierrasse bedroht Mühlviertler zeigen Ausweg auf

VON KLAUS BUTTINGER

In den Industriestaaten wie auch in den ärmeren Ländern sind 30 Prozent der Nutztierrassen vom Aussterben bedroht. Wie dem entgegenzuwirken ist, zeigt eine Initiative der Österreichischen Naturschutzjugend anhand des Waldschafes.

Nach Angaben der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) stirbt weltweit jede Woche eine der 5000 registrierten Nutztierrassen aus. In Europa sind 20 Prozent der Rassen bedroht. Der Grund: Moderne, hochspezialisierte und leistungsstarke Rassen verdrängen viele örtliche Tiere, die zwar weniger Ertrag abwerfen, aber an Klima und Geographie angepaßt sind.

Daß ein Gegentrend machbar ist, beweist die Österreichische Naturschutzjugend (ÖNJ) in Haslach. Die Aktivisten haben sich des Waldschafes angenommen und können positive Bilanz ziehen: 1993 blökten nur noch 60 Tiere der angestammten Mühlviertler Schafrasse auf den Weiden des Böhmerwaldes. Die Gefahr des Aussterbens war akut. Heute hat sich der Bestand aufgrund der Arbeit engagierter Züchter erholt. Knapp 400 Tiere sichern den Fortbestand der gegen Krankheiten enorm widerstandsfähigen Rasse.

Gras, Heu und sonst nichts

Der Haslacher Hauptschullehrer und ÖNJ-Leiter Karl Zimmerhackl zählt die Argumente auf, die für die Haltung der althergebrachten Schafrasse sprechen: "Das Waldschaf ist genügsam und läßt sich ohne Zufütterung nur mit Gras und Heu auf ansonsten schwer zugänglichen Weiden halten. Es hat eine hohe Lebenserwartung und macht keine Probleme beim Ablammen. Für den Winter genügt ein heller Kaltstall mit Auslauf."

Vom Fleisch des Waldschafes, das unter dem Markennamen "Böhmerwaldschaf" vermarktet wird, sind Feinschmecker begeistert. Es ist fettärmer und feinfasriger als jenes von hochgezüchteten Fleischrassen. Selbst das Fleisch älterer Tiere ist frei vom typischen Schafgeschmack, es "schäffelt" nicht (Informationen zum Bezug von Waldschaffleisch: Elisabeth und Hans Kjäer, Kriegwald 18, 4162 Julbach, Tel.: 0 72 88 / 85 35).

"Söck'lbär" nennt der Volksmund das Waldschaf, was schon auf die Verwendung seiner Wolle hinweist. Sie wird zu Socken verarbeitet wie auch zu Sakkos. Die Textilwerkstätte Weitersfelden ist federführend in der Vermarktung der Mischwolle unter dem Namen "Mühlviertler Tweed".

Wie richtig der umfassende Haslacher Ansatz zur Erhaltung gefährdeter Nutztiere ist, unterstreicht die Tatsache, daß EU und Land Oberösterreich das Rettungsprojekt fördern.


 APA
Wissenschaft/Zoologie/Salzburg/Tschechien

WISS/20.02.1997

Zoologische "Sensation": Nachzucht von Flußperlenmuscheln gelang

Utl.: Symposium zu Süßwassermollusken in Salzburg =
   Salzburg (APA) - Eine zoologische Sensation gelang einer
tschechischen Forschergruppe: die Wissenschafter, die seit zehn
Jahren an dem Projekt arbeiten, konnten erstmals die vom Aussterben
bedrohten Flußperlmuscheln nachzüchten. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten
präsentieren die Forscher bei dem zweitägigen Symposium "Ökologie und
Taxonomie von Süßwassermollusken", das heute, Donnerstag, an der
Universität Salzburg beginnt. Rund 60 Teilnehmer aus Österreich,
Deutschland, der Schweiz, Ungarn, Tschechien, Schweden, der Ukraine
und der USA informieren sich dabei über neueste wissenschaftliche
Ergebnisse. ****

   In vielen Bächen Mitteleuropas war die Flußperlmuschel früher
häufig zu finden. Perlenzucht wurde im großen Stil betrieben. Doch
Abwassereinleitung und Bachverbauung führten dazu, daß die Muschel an
vielen Orten vollständig verschwunden ist. Die Flußperlmuschel gehört
mit einem durchschnittlichen Lebensalter von 130 Jahren den Tieren,
die das höchste Alter erreichen, sagte Robert Patzner vom Salzburger
Institut für Zoologie. Bei den meisten noch vorhandenen Populationen
- die Flußperlmuschel kommt im oberen Mühlviertel, Bayerischen Wald
und angrenzenden Tschechien vor - sind die jüngsten Muscheln schon
über 40 Jahre alt. Das heißt, sie pflanzen sich nicht mehr fort und
sind damit vom Aussterben bedroht.

   Was vielfach versucht wurde und immer gescheitert ist, gelang nun
einem tschechischen Forscherteam, das seit zehn Jahren an dem Projekt
arbeitet. Die Wissenschafter haben mittlerweile tausende
Flußperlmuscheln nachgezüchtet und auch schon in die Natur
ausgesetzt, erklärte Patzner, der sich das Zuchtprojekt kürzlich in
Tschechien ansah. Salzburger Zoologen versuchten vergeblich, die
Muscheln nachzuzüchten. Durch neue Erkenntnisse über Ernährung und
Lebensgewohnheiten der Jungmuscheln gelang den tschechischen
Forschern die Nachzucht. Die Flußperlmuscheln benötigen kalkloses und
sehr sauberes Wasser.

   Weitere Schwerpunktthemen des Symposiums sind die Rolle der
Schnecken und Muscheln als Bioindikatoren. Diese reagieren bei
Veränderung von Wasserqualität und Wasserdynamik besonders stark und
dienen deshalb als ideale Umweltindikatoren. Als Beispiel nannte
Patzner die österreichische Quellschnecke als Indikator für die
Wassergüte. Diese lebt beispielsweise bei den Gaisbergquellen, in
Tennengau oder bei besonders sauberen Bächen im Flachgau vor. Sei
diese Schnecke einmal vernichtet, trete sie an der Stelle nie mehr
auf, erklärte Patzner.

 (Schluß) lc/cm/km
APA188    1997-02-20/11:09

 APA
Wissenschaft/Wettbewerb/Österreich/Steiermark

WISS/02.11.1998

Preise des Regionswettbewerb "Kulturlandschaft" vergeben

Utl.: Zweimal Rang eins für steirische Projekte =
   Wien (APA) - Zwei erste Plätze für steirische Projekte gab es beim
Regionswettbewerb "Kulturlandschaft" im Rahmen des österreichischen
Schwerpunkts "Kulturlandschaftsforschung". Rang eins in der Kategorie
A (verwirklichte Projekte) ging an das Institut Kornberg für
Nachhaltige Regionalentwicklung des Entwicklungsvereins Kleinregion
Feldbach, in der Kategorie B (geplante Vorhaben) siegte der "Ökoplan
Weiz" der Stadtgemeinde Weiz. Die Preise wurden Montag nachmittag von
Wissenschaftsminister Caspar Einem in Wien verliehen. ****

   Für den Wettbewerb waren Gemeinden, Regionen, regionale
Initiativen aufgefordert, innovative Programme und beispielhafte
Ideen zur Forcierung einer nachhaltigen Entwicklung in der
Kulturlandschaft einzusenden.

