Habichtskauz
    Strix uralensis im Böhmerwald

Die Eulen Österreichs

In der 3-Länder-Region Böhmerwald (Bayerischer Wald, Sumava, Böhmerwald/Mühlviertel) und darüber hinaus ist es vielen Menschen ein Anliegen, daß der einstmals hier ausgestorbene Habichtskauz wieder eine Heimat findet. Die folgende Seite soll eine kurze Einführung zum Thema Habichtskauz sein.

Re-introduction of the Ural Owl (Strix uralensis) on the Austrian side of Bohemian Forest in 2002, article in BUTEO

Tschechisches Habichtskauzprojekt

Habichtskauz-Wiederansiedelung neu, Österreich


Allgemeines:
 

Das Flugbild des Habichtskauzes ist aufgrund der breit gebänderten, langen Schwanzfedern dem des Habichts ähnlich; daher kommt wohl der deutsche Name dieser Eule. Entsprechend seinem wissenschaftlichen Namen wird der Habichtskauz auch als Uralkauz (englisch: Ural Owl) bezeichnet.

Im Bayerischen Wald, wo der Habichtskauz noch bis etwa 1925 Brutvogel war, läuft seit 1975 ein Wiederansiedlungsprojekt, das inzwischen die ersten Erfolge aufweist. Ein erfolgreiches Habichtskauz-Projekt gibt es auch im tschech. Nationalpark Sumava/Böhmerwald - dort werden seit 1995 Habichtskäuze ausgewildert. Im österreichischen Böhmerwald/Mühlviertel gibt es seit 2001 ein Auswilderungsprojekt.

 

Kennzeichen:
 

Größe: 54 - 61 cm
Flügelspannweite: Männchen 115 cm, Weibchen 125 cm
Gewicht: Männchen 540 - 730 g, Weibchen 720 - 1200 g

Der Habichtskauz ist dem nah verwandten Waldkauz sehr ähnlich, aber wesentlich größer und in der Gefiederzeichnung kontrastreicher. Er ist die zweitgrößte heimische Eule nach dem Uhu.
Weibchen sind deutlich größer und schwerer als Männchen. Insgesamt sind etwas 10 Unterarten des Habichtskauzes beschrieben worden.

 

Verbreitung:
 

Das zusammenhängende Verbreitungsgebiet reicht von Nordost-Europa (Schweden, Finnland und baltische Staaten) ostwärts in die Taigazone Eurasiens quer durch Rußland und Sibirien bis nach Sachalin, Korea und Japan.
Außerdem gibt es isolierte Vorkommen - die als Eiszeitrelikte aufgefasst werden - in den Gebirgen Mittel- und Südosteuropas sowie im zentralen China.

 

 
Lebensraum:
 

Im Bayerischen Wald bevorzugen die Käuze buchenreiche Altbestände in sonniger Hanglage, soweit beutereiche Freiflächen angegliedert sind.

In den Karparten und den Gebirgen des Balkans bewohnt der Habichtskauz meist alte Rotbuchenbestände, in denen er alte Greifvogelhorste als Brutplatz nutzt. Im allgemeinen werden Brutplätze bevorzugt, bei denen in der Nähe auch Freiflächen zum Jagen vorhanden sind.

In Schweden, Finnland, Estland und Rußland ist diese Eule dagegen hauptsächlich in Nadelwäldern zu finden, in denen außer natürlichen Höhlen in abgebrochenen Baumstämmen und neben alten Greifvogelhorsten heutzutage vor allem Nistkästen als Brutplatz dienen.

 

Siedlungsdichte und Streifgebiet:
 

Das Revier eines Habichtskauz-Paares ist viel größer als das eines Waldkauz-Paares. Beispielsweise in Finnland, wo benachbarte Habichtskauz-Nester meistens mehr als 2 km (oft 4 km) voneinander entfernt sind. In Süd-Finnland kommen im Mittel 15,3 km2 Fläche auf ein Paar, in Mittel-Schweden 20 - 4 km2/Paar.

