Pannonischer Enzian

... der Enzian der Hochlagen

    

Infos zu: Türkenbund, Weisser Germer, Höswurz


Im Böhmerwald ist neben dem Böhmischen Enzian noch eine weitere Enzianart zu finden: der Pannonische Enzian (Gentiana pannonica), manchmal auch als "Ungarischer Enzian" bezeichnet. Die Heimat dieses Enzians ist aber keineswegs das pannonische oder ungarische Tiefland, wie der Name glauben machen mag, sondern er ist vielmehr eine Pflanze der Hoch- und Mittelgebirge. So kommt der Pannonische Enzian neben dem Böhmerwald vor allem auch in den Alpen vor.

In den Alpen besiedelt die Pflanze subalpine und alpine Hochstaudenfluren sowie Magerwiesen. Im Böhmerwald kommt der Enzian vor allem auf  ehemaligen Hochweiden vor, weswegen es sich um ein sogenanntes "Beweidungsrelikt" handelt. Allerdings findet man ihn heute manchmal auch auf Schipisten.

Während der Böhmische Enzian im Böhmerwald durchwegs in Lagen unter 1000 m vorkommt, besiedelt der Pannonische Enzian hauptsächlich die Lagen darüber (bis über 1300m). 

 

Kennzeichen:

Die charakteristischen Stauden des Pannonischen Enzian sind - zumindestens im Böhmerwald - unverkennbar:

Der Pannonische Enzian wird zwischen ca. 15cm und bis zu einem Meter hoch und hat in der Regel glockige, rotviolette Blüten.

Blütezeit: ca. Mitte Juli - Mitte August

 

 

 

Neben der roten Form des Pannonischen Enzians gibt es  (als seltene Besonderheit)  auch Exemplare mit rein weissen sowie gelben Blüten mit dunklen Punkten.

 

Der "eigentliche" Böhmerwaldenzian...

Die tschechische Bezeichnung "horec sumavsky" (Böhmerwaldenzian) hat diese für den Böhmerwald so charakteristische Pflanze zum "eigentlichen" Böhmerwaldenzian erklärt.

Gefährdung: Im Böhmerwald und Bayrischen Wald ist der Pannonische Enzian vor allem durch Aufforstungen und Nutzungsaufgaben von Hochlagenwiesen gefährdet. Im österreichischen Teil des Böhmerwaldes gibt es daher nur noch wenige Standorte.

 

 

Weitere Besonderheiten der Hochlagenwiesen im Böhmerwald:

Eine weitere Besonderheit dieser Hochlagenwiesen ist die Türkenbundlilie (Lilium martagon). Der Name stammt von der Ähnlichkeit der Blüte mit einem türkischen Turban.

Die Pflanze leidet stark unter Rehverbiss und Frass von Lilienhähnchen (einer Käferart), wodurch oft nur wenige Exemplare zur Vollblüte kommen.

Grösse: ca. 30 - 150cm

Blütezeit: ca. Mitte Juni - Ende Juli

Ebenfalls ein Beweidungsrelikt stellt der Weisse Germer (Veratrum album) dar. Er ist giftig und wird daher vom Weidevieh stehen gelassen.

Der Weisse Germer ist auf der österreichischen Seite des Böhmerwaldes durchaus recht häufig anzutreffen, oft findet man sogar Blattaustriebe mitten im Wald.

Grösse: bis über 150cm

Blütezeit: Juli - August

Bilder finden Sie vorerst hier!

Foto: Dr. Horst Kretzschmar 

Die auch als "Weisszüngel(-orchidee)" bezeichnete Höswurz (Pseudorchis albida) ist zwar im Alpenraum noch verbreiteter, stellt aber im Böhmerwald eine ausserordentliche Rarität dar. Im österreichischen Böhmerwald gibt es praktisch keine bekannten Fundorte mehr, die Pflanze steht hier unmittelbar vor dem Aussterben!

Die Höswurz wird ca. 30cm hoch und hat sehr kleine weisse bis weisslich-gelbe Blüten und schmale ovale Blätter.

Blütezeit: Juni - Anfang August


   
© önj Haslach, Frühjahr 2003
Fotos: önj Haslach (soweit nicht anders angegeben)
   


 


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