   Das Institut Kornberg für Nachhaltige Regionalentwicklung wurde
nicht zuletzt eingerichtet, um zur Erhaltung der kleinbäuerlichen
Kulturlandschaft beizutragen. Dazu veranstaltet das Institut Gründer-
und Erfinderbörsen sowie Seminare. Zu den Aufgaben gehören auch die
"aktive Forschung auf Gebieten mit strategischer Bedeutung für die
Region", die Information der Bevölkerung und die Umsetzung von
Forschungsergebnissen. Der erste Preis in der Kategorie A ist mit
30.000 Schilling dotiert, der damit verbundene Forschungspreis hat
eine Höhe von 500.000 Schilling.

   Der "Ökoplan Weiz" ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem
Österreichischen Ökologie-Institut und der Stadtgemeinde Weiz. Durch
das Projekt sollen vorbildliche Konzepte zur Optimierung eines
kommunalen Umweltmanagements erarbeitet werden. Der Bogen der
Maßnahmen reicht von der Sicherung der letzten Waldbestände über die
Festlegung städtischer Entwicklungszentren für Wohnbau und
Gewerbeansiedlung bis hin zu geplanten Errichtung einer Energie- und
Umweltberatungsstelle. Der Preis ist mit 30.000 Schilling dotiert.

   Platz zwei in der Kategorie A geht an Herbert Weingartner vom
Institut für Geographie der Universität Salzburg für das Projekt
"Südliches Tennengebirge - Nachhaltige Entwicklung in der Region",
Platz drei an die Österreichische Naturschutzjugend Haslach für das
Projekt "Naturraum Böhmerwald". In der Kategorie B landeten auf den
Plätzen das Projekt "Gewässerbetreuungskonzept Obere Drau /
Lienz-Sachsenberg" des Amts der Kärntner Landesregierung und das
Projekt "Virger Feldflur: Alter Kulturraum - neue Wege" vom Verein
Leader Virgen-Virgental.

 (Schluß) jak/cm/wea
APA153    1998-11-02/10:46

OÖN

Magazin vom 21.02.1998 - Seite 009
Ein Vogel von gutem Ruf

Seltene Rallenart steht im Zentrum der Schutzbestrebungen des WWF Oberösterreich

Der Wachtelkönig ist die einzige Brutvogelart Oberösterreichs, die weltweit bedroht ist. Er wird heuer im Mittelpunkt der Schutzbestrebungen des "World Wide Fund for Nature" (WWF) in unserem Bundesland stehen. Durch ein Netz von Schutzgebieten soll er im nördlichen Mühlviertel wieder heimisch werden.

Wer die knarrenden, nächtlichen Rufe des Wachtelkönigs hört, darf sich glücklich schätzen. Denn dieser seltenen Wiesenralle sind nur wenige Refugien geblieben. Noch sind nicht alle Lebensumstände des scheuen, nachtaktiven Vogels geklärt. Zweifellos stellt aber die Intensivierung der Landwirtschaft die Hauptursache für den Rückgang dar.

Erst spät kehrt der Wachtelkönig vom weiten Vogelzug heim. Wenn er Ende Mai mit dem Brüten beginnt, kommt er zwangsläufig in Konflikt mit den Erntearbeiten. Regionale Populationen verlieren Jahr für Jahr Gelege und Jungvögel durch die Mahd. Die immer schnelleren Mähwerke lassen selbst Halbwüchsigen oder mausernden Altvögeln kaum eine Überlebenschance.

"1997 konnten im Mühlviertel immerhin gut 15 singende Hähne registriert werden", berichtet Hans Uhl, Leiter der WWF-Schutzprojekte für Wiesenvögel in Oberösterreich. Regelmäßig besetzte Rufplätze und größere Rufergruppen gibt es aber nur in den ungenutzten Grenzstreifen zu Tschechien im Böhmerwald und im Freiwald. Das bedeutendste Wachtelkönig-Vorkommen ortet Uhl an der Maltsch bei Leopoldschlag, vermutlich Teil einer größeren Population von rund 200 Vögeln im benachbarten Südböhmen.

Will man bei uns eine Vergrößerung des Bestandes bzw. eine Wiederansiedlung erreichen, so sind Hilfsmaßnahmen unerläßlich. Uhl: "Wo Wachtelkönige auftauchen, sind Mähtermine ab Mitte Juli und zeitlich gestaffeltes Mähen von kleineren Wiesenparzellen ratsam." Ungenutzte Gräben und Säume würden den Vögeln im Sommer die nötige Deckung bieten.

Den weltweit größten Wachtelkönig-Bestand findet man derzeit in Rußland und Lettland. Dort hat sich die landwirtschaftliche Nutzung nach den großen politischen Umwälzungen der letzten Jahre zugunsten der Ansprüche dieser Vogelart verändert: Große Flächen werden nicht mehr bewirtschaftet - allein in Lettland liegt die Hälfte der Wiesen brach, sodaß dort die Wachtelkönig-Weibchen pro Saison zwei Bruten mit zehn bis zwölf Jungen großziehen. Langfristig werden die Brachflächen aber verbuschen oder der Intensivlandwirtschaft zugeführt, was für den Wachtelkönig negative Folgen haben würde.

Europaweit laufen zahlreiche Forschungsarbeiten zum Wachtelkönig. Vor allem gilt es laut Uhl, die Schutzbemühungen länderübergreifend zu koordinieren. Die Ergebnisse des Wachtelkönig-Symposiums in Freising sind kürzlich in Buchform erschienen - und brachten überraschende Neuigkeiten.

So gelang es deutschen Forschern erstmals, Wachtelkönige in Gefangenschaft zu züchten. Sie konnten dabei belegen, daß die seltene Ralle wirklich ein Vogel von "gutem Ruf" ist: Auch die Weibchen können nämlich den bisher nur von den Hähnen gehörten Revierruf hervorbringen. Uhl: "Wurden die Partner zwei Tage vor Ablage des ersten Eies getrennt, begann das Weibchen vor allem nachtsüber wie ein Männchen zu rufen."

Gefiederte Sorgenkinder: Von Brachvogel bis Birkhuhn

Die jüngste Kontrollzählung, die der WWF mit Unterstützung von BirdLife und der Ornithologischen ARGE am Linzer Biozentrum in den 26 wichtigsten Wiesenvogel-Brutgebieten Oberösterreichs durchgeführt hat, gibt wenig Anlaß zur Freude.

· Brachvogel: Die größten Populationen im Ibmer Moor (16 Paare) und am Irrsee (3-4 Paare) haben sich seit 1994 erholt. Südlich des Irrsees konnte an der Zeller Ache ein neues Vorkommen (2 Paare) entdeckt werden.

· Bekassine: Das Vorkommen im Ibmer Moor (20 Paare) ist stabil, alle anderen sind vom Aussterben bedroht. Größter Handlungsbedarf besteht für die Vorkommen an Maltsch und Aist.

· Wachtelkönig: Seit 1993 führen tschechische Ornithologen ein Beringungsprogramm durch. Allein 1995 wurden 483 rufende Männchen mit Netzen gefangen und beringt. Die höchste Besatzdichte wurde entlang der Staatsgrenze festgestellt. Die Männchen sind äußerst unstet, ihre Zahlen schwanken in einer Saison um bis zu 60 %.

· Braunkehlchen: Der Bestand ist rückläufig. 70 der 300 in Oberösterreich nachweisbaren Paare findet man im Freiwald (Sandl/ Liebenau). Das einzige größere Vorkommen südlich der Donau wurde am Irrsee nachgewiesen (35 Paare). In den Wiesenschutzgebieten der Naturschutzjugend Haslach scheint sich das Braunkehlchen derzeit wieder auszubreiten.