In geeigneten Lebensräumen kann es jedoch hohe Siedlungsdichten geben. (Bsp.: Schweden: 4,7 km2/Paar oder Umgebung von St.Petersburg/Rußland: 4,5 km2/Paar oder östlich von Krakau 3,3 km2/Paar).
Durch systematisches Anbringen von Kunsthöhlen in einem Eichen-Hainbuchenwald bei Kosice/Ostslowakei wurden sogar 2-3 Brutpaare auf nur 1 km2 Fläche gezählt.

Die Siedlungsdichte dürfte folglich sehr wesentlich vom Vorhandensein geeigneter Nistmöglichkeiten/Nistkästen abhängig sein.

 

Beutetiere
 

Obwohl der Habichtskauz in großen Wäldern lebt, bevorzugt er zum Jagen die offenen Bereiche im Wald, z.B. Brand- u. Sturmflächen bzw. Kahlschläge und die Waldränder. Er betreibt die Jagd sowohl vom Ansitz aus als auch im niedrigen Suchflug. Zu allen Jahreszeiten bilden Mäuse und Spitzmäuse den Hauptteil der Nahrung. Der Anteil der Wühlmäuse kann sich in einzelnen Jahren bis auf etwas 90 % der Gesamtbeute erhöhen.

Im Winter werden Mäuse auch unter 20-30 cm hohem Schnee gegriffen, also offenbar akustisch lokalisiert.

Während der Fortpflanzungsperiode besteht die Nahrung auf Grund von Analysen zu etwas 74 % aus Wühlmäusen, 9 % Vögeln, 7 % Spitzmäusen, 5 % anderen Kleinsäugern und zu geringen Anteilen aus Fröschen, Eidechsen, Fischen, Insekten (Käfern).

 

Fortpflanzung/Alter
 

Obwohl die Geschlechtsreife schon gegen Ende des 1. Lebensjahres erreicht wird und ein geringer Teil der Weibchen - vor allem bei Mäusereichtum - bereits mit ein oder zwei Jahren zu brüten anfängt, beginnt die weit überwiegende Mehrzahl der Weibchen erst im Alter von drei oder vier Jahren bzw. noch später mit der Fortpflanzung. Überhaupt ist die Fortpflanzung sehr massiv vom Mäuseangebot abhängig.

Habichtskäuze leben typischerweise in einer monogamen Dauerehe. Die Balz setzt bereits im Herbst ein. Das Weibchen beginnt zwischen Mitte Februar und Mitte April mit der Eiablage (meist 3 - 4 Eier) und brütet diese 28 Tage lang aus.

Die jährliche Reproduktionsrate schwankt zwischen 0,9 und 2,9 Jungen pro begonnener Brut. Die Überlebenrate liegt im 1. Lebensjahr bei ca. 60 % erhöht sich im 2. Lj. auf 70 % und im 3. Lj. auf 80 %. In späteren Lebensjahren liegt sie bei 85 %.

Habichtskäuze erreichen ein Höchstalter von 22 Jahren in freier Natur und 30 Jahren in der Voliere.

 

Ortswechsel
 

Gemäß finnischen Beringungsergebnissen haben sich etwa 86 % der als Nestlinge beringten Habichtskäuze (insgesamt mehrere tausend) weniger als 50 km von ihrem Geburtsort entfernt angesiedelt und gebrütet. Die Brutvögel sind zeitlebens sehr seßhaft und entfernen sich gewöhnlich nicht weiter als 2 - 3 km von ihrem Brutplatz.

Das Verstreichen der Jungvögel im ersten Herbst geht in der Regel auch nicht weiter als maximal etwas 100 km.

 

Gefährdung/Schutzmaßnahmen
 

In Mittelleuropa gibt es große Risiken für den Habichtskauz durch den Verkehr bzw. Forstzäune, weil diese Art die Freiflächen knapp über dem Boden fliegend quert.

Neben dem Anbieten von geeigneten Brutplätzen sind vor allem die Erhaltung und Sicherung von Lebensräumen die wichtigsten Schutzmaßnahmen.

 

 

 

Quelle: Scherzinger, W. (2001): Die Eulen Europas
Foto1: Alpenzoo Innsbruck; Foto 2: W. Scherzinger

zusammengestellt von Thomas Engleder · önj Haslach · Herbst 2001

 





Wiederansiedlung Österreich - Mühlviertel/Böhmerwald
 

 

ein Projekt von

       

 

in Kooperation mit

 
Forstverwaltung Spannocchi
   

 

 




Pressemitteilung vom 13.07.2001

Gebackene Mäuse für Habichtskäuze
WWF lud UnterstützerInnen ein, ihre Habichtskäuze persönlich kennenzulernen.