· Birkhuhn: 1996 balzten im Mühlviertel nur noch drei Hähne. Dank eines Bruterfolges im WWF-Schutzgebiet im Freiwald waren im Vorjahr wieder sechs der balzenden Hähne zu beobachten.

· Neue Schutzprojekte: Am Irrsee wird derzeit von der Naturschutzabteilung an einem 80 ha großen Schutzgebiet für Wiesenvögel gearbeitet. Entwürfe einer Schutzgebietsverordnung für das Braunkehlchen-Vorkommen in der "Koaserin" bei Peuerbach sind in Vorbereitung.

Ein grenzüberschreitendes Wiesenvogel-Schutzprogramm (EUREGIO) erarbeiten die Naturschutzabteilungen Oberösterreichs, Salzburgs und Bayerns. Im Freiwald entwickelt der WWF neue Wiesenschutzgebiete auf Basis des Vertragsnaturschutzes.

· Ausstellung: Die laufenden Schutzprojekte werden am 27. Februar im Ursulinenhof im Rahmen des Artenschutz-Festes des WWF in Form einer Wander-Foto-Ausstellung präsentiert.


 

OÖN

vom 28.11.1991 - Seite 014
Titel: Mühlviertler gewannen den Jugend-Umweltpreis

Text: WIEN/LINZ. Zum achten Mal wurde am Dienstag abend in Wien der österreichische Umweltschutzpreis vergeben. Oberösterreich schnitt dabei hervorragend ab.

Der Jugendpreis 1991 wurde an die Naturschutzjugend in Haslach an der Mühl vergeben. Dieser Verein hat das bedrohte Biotop entlang der ehemals "toten Grenze" zur Tschechoslowakei dokumentiert und eine Schutzstrategie ausgearbeitet.

Zum zweiten Mal wurde Ing. Georg Hillbrand aus St. Florian ausgezeichnet. Er bekam heuer den Umweltschutztechnikpreis, weil er es sich zur Aufgabe gemacht hat, die 1974 eingestellte Florianerbahn zu reaktivieren.

Der österreichische Gesamtsieger heißt heuer "Arche Noah". Dieser Verein bemüht sich um die Erhaltung von Obst- und Gemüsesorten. Das Angebot beschränkt sich auf einige wenige Sorten, obwohl es Hunderte lokale Züchtungen gibt. "Arche Noah" vernetzt rund 300 Bauern und Gärtner, die wertvolle alte Landsorten besitzen. Außerdem brauchen alte Sorten weniger Dünger und Spritzmittel als hochgezüchtete.


 

OÖN

vom 04.07.1992 - Seite -05
Titel: Böhmerwald: In jeder Lage schützenswert

Untertitel: Ökologie: Die Pflanzengesellschaften des Bezirks Rohrbach

Serienti: Erforscht & entdeckt

Text: ROHRBACH. Der Durchschnittsösterreicher kennt derzeit laut einer Umfrage nur noch 5 wildlebende Pflanzenarten, 8 Wildtiere, dafür aber auf Anhieb 17 Automarken. Die Lektüre des vegetationsökologischen Fachbuchs "Zwischen Böhmerwald und Donau" (erhältlich im Landesverlag) könnte dazu beitragen, die Relationen wieder zugunsten der im argen liegenden Pflanzen- und Tierheimatkunde zu verschieben.

Der Autor Dr. Wilfried Dunzendorfer, geb. 1940 in Linz, hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen über die Ökologie und Pflanzensoziologie der herzynischen Mittelgebirge (Thüringer Wald, Harz, Sudeten) veröffentlicht. Dunzendorfer ist seit 1967 Naturschutzbeauftragter des Bezirks Rohrbach. Sein besonderes Anliegen gilt der naturnahen Revitalisierung ausgeräumter Kulturlandschaften.

In seinem neuen Buch geht es dem Botaniker um eine biofunktionale Gliederung des Bezirks Rohrbach. Im Hinblick auf das Naturschutz- Großprojekt "Ökoregion Böhmerwald-Donau" beschreibt Dunzendorfer die schützenswerten Pflanzengesellschaften des Oberen Mühlviertels.

Die arktisch-alpinen Pflanzengruppen sind in den Mooren und Fichtenwäldern der Hochlagen anzutreffen. 32 Arten kommen vor, u. a. Rauschbeere, Wollgras, Siebenstern.

Die prä-alpine Gruppe ist im Rohrbacher Bezirk mit 57 Arten vertreten, wobei der Bürstling als dominierender Rasentyp mit seltenen Blütenpflanzen wie Arnika, Alpenglöckchen, Böhmischem Enzian und Alpen-Heckenrose assoziiert sein kann.

Die Pflanzen des kontinentalen Birkenwald-Gebietes werden von 25 Arten vertreten, darunter Preiselbeere und Kriechweide.

Im Böhmerwald ist außerdem die subatlantische Gruppe (feuchte Stufe der Mittelgebirge) mit 48 Arten präsent - bekannt sind Teufelskralle, Silberblatt und Roter Fingerhut.

Die artenreichste Gruppe der Böhmerwaldflora stellen mit 178 Spezies die dem eurasiatischen Laubwaldgebiet angehörigen Pflanzen dar: Türkenbund, Seidelbast und Waldmeister.

Eine ganz andere Pflanzenassoziation findet sich im Donautal. In dem wärmebegünstigten Tiefland von Aschach bis Passau dominiert die submediterrane Gruppe mit Sonnenanbetern wie Schwarzem Streifenfarn, Tragant, Kartäusernelke und Traubeneiche. "Pflanzenasylanten": Sonnenhut, Springkraut

In der Krautschicht entlang der Bäche und Flüsse haben sich interessante "Pflanzenasylanten" etabliert: der Schlitzblättrige Sonnenhut aus Nordamerika, das Drüsige Springkraut aus dem Himalaja. Beide Arten stellen ebenso wie das Vorkommen der Banater Segge eine Florenverfälschung dar.

Unter den Wiesentypen des Böhmerwaldes sind vor allem die Händelwurz-Bürstlingrasen (bis 1050 m Seehöhe) schützenswert. Sie beherbergen die meisten der 13 Orchideen-Arten des Böhmerwaldes. Die Naturschutzjugend Haslach hat eine dieser Kostbarkeiten bei Freundorf erworben. Ausdrücklich legt Dunzendorfer den Landwirten den Schutz der "Sauren Wiesen" ans Herz. Der größte Feuchtwiesenkomplex des Bezirkes befindet sich ebenfalls im Besitz der Haslacher Naturschutzjugend - die 12 ha großen "Panidorfer Wiesen".

5 Pflanzen, 8 Tiere, aber 17 Automarken? Die jungen Haslacher Naturschützer hätten bei den Autos die größere Wissenslücke.


 

OÖN

Linz:Extra vom 08.09.1994 - Seite -10
Titel: "Tümpelaktion" für Schwalben und Frösche

Text: HASLACH (fo). Für Tümpel jeder Art setzt sich die Naturschutzjugend von Haslach ein. Untersuchungen künstlich angelegter Teiche haben ergeben, daß Frösche und Kröten das Gewässer annehmen, sich dort paaren und auch laichen. "Wir haben nun 60 Tümpel in der Gemeinde", berichtet Rainer Vierlinger von der Naturschutzjugend. Ein Viertel der Gewässer sind sogenannte "Folientümpel".

Für die engagierten Naturschützer sind die kleinen Teiche auch für Schwalben wichtig. Schwalben und Amphibien werden jedes Jahr gezählt, sodaß der Verein, der heuer sein 20jähriges Bestehen feiert, einen Überblick über die Population bekommen hat. "Die Vögel sind in Haslach bereits weniger geworden", sagt Vierlinger. Schuld daran sei unter anderem auch das Auflassen kleiner Gewässer, aus dem sich das Federvieh Nahrung holt.

Die Vereinsmitglieder setzen auf Gespräche mit Landwirten, bei denen die Erhaltung der Tümpel im Vordergrund steht. "Man darf nicht nur die wirtschaftliche Seite sehen", meint Vierlinger. Neben der ökologischen Komponente kommt die kulturhistorische Bedeutung der Plätze. So werden Nutzungsgeschichte und besondere Vorkommnisse hinterfragt und archiviert.


 

OÖN

Linz:Extra vom 05.10.1989 - Seite 026
Titel: Schüler als Landschaftspfleger in Oberösterreich unterwegs

Untertitel: Haslacher Naturschutzjugend erwirbt und pflegt seit 1982 wertvolle Gebiete

Text: (OÖN-gmh). Nur allzu selten werden Grundstücke angekauft, um die bestehende Naturlandschaft zu erhalten. Eher werden Erdmassen bewegt und Betonburgen in die Landschaft gestellt. Ganz anders verhält es sich mit einigen beispielhaften Ankäufen, die die Naturschutzjugend Haslach getätigt hat. 36 Hektar wurden bisher in ganz Oberösterreich erworben und vor gröberen Eingriffen gerettet.

Wie, wird sich jeder Normalverbraucher fragen, bekommen Schulkinder die Gelder für den Ankauf von riesigen Kulturflächen zusammen. Schließlich wurde erst jetzt wieder ein Hektar in Freundorf in der Gemeinde Klaffer, die sogenannte Orchideenwiese, finanziert. Ein Drittel der Summen bringen jeweils die Kinder auf, indem in ganz Oberösterreich Aufkleber an den Schulen verkauft werden, andererseits springt die Landesregierung mit jeweils zwei Drittel der Summe beim Grundkauf ein. Aufgabe der Jugendlichen ist es dann, sich intensiv um die Flächen zu kümmern, Veränderungen und Eingriffe so gut es geht zu beseitigen und einen Urzustand herzustellen. Zum Teil, indem alte Bewässerungsgräben wieder geöffnet werden. Denn mittlerweile ist man darauf gekommen, daß es nicht sinnvoll ist, alle sauren Wiesen trockenzulegen.

Im Fall der Orchideenwiese in Klaffer handelt es sich um eine besonders kräuterreiche Fläche, die zwar weniger Heu abgibt, dafür von einer besonderen Qualität. Ein Landwirt, der auch in Zukunft das Grundstück einmal im Jahr mähen wird, weiß zu berichten, daß seine Rinder das Futter von der Orchideenwiese zu schätzen wissen: Kommt eine Fuhre von der Orchideenwiese, lassen sie sofort das "normale" Futter links liegen.

Seit 1982 betreibt die Haslacher Ortsgruppe der Österreichischen Naturschutzjugend den gezielten Ankauf von besonders wertvollen Flächen und hat auch schon für 1990 ein großes Projekt in Vorbereitung: Es handelt sich um die 1,7 Hektar große Ulrichsberger Mühlwiesen.


 

OÖN

Linz:Extra vom 21.09.1995 - Seite 010
Titel: Böhmischer Enzian ist vor dem Aussterben bedroht

Untertitel: In Österreich gibt es nur eine einzige Wiese mit diesen Pflanzen

Text: ULRICHSBERG (fo). Nur noch vereinzelt sind im Böhmerwaldraum böhmische Enziane zu finden. Die einzigen Bestände Österreichs befinden sich in Ulrichsberg, wo sich die Naturschutzjugend Haslach der vom Aussterben bedrohten Pflanzen annimmt. In Bayern hingegen unterstützt nun das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen das Projekt "Böhmischer Enzian".

"Der böhmische Enzian ist für Botaniker wie die 'Mauritius' für Markensammler", erklärt Rolf Helfrich, Artenschutzreferent des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen, das große Interesse der Landesregierung an dem Projekt "Böhmischer Enzian". In Bayern gibt es noch sieben Wiesen, auf denen die 10 bis 15 Zentimeter großen, pyramidenartig gewachsenen Pflanzen vorkommen. Im Gegensatz zu ihren bekannten Verwandten in den Bergen hat die Rarität keine blauen, sondern rosafarbene Blütenblätter. Die sieben Standorte gibt der Diplombiologe aber nicht preis, da er Ausrottungen der Pflanzen durch eifrige Sammler befürchtet. "Wir haben für die Erhaltung dieser Pflanzen eine internationale Verantwortung", bringt Staatssekretär Herbert Huber das Problem auf den Punkt. Bayern kaufte sogar einige der sieben Areale auf, um den Fortbestand des böhmischen Enzians zu sichern.

In Österreich ist der Bestand bereits auf eine Wiesenfläche in Ulrichsberg zurückgegangen, wo noch im Vorjahr 20 blühende Blumen gezählt worden sind. "Heuer blühte keine einzige von ihnen", berichtet Rainer Vierlinger, ein Mitarbeiter der Österreichischen Naturschutzjugend Haslach, die sich der böhmischen Enziane in unserer Region angenommen hat. Den Naturschutzexperten ist noch unklar, was diesen "Blühstreik" ausgelöst hat. Da aber noch alte Samen im Erdreich liegen dürften, sei auch die Pflanze vom Aussterben nicht bedroht, so Vierlinger. Die Gruppe will daher zunächst die nächste blühende Periode abwarten, bevor sie sich weitere Maßnahmen zum Weiterbestehen der Enziane überlegt.

Damit die seltene Pflanze nicht ausstirbt, muß sie vor allem ihre Samen ausreifen lassen können. Der Wiesenbesitzer in Ulrichsberg wird daher aufgefordert, die Mahd erst zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff zu nehmen. Weiters wird das Areal nicht mit Gülle gedüngt und darf auch nicht verändert werden. Der Landwirt erhält für seine Bemühungen sogenannte Pflegeausgleichszahlungen, ein eigenes Artenschutzprogramm für die wenigen Bestände gibt es in Österreich nicht.


 

OÖN

Linz:Extra vom 02.11.1995 - Seite 004
Titel: Gemeinde geht sorglos mit seltenen Blumen um

Text: LIEBENAU (fo). Offenbar gibt es in Österreich doch mehr vom Aussterben bedrohte Böhmische Enziane, als Experten vermutet haben. Bisher war die Naturschutzjugend Haslach, die sich der seltenen Pflanzen angenommen hat, der Ansicht, daß die einzige Wiese mit diesen seltenen Pflanzen in Ulrichsberg existiert, nun wurde auch ein Bestand in Liebenau bekannt. "Die Pflanzen werden hier aber nicht besonders geschützt", sorgt sich eine Blumenfreundin. So hat sie festgestellt, daß in der Nähe der Böhmischen Enziane Fichten aufgeforstet worden sind, obwohl Experten davor warnen, die Umgebung dieser rosa blühenden Pflanzen zu verändern. "50 bis 100 Pflanzen sind vom Aussterben bedroht", ärgert sich die Hobbybotanikerin aus Liebenau.

"Es wird sich zeigen, ob die Fichtenbepflanzung dem Böhmischen Enzian etwas anhaben kann", findet Amtsleiter Johann Ruhaltinger nichts Besonderes an der Pflanzaktion. Die Gemeinde, die von einem Biologen mitgeteilt bekommen hat, daß auf einer Wiese diese seltenen Pflanzen vorkommen, haben den Besitzer gebeten, später zu mähen und keinen Kunstdünger zu verwenden. "Die Pflanzen sind am besten geschützt, wenn über sie nicht gesprochen wird", ist Ruhaltinger überzeugt. Die Wiese wurde auch nicht unter Naturschutz gestellt.