Wien, am 13. 07. 2001- Die Freilassung der ersten beiden Habichtskäuze in Österreich nahm der WWF zum Anlass, die beiden jungen Eulenvögel der Öffentlichkeit zu präsentieren. 20 UnterstützerInnen des Projekts waren gestern abend eingeladen, ihre Schützlinge aus der Nähe in Augenschein zu nehmen. Unter ihnen Dr. Silvia Stöger, Naturschutzlandesrätin in OÖ, Dr. Enrica Seltenhammer, Vertreterin des BMLFUW und Dr. Hieronymus Spannocchi, Bezirks- jägermeister. "Wir wollen uns mit dieser Veranstaltung bei all jenen bedanken, die uns dabei helfen, die Wiederansiedelung der Habichtskäuze in Österreich voranzubringen!", freute sich Mag. Jutta Jahrl, Artenschutzexpertin des WWF Österreich, über die breite Unterstützung, die das Projekt erfährt. Die gebackenen Mäuse am Buffet waren allerdings den UnterstützerInnen vorbehalten - die Jungkäuze bevorzugen die Nager selbsterlegt.

Die zwei Jungvögel wurden gemeinsam mit den Elterntieren gestern aus der niederösterreichischen Zuchtstation des Vereins für Eulen- und Greifvogelschutz (EGS) in Haringsee abgeholt und in ihr Zielgebiet in der Nähe von Rohrbach in Oberösterreich gebracht. Von einer Voliere aus dürfen die jungen Habichtskäuze in den nächsten Wochen ihr neues Leben in Freiheit entdecken. Zuvor aber wurden die Vögel in Rohrbach den UnterstützerInnen vorgestellt.

Der Habichtskauz gilt seit 1925 in Österreich als ausgestorben. Grund dafür war einerseits die rasante Umwandlung von naturnahen Mischwäldern mit ausreichend Unterholz und kleinräumigen Freiflächen in monotone Forste, andererseits die Bejagung des imposanten Vogels. Der große Eulenvogel ernährt sich hauptsächlich von Kleinsäugern, die er während seiner nächtlichen Jagdzüge erlegt.

Das Gebiet im Bereich des österreichischen Böhmerwaldes ist für die Ansprüche des Habichtskauzes geeignet und schließt zudem eine Besiedelungslücke zwischen dem tschechischen Nationalpark Sumava und dem deutschen Nationalpark Bayerischer Wald, wo bereits erfolgreiche Wiederansiedelungen durchgeführt wurden. Träger des österreichischen Projektes sind der WWF, die Oberösterreichische Landesregierung und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft. Unterstützt wird es von den Österreichischen Lotterien.



St. Hubertus, November 2001

Der Habichtskauz ist zurück

Seit diesem Sommer fliegen wieder zwei Jungvögel der in Österreich als ausgestorben geltenden Eulenart durch die Wälder des Mühlviertels. Die beiden - ein Weibchen, das in diesem Frühjahr geboren wurde, und ein einjähriges Männchen - bilden den Start Wiederansiedlungsprojektes, welches auch von der oberösterreichischen Jägerschaft unterstützt wird.

Der Habichtskauz (Strix uralensis) gilt in Österreich seit 1925 als verschollen. Der letzte Brutnachweis in Oberösterreich stammt aus dem Jahr 1863. Als Bewohner naturnaher, offener Mischwälder führte vor allem die Umwandlung seines Lebensraumes in monotone Fichtenforste zum Aussterben der Art. Hinzu kam die direkte Verfolgung! Da Eulen fälschlicherweise als Unglücksbringer und Jagdkonkurrenten betrachtet wurden.

Mit bis zu 60 cm ist der Habichtskauz nach dem Uhu der zweitgrößte heimische Eulenvogel. Er ähnelt im Aussehen dem Waldkauz, ist aber größer, langschwänziger und heller als dieser.
Der Habichtskauz ist vor allem ein Mäusejäger. Er ernährt sich fast ausschließlich von Wühlmäusen und anderen Kleinsäugern. In besonders schlechten Nagerjahren stellen Häher, Krähen, Drosseln oder Tauben eine wichtige alternative Nahrungsquelle dar.