Im Gegensatz zu Bayern unterstützt das Land Oberösterreich nicht die Erhaltung der seltenen Blumen. In Bayern hat sich das Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen der sieben Wiesen angenommen, auf denen noch Böhmische Enziane vorkommen.


 

OÖN

vom 27.05.1988 - Seite 008
Titel: Naturschutzjugend Haslach betreut 21 Hektar Öko-Inseln

Serienti: Aktion jugendfreundlichste Gemeinde

Text: Mit Öko-Inseln in einer Gesamtfläche von 210.000 Quadratmetern betreut die Naturschutzjugend Haslach ein riesengroßes Gebiet. Für ihre vorbildliche Arbeit konnte die 180 Mitglieder starke Gruppe schon sage und schreibe elf (!) Preise und Auszeichnungen einheimsen. In ihrem neuesten Projekt erforscht die Naturschutzjugend die Geschichte der Teiche und Tümpel rund um Haslach, deren älteste nachweislich bis zum Jahr 1830 zurückreichen.

"Sinn und Zweck ist es, zu erfahren, was die Leute veranlaßt hat, Teiche anzulegen, wie viele noch vorhanden sind, wie sie genutzt werden und welche Bedeutung sie für die Landschaft haben", erläutert Karl Zimmerhackl (40), Obmann der Haslacher Naturschutzjugend.

Ein weiteres Projekt, das voll im Gange ist, ist die "Schwalbenbestandserhebung". Seit 1980 werden alle bebrüteten Rauch- und Mehlschwalbennester in mehreren Dörfern aufgezeichnet. Diese Daten werden von Nikolaus Thaller statistisch ausgewertet. Gleichzeitig werden Schutzmaßnahmen für die Schwalben ergriffen. "Werden die Dörfer zuasphaltiert, gibt es kein Material für den Nestbau. Darum bieten wir künstliche Nesthilfen", so Zimmerhackl.

Hilfen bietet die Naturschutzjugend auch jenen, die in ihren Gärten Heckenpflanzungen anlegen. Die Gruppe bietet einheimische Sträucher zum Kauf an, "weil mit den ausländischen Pflanzen können unsere Menschen und Tiere kaum etwas anfangen". "Die Leute sollen das Gefühl haben, in einem Mühlviertler Garten mit Mühlviertler Sträuchern zu sein und nicht in einem Fried- hof."

Das größte Projekt sind die Öko-Inseln mit einer Gesamtfläche von 210.000 Quadratmetern. Mit Hilfe des Landes und eigener Aktionen wurde das nötige Geld beschafft. In der Ortschaft Schindlau, Gemeinde Ulrichsberg, wurde auf Intervention der Naturschutzjugend die Grundzusammenlegung nach ökologischen Gesichtspunkten vorgenommen.

Zimmerhackl zur Motivation der Gruppe: "Uns droht heute kein Truppeneinmarsch wie vor 50 Jahren, sondern ein erschreckender Naturverlust. Wir sehen die Zeichen der Zeit deutlich."


 

OÖN

Linz:Extra vom 11.04.1991 - Seite 005
Titel: Schüler helfen bei der Rettung der bedrohten Ulrichsberger Torfau mit

Untertitel: Finanzierung über Bücherbasare: Naturschutzjugend hofft auf starke Beteiligung

Text: (OÖN-gmh). Alle Schüler Oberösterreichs sollen jetzt mithelfen, die bedrohte Torfau in Ulrichsberg zu retten. Mit dem Geld, das bei einer Schulaktion zusammenkommt, die in diesen Tagen startet, will die Naturschutzjugend Haslach das Gebiet ankaufen, um es zu erhalten. Bei der Landesausstellung 1992 wird die Torfau zur Außenstelle erklärt.

"Wir brauchen heuer noch 1,3 Millionen Schilling, um den Ankauf der gesamten Au durchführen zu können", hofft der Leiter der Haslacher Naturschutzjugend, der Hauptschullehrer Karl Zimmerhackl. In diesen Tagen startet österreichweit eine Aktion, die Lehrer und Schüler animieren soll, bei einem Ökoprojekt mitzumachen. Und zwar in Form von finanzieller Hilfe. In den Unterrichtsstätten sollen Bücherbasare stattfinden, deren Reinerlös (in Oberösterreich) für das Ulrichsberger Projekt verwendet wird. Zusätzlich sollen die jungen Leute zum Lesen animiert werden, und es gibt Buchtips, die helfen sollen das Verständnis für die Umwelt zu verstärken.

Für Schulen oder Lehrer, die sich nicht zur Durchführung eines Bücherbasars durchringen können, haben die Naturschützer ein Ersatzprogramm erstellt: Mit dem Verkauf einer Schwarzstorch- Postkarte um zehn Schilling können die Schüler die Aktion unterstützen. Informationsmaterial über die Rettung der wertvollen Au geht in den nächsten Tagen in sämtliche Schulen des Bundeslandes hinaus.


 

OÖN

Linz:Extra vom 23.05.1991 - Seite 010
Titel: Wo Natur und Technik verschmelzen

Untertitel: Ulrichsberg: Die alte Berdetschlager Mühle wird von der Haslacher Naturschutzjugend reaktiviert

Text: Knapp 15 Jahre lang verfiel die alte Mühle immer mehr, doch nun ist sie gerettet und wird Schritt für Schritt in den Urzustand versetzt. Bei der Öko-Landesausstellung 1992 ist sie als Fixpunkt mit in das Programm eingebaut. Die Rede ist von einer alten Mühle in Berdetschlag in Ulrichsberg, in der sogenannten Torfau. Dieser Bereich wird von der Haslacher Naturschutzjugend gepflegt und in seiner Ursprünglichkeit erhalten.

"Am Anfang stand uns das Gebäude ein wenig im Weg. Mich interessierte bestenfalls, daß hier der Zaunkönig in einer Mauernische haust", erzählt der Lehrer Karl Zimmerhackl, Leiter der Haslacher Naturschutzjugend, über seine Annäherung an das 121 Jahre alte Haus in der Torfau. Aber nach einiger Beschäftigung mit der Au, die die Naturschutzjugend, Acker um Acker aufkauft und erhält - die OÖN berichteten bereits -, kam zwangsläufig ein Umdenkprozeß in Gang. "Die Mühle gehört einfach in die Landschaft und ist mit ihr untrennbar verschmolzen", erkannten die Naturschützer und beschlossen die Renovierung einzuleiten.

Nach einer langen Renovierungsphase, bei der es galt, das Haus abzudeÍken, ist die Substanz gerettet. Doch damit allein wollen sich die Hobby-Naturforscher rund um den Hauptschullehrer Zimmerhackl nicht zufriedengeben: Die Mühle soll wieder in Betrieb gehen, allerdings nur für SchauzweÍke.

Bis in das Jahr 1973 war die Mühle in Funktion und sorgte für die Aufbereitung von Futterschrot. Davor wurde sogar der Mehlbedarf hier gedeckt. Zwölf Bauern aus dem Dorf Berdetschlag hatten ursprünglich die Produktionsstätte errichtet und gemeinsam betrieben. In den letzten Jahren der Produktion war die Anfälligkeit der veralteten Technik so hoch, daß die Einstellung des Betriebes beschlossen wurde. Der "Mühlenring" der Bauern kümmerte sich nicht mehr um die Stätte, es war bereits der Abriß beschlossen.

Das markante Mühlrad existiert seit Jahrzehnten nicht mehr, in den letzten Jahren der Produktion wurde die Energie mit einer Turbine gewonnen. Derzeit macht man sich an die Rekonstruktion des alten Holzrades. Bis es montiert werden kann, dürften noch Jahre vergehen.

Damit sich das Wasserrad auch bewegt, ist fließendes Wasser notwendig: Dazu muß der Mühlbach aktiviert werden, was ein gewaltiges Stück Arbeit darstellen dürfte. Der 400 Meter lange Lauf ist zum Teil verschüttet und dient als Entwässerungsgerinne, sorgt aber eher für nasse (saure) Wiesen, da das Wasser in seinem Bett steht. Sollte der Bach wieder fließen, dann könnten auch diese Probleme gelöst werden.

Die Finanzierung der Arbeiten ist gesichert, zumindest, wenn das "Wasserbauten-Förderungsgesetz" in Kraft tritt. Wann das sein wird, ist unklar.


 

OÖN

Linz:Extra vom 18.07.1991 - Seite -10
Titel: Pfad mit Naturerlebnissen mit Biospielen eröffnet

Untertitel: Haslach: An der Steinernen Mühl wartet ein neues Abenteuer

Text: (OÖN-rasch). "Es wird immer schwieriger, die Natur mit allen Sinnen zu erleben", meint Karl Zimmerhackl von der Naturschutzjugend Haslach. Schmecken, Fühlen, Tasten, Horchen - das alles wollten die Initiatoren im Rahmen ihres Naturerlebniswegs "Steinerne Mühl" ermöglichen. Der Wanderer kann auf dem vier Kilometer langen Weg durch abwechslungsreiches Gelände inmitten von vielfältigsten Vegetationsformen im wahrsten Sinne des Wortes "Natur-erleben".

Rund 600 Kinder haben es am Eröffnungstag des Wanderweges, bei den "Biospielen" tatsächlich ausprobiert, was es heißt, Natur sinnlich zu erleben. Sie haben sich die Augen verbunden und durch Fühlen Bäume zu erkennen versucht. Da galt es auch kleine Schnecken, Blätter, Zweige und andere Dinge, die unter einem Tuch versteckt waren, zu erkennen. "Das war nicht einfach", erzählte der neunjährige Clemens. "Aber es war lustig."

Die Gestalter des Naturerlebniswegs wollen mit ihrem Projekt eine Brücke "vom Erkennen zum konkreten Wissen und Tun" schlagen. Laut einer Umfrage kennt der Durchschnittsösterreicher nur noch sechs Wildpflanzen mit Namen. "Wie wollen wir die Natur schützen, wenn wir sie gar nicht kennen", folgert Zimmerhackl. Eine Begleitbroschüre zum Wanderweg, die in Kürze erscheinen wird, bietet auch nach der Eröffnungswanderung noch eine Möglichkeit zum Nachschlagen.

Der Weg führt entlang des linken Ufers der Steinernen Mühl zur "Zaglmühle". Von dort geht der Weg über eine Brücke und auf dem rechten Ufer wieder zurück. Rund eineinhalb Stunden dauert die Wanderung.

Fast zwei Jahre haben die Arbeiten von der Idee eines "Wanderwegs der besonderen Art" bis zur Realisierung dieses Erlebniswegs in Anspruch genommen. Der Anstoß dafür ist von den Mitgliedern der Böhmerwaldwerkstätte gekommen, die dann bei den handwerklichen Arbeiten mitgeholfen haben. Karl Eder, ein langjähriger Mitarbeiter der Naturschutzjugend und Student an der Universität für Bodenkultur in Wien, hat die Konzeption dieses Projekts im Rahmen einer Seminararbeit ausgearbeitet. Auf dieser Basis haben die Arbeiten begonnen.

"Der Hintergrund dieses Plans war auch in Haslach zusätzlich zu den historischen Stätten eine Natur-Sehenswürdigkeit zu schaffen", erläutert Mitarbeiter Mag. Klaus Thaller.

Das Projekt wurde nicht zuletzt aus diesen Gründen von der Fremdenverkehrsgemeinde Haslach finanziell unterstützt. Jeweils vierzig Prozent der Gesamtkosten von 160.000 Schilling übernahmen das Land Oberösterreich und das Landwirtschaftsministerium.


 

OÖN

Linz:Extra vom 10.10.1991 - Seite 016
Titel: Umweltschutzpreis für aktive Haslacher Jugend

Text: (OÖN-fo). Die große Mühe bei der Erstellung eines Erlebniswanderweges hat sich für die Haslacher Naturschutzjugend gelohnt. In der vergangenen Woche wurde der Verein mit dem Umweltschutzpreis des Landes ausgezeichnet. "Nun fehlt nur noch der Führer, der gerade gedruckt wird, dann ist unser Projekt endgültig abgeschlossen", meint Karl Zimmerhackl, der Obmann der Naturschutzjugend.

Dem Verein waren die vielen Museen in der Mühlviertler Gemeinde zuwenig. "Schließlich besteht Haslach nicht nur aus der Vergangenheit", begründet Zimmerhackl den Entschluß, die Schönheiten der Natur aufzuzeigen. Informationstafeln geben Wanderern des vier Kilometer langen Rundweges entlang der Steinernen Mühl Auskünfte über Pflanzen und Tierarten, die dort heimisch sind. Auch der Fluß wird nicht vergessen. So berichtet eine Tafel über den Ursprung des Gewässers, wieviel Wasser der Fluß enthält und wo er wieder einmündet.

Alle Themen wurden vor zwei Jahren von der Naturschutzjugend ausgesucht und erarbeitet. Für dieses Projekt opferten die Jugendlichen bis zum Sommer dieses Jahres einen Großteil ihrer Freizeit.

Viele Schulen haben bereits ihr Kommen angekündigt, damit die Schüler mit sogenannten Biospielen die Natur in der Praxis besser kennenlernen können.


 

OÖN

Linz:Extra vom 28.11.1991 - Seite 009
Titel: Umweltpreis für Jugend aus Haslach

Text: (OÖN-rasch). "Natur ohne Grenzen" heißt die 140seitige Projektstudie der Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ) Haslach, für die sie den Jugendpreis des Umweltministeriums erhielt. Ministerin Ruth Feldgrill-Zankel überreichte am Dienstag den engagierten Haslachern in Wien die mit 40.000 Schilling dotierte Auszeichnung. Die Naturschützer haben in zweijähriger Arbeit eine Bestandsaufnahme der Natur an der Grenze erarbeitet.

"Ursprünglich sollte unser Projekt 'Natur an der Grenze' heißen, doch die Ereignisse haben uns überrollt, sodaß wir den Titel abändern mußten", erinnert sich Rainer Gierlinger an die Anfänge. Die Haslacher waren die erste Delegation überhaupt, die auch auf tschechischem Boden ihre Arbeiten durchführen durfte. So bietet die grenzüberschreitende Bestandsaufnahme selbst für den Böhmerwaldkenner Überraschendes: Luchs und Wildkatze werden in dieser Region noch regelmäßig beobachtet. Selbst zehn Elche sind in den Wäldern entlang der Grenze heimisch.

"Ohne Mithilfe unserer Freunde aus der CSFR hätten wir keine vollständige Dokumentation zusammenstellen können", freut sich ÖNJ- Obmann Karl Zimmerhackl über die "grenzenlose" Zusammenarbeit. Erreichen wollen die Haslacher eines: daß erkannt wird, daß die weitgehend intakte Natur wertvolles Kapital des Böhmerwaldes ist.