Um genügend Mäuse als Nahrung zu finden, ist der Habichtskauz auf naturnahe, kleinräumig strukturierte, gut durchlichtete Mischwälder mit hohem Buchenanteil, verschiedenen Sukzessionsstadien, ausreichend Unterholz und krautigen Freiflächen angewiesen.

Brutplätze bieten im Optimalfall Höhlen in alten Bäumen, abgebrochene Baumstämme oder Greifvogelhorste. Habichtskäuze nehmen aber auch geeignete künstliche Nistmöglichkeiten an. Sie kommen dann auch in Wirtschaftswäldern mit höherem Laubholzanteil gut zurecht.

Im letzten Jahrzehnt gibt es wieder sporadische Nachweise von Habichtskäuzen in Kärnten und im Mühlviertel. In den Süden Österreichs verstreifen mitunter Tiere aus Slowenien, wo es neben der Slowakei und Ungarn noch größere Vorkommen in unmittelbarer Nachbarschaft von Österreich gibt. Im Nordwesten unseres Landes sind bereits Vögel anzutreffen, die aus Wiederansiedlungsprojekten in den angrenzenden Nationalparken Bayerischer Wald (D) und Sumava (CZ) stammen, welche seit Jahrzehnten erfolgreich durchgeführt werden.

Im Bereich des Böhmerwaldes stehen die Chancen für einen Erfolg des Vorhabens besonders gut. Zum einen gibt es im nördlichen Österreich noch geeignete Wälder, zum anderen erfolgt die Wiederansiedlung in direktem Anschluss an entsprechende Projekte in den Nachbarländern. Über den Sudetenbogen besteht darüber hinaus die Möglichkeit einer Verbindung mit dem Vorkommen in der Slowakei, das sich bereits langsam nach Westen ausbreitet. Die Betreuung und Finanzierung des Projekts wird durch den WWF Österreich, die Oberösterreichische Landesregierung und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft gewährleistet. Neben der Jägerschaft unterstützt vor allem auch die Österreichische Naturschutzjugend dieses ambitionierte Artenschutzprogramm.

Zucht und Auswilderung der seltenen Vögel, die auch kaum in Gefangenschaft gehalten werden, werden vom Verein für Eulen- und Greifvogelschutz in Haringsee durchgeführt, der z. B. bereits die Bartgeier für das Wiederansiedlungsprojekt im Alpenraum sehr erfolgreich nachgezüchtet und große Erfahrungen mit derartigen Vorhaben hat.

Nach intensiven Vorarbeiten wurde das Projekt, das den ausgestorbenen Habichtskauz in Österreich wieder heimisch machen soll, heuer gestartet. In den nächsten Jahren sollen nun jährlich zumindest zwei junge Habichtskäuze in die Freiheit entlassen werden.

Die Tiere werden dabei von der Zuchtanlage östlich von Wien in eine eigens errichtete Auswilderungsvoliere im Mühlviertel überstellt. Dort verbringen sie zusammen mit den Elternvögeln noch eine Weile, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Dann wird die Tür des Geheges geöffnet und dem ersten Flug in freier Wildbahn steht nichts mehr im Wege. Die neuen Bewohner des Böhmerwaldes werden noch einige Zeit gefüttert und halten weiterhin Kontakt zu den Altvögeln, die bis zum Herbst in der Auswilderungsvoliere bleiben werden. Dies soll Heimatbindung erzeugen und dadurch die Ortstreue erhöhen.

Die beiden Habichtskäuze tragen spezielle Sender, sodass ihre Bewegungen und ihr Schicksal ständig verfolgt werden können. Bisher kann man auf diese Weise den großen Erfolg der ersten Phase der Wiederansiedlung feststellen - die beiden Tiere sind wohlauf und jagen bereits selbständig Mäuse. Da in der Waldbewirtschaftung in den letzten Jahren vielfach eine Trendwende hin zu mehr Naturnähe stattgefunden hat und auch der Oberösterreichische Jagdverband den Habichtskauz willkommen heißt, sind die Grundsteine für die Rückkehr des nächtlichen Mäusejägers nach Österreich gelegt.