 

OÖN

Freizeit vom 06.06.1992 - Seite 007
Titel: Naturerlebnis Steinerne Mühl

Untertitel: Wanderung mit Informationswert: Nachdenken über den Stellenwert der Natur

Text: Nicht zum hastigen Sammeln von Natur, sondern zum allsinnlichen Sammeln von Erfahrungen und Eindrücken in der Natur will der Naturerlebnisweg an der Steinernen Mühl in Haslach im oberen Mühlviertel verführen. Der eigentliche Animateur dazu ist ein vorbildlicher Naturführer, in dem Sie eine Menge an Anregungen zu einem spielerischen Kennenlernen unserer Um- bzw. Mitwelt finden. Darin findet sich auch eine Liste an "Mitbringseln" für Aktivitäten, die eine intensive Naturerfahrung ermöglichen (Ölkreide, Papier).

Nicht so abrupt wie der Asphalt verliert sich zu Beginn der Route der Lärm der Autos. Aber die darauffolgende Stille wird bald vom murmelnden Plätschern der Steinern Mühl abgelöst. Kurz darauf führt der Weg am linken Ufer der Steinernen Mühl in ein dichtbewachsenes, dunkles Waldstück, durch eine Fichtenmonokultur. Auf einer der ersten Tafeln wird der Unterschied zwischen diesem naturfernen Ökosystem und ihrem Gegenstück, dem naturnahen (=Mischwald), erklärt. Der Unterschied ist tatsächlich auch zu hören. Denn die Grün-, Schwarz- und Buntspechte, die unüberhörbaren Waldarbeiter, bevorzugen das natürliche Umfeld Mischwald.

Zu Beginn des Weges wird dargestellt, wie die Lebensgeschichte eines Baumes mit ihren schlechteren und besseren Zeiten anhand seiner Stammscheibe ablesbar ist. Anfang und Ende eines Baumlebens wird aber auch an Baumstümpfen deutlich. "So wie ein junges Bäumchen für sein Aufwachsen eine bestimmte Zeit braucht, so benötigt ein Baumstumpf auch Zeit zum Abbau, zum Vergehen", erkärt Karl Zimmerhackl von der engagierten Naturschutzjugend Haslach, die diesen Erlebnisweg in Zusammenarbeit mit den Böhmerwald-Werkstätten errichtet hat.

Auf einem der vermoderten Baumstümpfe wächst schon wieder eine junge Fichtenpflanze heran. Ein Baumstumpf stellt für sich einen Lebensraum dar und durchläuft mehrere Stadien. Ein bekanntes Bild ist der morsche Zylinder, der etwa zwölf Jahre nach dem Schnitt entsteht.

Der Mittelteil des Weges ist "freies Gelände", ohne Wald und Informationstafeln. Zeit, um die Eindrücke wirken zu lassen, um seine Blicke etwa einem Zitronenfalter folgen zu lassen oder um einmal den Saft eines Pfefferminzblattes zu riechen.

Besonders zufrieden flötet an der Steinernen Mühl die Wasseramsel. Ihr kugelförmiges Nest, ihr Zuhause hat sie im steinigen Ufer. Und besonders zufrieden mit dem Uferstrand am Ende des Naturerlebnisweges ist auch die einheimische Bevölkerung. Denn hier befindet sich nach Aussage eines Haslachers der "schönste Badestrand Europas", mit einem Kinderspielplatz. Für Karl Zimmerhackl sind solche Wertschätzungen sehr ermutigend und Auswirkungen des Naturerlebnisweges, dessen Ziel ja die Sensibilisierung der Besucher für Natur und Umwelt ist.


 

OÖN

vom 12.12.1992 - Seite -05
Titel: Lebenszeichen aus der Todeszone

Untertitel: Ökologie: Haslacher Naturschützer untersuchten den südböhmischen Grenzraum

Serienti: Erforscht & entdeckt

Text: HASLACH. An den Todeszonen entlang der ehemaligen Ost-West-Grenzen soll ein einzigartiges Biotop-Verbundsystem entstehen, ein ökologisches Rückgrat für Europa. Der böhmisch-österreichische Grenzraum könnte davon einen Wirbel darstellen. Die Österreichische Naturschutzjugend Haslach hat unter der Leitung von Hauptschullehrer Karl Zimmerhackl und unter wissenschaftlicher Mitarbeit des tschechischen Botanikers Stanislav Kucera den böhmisch- mühlviertlerischen Grenzraum nördlich von Haslach auf seine Schutzwürdigkeit untersucht - ein 16 km2 großes Gebiet, das sich auf böhmischer Seite im Zustand einer längst vergangenen europäischen Urlandschaft präsentiert.

Begonnen hat alles mit einer Wanderung der Haslacher Naturschutzjugend entlang der Grenze im Jahr 1988. Es war ein großes Erlebnis: Baumriesen, 200 Jahre von keiner Menschenhand berührt. Feuersalamander, in einer feuchten Talschlucht. Der Wald mit seinem hohen Totholzanteil, in dem sich Spechthöhle an Spechthöhle reiht. Zimmerhackl: "Das Totholz ist ein wirksames Mittel gegen den sauren Regen, weil sich darin Pilze entwickeln, die viel Säure verarbeiten können."

Auf Anregung aus Haslach wurden im selben Jahr 128 ha auf tschechischer Seite unter Naturschutz gestellt. Auf Mühlviertler Seite sind es heute immerhin 45 ha, die die Haslacher mit Unterstützung der oö. Landesregierung/Abteilung Naturschutz und der Aktion "Schüler retten Naturlandschaften" erwerben konnten.

Jetzt wollen die Haslacher den rechtsufrigen Bereich des Zwettlbaches ankaufen, der zum österreichischen Teil eines bilateralen Naturschutzgebietes werden soll. (Finanzielle Unterstützung über das Spendenkonto 4200-005330, Spk. Mühlviertel- West.)

In dreijährigen vogelkundlichen Exkursionen konnte die ÖNJ Haslach im Grenzgebiet 80 Vogelarten beobachten. Ein Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Wendehalses fand sich in einer Obstbaumbrache in Rosenau, und der in Oberösterreich ausgestorbene Raubwürger wurde auf einer Brachfläche zwischen Reiterschlag und Reichenau entdeckt. Die Naturschützer stießen außerdem auf Schwarzstorch, Birkhuhn, Wachtelkönig und Braunkehlchen - Arten, die man bei uns fast überall schon vergeblich sucht. Zimmerhackl: "Als 81. Art kam heuer die Grauammer hinzu." Ihren Lebensraum, die ungestörte Heckenlandschaft, gibt es nur noch auf südböhmischer Seite.

Die Taxonomie der Schmetterlingsfauna nahm ÖNJ-Mitarbeiter Anton Scheuchenpflug vor. Er konnte 39 Tagschmetterlinge bestimmen, dazu 360 Arten nachtaktiver Falter. Alle wurden ins ZOODAT-Programm am Linzer Landesmuseum aufgenommen. Elche lieben Weidenbüsche

Ausgehend von den zentralen Bereichen des Böhmerwaldes und aus den Karpaten sind in den letzten Jahrzehnten Säugetierarten ins Grenzgebiet zurückgekehrt, die dort schon seit der dem 19. Jahrhundert nicht mehr heimisch waren. Die vermutlich aus Südpolen stammende Elchpopulation umfaßt ca. zehn Tiere. Warum sich der Elchbestand in diesem Teil Südböhmens niedergelassen hat und nicht im Sumava-Nationalpark, ist noch eine offene Frage. Die wissenschaftlichen Beobachtungen ergaben, daß sich Elche im Winter gern an Weidenbüschen laben. Auch Vogelbeeren lassen sie sich schmecken. Die Luchspopulation des Böhmerwaldes wird auf 30 Tiere geschätzt - wie die Wildkatze wird auch der Luchs im Grenzgebiet nördlich von Haslach regelmäßig beobachtet. Aus den 80er Jahren ist das Eindringen von sieben Wölfen bekannt (sie wurden von Grenzsoldaten erlegt). Am Lipno-Stausee ist der Fischotter heimisch. Zimmerhackl: "Leider scheint sich bei Elch und Luchs heute eine Wanderbewegung nach Norden ins Landesinnere abzuzeichnen." Schuld daran dürfte die mit der Grenzöffnung heraufbeschworene Beunruhigung sein. Der Wald kehrt zurück

Ein anderes Problem stellt die Landwirtschaft im südböhmischen Bereich des Untersuchungsgebietes dar. Seit 1991 müssen die landwirtschaftlichen Betriebe dort selbständig wirtschaften. Durch Rationalisierungsmaßnahmen sind zahlreiche alte Haustierrassen gefährdet. Von den einst kopfstarken Populationen von Walacheischaf, Zigajaschaf, Waldschaf und Böhmischem Rotvieh gibt es nur noch wenige Exemplare. Waldschaf und Rotvieh wurden früher als Weidevieh zur Offenhaltung der Landschaft eingesetzt. Zimmerhackl: "Wird die Beweidung aufgegeben, kehrt der Wald zurück." Viele seltene Arten, die auf offene Landschaften angewiesen sind, würden dann verschwinden. Besonders kritisch ist die Lage des Böhmischen Enzians (Gentianella bohemica). Er blüht erst im August und kann ohne Lichtreize nicht keimen.

Den Naturschutz-Ambitionen in Südböhmen steht nicht zuletzt die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung im Weg. Sanfter Tourismus könnte einen Ausweg bieten. Ein Beratungsunternehmen aus Bad Leonfelden hat ein vom Bundeskanzleramt finanziertes Konzept mit dem Titel "Tourismus in Südböhmen" ausgearbeitet, auf dem die tschechischen Behörden aufbauen wollen. Vorgesehen ist u. a. der Ausbau des bestehenden Wegenetzes zu Radwanderwegen und die Gründung von Family-Farms - kleinen, ökologisch orientierten Herbergsbetrieben.

Das tschechische Gebiet wurde inzwischen in die Außenzone des 70.000 ha großen Nationalparks Sumava aufgenommen. Mit dem Nationalpark bildet es das tschechische Biosphärenreservat. Als Fortsetzung auf österreichischer Seite stellen die kleinen Schutzgebiete im Besitz der Haslacher Naturschutzjugend ein Genreservoir ersten Ranges dar.

Das Buch zum Thema:

"Natur ohne Grenzen". Eine Projektstudie der Österr. Naturschutzjugend Haslach 1989 - 1991. Öko-Text 2/92 der Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz, S 100. Bezugsadresse: ÖNJ Haslach, Grubberg 17, 4170 Haslach, Tel. 0 72 89 / 71 493. Das Buch wurde mit dem Österr. Jugendstaatspreis 1991 ausgezeichnet.


 

OÖN

Linz:Extra vom 03.06.1993 - Seite -10
Titel: Mühlviertler experimentieren mit seltenen Waldschafen

Untertitel: In Oberösterreich gibt es nur noch 60 Exemplare dieser Tierart

Text: ROHRBACH (fo). Ein grenzübergreifender Verein setzt sich dafür ein, daß der Böhmerwald ökologisch besser entwickelt wird. Erster Versuch ist, Waldschafe, von denen es derzeit in ganz Oberösterreich nur noch 60 Exemplare gibt, wieder im Mühlviertel anzusiedeln. Weiters sollen im Wald optimale Bedingungen geschaffen werden, um Luchse, Wildkatzen und Schwarzstörche in die Region zurückzuholen.

Hochgezüchtete Schafrassen drängten das Waldschaf, von dem es heute landesweit nur noch 60 Exemplare gibt, immer mehr ins Abseits. "Dabei war diese Art im Böhmerwaldgebiet stark vertreten", berichtet Karl Zimmerhackl, der beim Verein zur Entwicklung der Nationalpark- Region Donau-Moldau mitarbeitet.

In Haslach soll nun eine Zucht mit acht Schafen und einem Widder errichtet werden. Vorteil dieser Tiere ist, daß das Waldschaf sehr robust ist und sich daher gut an das rauhe Klima anpaßt. Das Fleisch ist schmackhaft und die Wolle eignet sich für die Textilverarbeitung.

Nicht nur Waldschafe sollen in Zukunft die Böhmerwaldregion bevölkern. Geplant ist auch, Luchse, Otter, Wildkatzen und Schwarzstörche anzusiedeln. Zu diesem Zweck kauft der Verein, bei dem Österreicher, Deutsche und Tschechen mitarbeiten, aber keine Tiere an. "Wenn die Bedingungen stimmen, kommen sie von selber", ist Zimmerhackl überzeugt. Er kann seine Aussage auch untermauern: Noch vor einigen Jahren gab es im Mühlviertel keinen Schwarzstorch mehr. In jüngster Zeit entdeckte der Haslacher wieder zwei Pärchen. Die Tiere werden nun von einem Team beobachtet, sodaß auf ihre Lebensgewohnheiten besser eingegangen werden kann.

Besonders stolz ist Zimmerhackl auf einen Wolf, der im Winter 1992 im Bezirk Rohrbach gesichtet wurde. Der Verein will nun verstärkt mit Jägern der Region zusammenarbeiten, damit die Neuzuwächse nicht sofort getötet werden. "Gerade beim Wolf ist die Gefahr groß, weil dieser mit einem wildernden Hund verwechselt werden könnte", befürchtet der Haslacher.

Im Herbst sollen bereits erste Forschungs- und Zuchtergebnisse vorliegen. Zimmerhackl hofft, daß sich bis zu diesem Zeitpunkt mehr Naturschützer mit dem Böhmerwald beschäftigen. "Derzeit konzentriert sich alles auf die Kalkalpen", kritisiert der Haslacher.


 

OÖN

vom 07.11.1994 - Seite 015
Titel: Haslacher Jugend erhielt großen Wasserschutzpreis

Text: LINZ (OÖN-judy). Mit 75.000 Schilling ist der Hauptpreis des zum dritten Mal ausgeschriebenen Stiegl-Wasserschutzpreises dotiert. Gewonnen hat ihn heuer die Naturschutzjugend Haslach. Das bereits seit 20 Jahren konsequente Engagement für das ökologische Gleichgewicht ihrer Heimat überzeugte die Jury.

Gemeinsam mit ihrem Projektleiter, dem Lehrer Karl Zimmerhackl, haben die Jugendlichen 450.000 m2 Feuchtflächen an der Großen Mühl erworben und dort prachtvolle Ökoinseln geschaffen.

Wo das frische Mühlviertler Wasser jetzt nicht mehr "flurbereinigt", sondern in Mäandern über die Granitsteine sprudelt, findet man dank der ÖNJ-Initiative wieder bunte Wiesen statt Einheitsgrün. Statt der geplanten bodenstrapazierenden Monokulturen wuchern seltene Orchideenarten wie etwa das Holunderknabenkraut. Schwarzstörche klappern, Fischotter sausen durch das Ufergebüsch und sogar das schon selten gewordene Braunkehlchen fühlt sich hier im "grünen Klassenzimmer" heimisch.

Zusätzlich zu den Haslachern wurden drei weitere Projekte mit je 25.000 Schilling prämiert: eine vollbiologische Kläranlage für Schutzhütten (Wimmer/ Weissenberger), die Renaturierung von Moorbereichen durch den Tv. Bürmoos sowie ein Öko-Gutachten der AG- Lebensraum-Salzach.


 


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