Text: Mag. Jutta Jahrl; in: St. Hubertus, Jg. 87, 11/2001, Agrarverlag, Leopoldsdorf/Wien


Pressemitteilung; Wien/Linz, am 6. Dezember 2001

Habichtskauz - ausgestorben - wiederangesiedelt - erschossen!
WWF und Projektpartner fordern Konsequenzen

Eine knappe Million Schilling investierten das Land Oberösterreich, der WWF und das Umweltministerium in Aufzucht und Freilassung von Artus und Merlin, den ersten beiden Habichtskäuzen, die in Österreich seit 80 Jahren in freier Wildbahn leben sollten.

Am Wochenende wurde Artus - das Männchen des Pionierpaares - möglicherweise während einer Treibjagd, erschossen. Der beringte Fang des Vogels wurde abgetrennt, das Tier in einen Bach geworfen. Der Schütze war sich seiner Straftat offensichtlich bewusst.

Der WWF fordert rasche Aufklärung und Schadensbegrenzung. "Bis vor wenigen Tagen war das Habichtskauzprojekt eine Erfolgsstory. Mit dem Abschuss von Artus haben wir einen schweren Rückschlag erlitten, eine erste Freilandbrut ist damit in weite Ferne gerückt," ist Dr. Günther Lutschinger Geschäftsführer des WWF Österreich - wie auch die anderen Projektpartner - erschüttert.

Die einfache Bejagbarkeit war einer der Gründe für das Aussterben des großen Eulenvogels: Er ist nicht besonders scheu und kann auch tagsüber beobachtet werden. Diese Tatsache wurde von den Projektbetreibern schon im Vorfeld als möglicher Gefährdungsgrund für die aufwendige Wiederan-siedlung gesehen. Deshalb wurde die Jägerschaft von Anfang an miteinbezogen: Der Oberösterreichische Landesjagdverband hieß den Habichtskauz willkommen, lokale Jäger unterstützten das Projekt tatkräftig vor Ort.

Dennoch fiel der Habichtskauz Artus einer Schrotflinte zum Opfer! Das verendete Tier wurde am Dienstag, 13:00, tot gefunden. "Die Folgen dieser Straftat sind für den Artenschutz mehr als katastrophal! Es gibt nur mehr wenige Zuchtpaare und wir müssen erst abwarten, ob in nächster Zeit überhaupt ein geeignetes Männchen schlüpft." bedauert Mag. Jutta Jahrl, Artenschutzexpertin des WWF. Der WWF fordert zumindest eine rasche Aufklärung des Vorfalles durch Behörden und Landesjagdverband und den Entzug des Jagdscheins des Täters. Zudem muss auch der materielle Schaden abgegolten werden: Um den Status Quo des Projektes wiederherzustellen ist eine knappe Million Schilling nötig.

"Es handelt sich hier um einen Präzedenzfall. Der Abschuss von gefährdeten Wildtieren ist in Österreich leider an der Tagesordnung. Bären, Luchse, Wölfe, Elche und andere Tiere wurden in den letzten Jahren illegal erlegt. Auch die Jägerschaft hat wiederholt betont, dass es sich dabei nicht um Kavaliersdelikte handelt. Wir rechnen daher mit der vollen Unterstützung durch die Jagdverbände," so Jutta Jahrl.

Hans Uhl, Leiter des WWF OÖ dazu: "Der Abschuß des Habichtskauzes muß Konsequenzen nach sich ziehen. Leider ist dieser Vorfall nur als trauriger Höhepunkt von Fehlleistungen zu sehen, die oft im Zusammenhang mit Treibjagden geschehen. Immer wieder werden nach derartigen Jagden irr-tümlich geschossene oder liegen gebliebene Tiere gefunden. Das widerspricht jeder vernünftigen Jagdkultur. Jetzt sind die positiven Kräfte in der Jägerschaft aufgerufen, dem Unfug in diesem Zusammenhang ein für allemal ein Ende zu bereiten. Eine lückenlose Aufklärung des jüngsten Vorfalls soll der erste Schritt dazu sein."

Auch Dr. Wolfgang Scherzinger vom Nationalpark Bayerischer Wald - er leitet dort seit den 70er Jahren ein Wiederansiedlungsprojekt von Habichtskäuzen - teilte sofort schriftlich sein Bedauern mit: "Mit diesem Schrotschuß wurde ja nicht nur ein Kauz unnötig getötet, sowie ein international be-deutendes Artenschutz-Projekt torpediert - sondern auch Ihrer insgesamt hervorragenden Arbeit mit den Käuzen der Boden entzogen. Ich hoffe sehr, daß der dortige Jagdpächter die Aufklärung in die Hand nimmt."

WWF und Österreichische Jägerschaft verurteilen die sinnlose Tat
Wien, am 6. Dezember 2001



Aufgrund des illegalen Abschusses eines der beiden ersten in Österreich wiederangesiedelten Habichtskauzes veranstaltete der WWF gemeinsam mit den Projektpartnern des Wiederansiedelungsprogrammes heute eine Pressekonferenz.

Der Vogel, dessen Aufzucht, Auswilderung und Betreuung eine halbe Million Schilling gekostet hatte, wurde mit Schrot getötet. Der Schütze schlug dem großen, völlig harmlosen Eulenvogel nach der Tat den Fang mit dem Markierungsring ab und warf das Tier in einen Bach, wo es von einem Betreuer des Projektes gefunden wurde.

Nicht nur der WWF ist über diese verwerfliche Vorgangsweise entsetzt. Auch Dr. Peter Lebersorger, Generalsekretär der Österreichischen Jägerschaft, verurteilt die Straftat zutiefst und kündigt harte Konsequenzen an: "Die Österr. Jägerschaft ist erschüttert, dass das Fehlverhalten eines Einzelnen und vor allem die Art und Weise, wie mit dem Fehler umgegangen wird (Vertuschen, Verstümmeln des Kadavers, Wegwerfen) ein erfolgversprechendes Projekt torpediert. Wir werden von Seiten der Jagd auf umfassende Aufklärung und Ausforschung des Täters drängen und fordern dessen lebenslangen Jagdkartenentzug. Denn die Tat nach dem Abschuss, das Vertuschen, ist ebenso verabscheuenswürdig wie die Tat selbst. Wir werden die Schiene der Aufklärung über gefährdete Arten, über Artenschutzprojekte und über die tatsächliche Rolle solcher Arten im Biotop verstärkt kommunizieren. Gerade die in den Projekten engagierten Jäger vor Ort werden hier Unterstützung der Verbände ohne Wenn und Aber erhalten."


OÖN, 7.12.2001

Millionenvogel abgeschossen
Jäger verurteilen Schützen

LINZ. Seit 80 Jahren ist der Habichtkauz in Österreich ausgestorben. Es kostete eine Million Schilling, das Pärchen Artus und Merlin im Sommer im Mühlviertel wieder anzusiedeln. Am Wochenende wurde Pionier Artus erschossen - vermutlich bei einer Treibjagd.

"Im Geschöpf den Schöpfer zu ehren, ist doch ein Spruch der Jägerschaft. Die Zeiten, wo man alles schießt, das einen krummen Schnabel hat, sollten vorbei sein", polterte die Artenschutzexpertin des Landwirtschafts- und Umweltministeriums Enrica Seltenhammer gestern in Linz. Das Ministerium zieht bei der Wiederansiedlung des Mäusefressers mit WWF und Land Oberösterreich an einem Strang. (Sehen Sie dazu den Bericht webtv.nachrichten.at).

Am Dienstag kam der Rückschlag: Artus wurde mittels Peilsender tot in einem Bach in Arnreit im Bezirk Rohrbach gefunden. Der Schütze hatte dem Vertreter der zweitgrößten Eulenart Europas den beringten Fang abgeschnitten, um eine Identifizierung zu erschweren. "Wir werden alles tun, um ihn zu finden", versprach Bezirksjägermeister Hieronymus Spannocchi: "Sollte ein Jäger das Tier erschossen haben, darf er nicht gedeckt werden. Seine Jagdkarte ist für viele Jahre weg." Der Tod von Artus wird von Kriminalisten untersucht. Seine Merlin muss sich nun in Bayern einen Partner suchen. Schnellen Ersatz für Artus gibt es wegen Zuchtproblemen nicht. Das Projekt soll aber weitergehen. (no)


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